Mangelnden Fleiß kann man den Berlinern aus dem Hause Teufel wahrlich nicht vorwerfen. Nachdem man dort erst kürzlich der erfolgreichen In-Ear-Reihe Airy TWS ein Upgrade spendierte, kommt nun direkt eine neue Generation Over-Ears auf den Markt und macht einen Bestseller noch besser.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich der aktuelle Real Blue NC 3 nur marginal von seinem Vorgänger, der 2021 zwar noch ohne Nummernbezeichnung auf den Markt kam, tatsächlich aber bereits die zweite Auflage des ursprünglich 2017 veröffentlichten Modells darstellte. Lasst euch davon aber nicht verwirren, sondern einfach gesagt sein, dass die Ausgabe Nummer 3 nun mit einer deutlich aufgebohrten Akkulaufzeit, besserem ANC, einem erweiterten Funktionsumfang und mehr Power auftrumpft.

Ausstattung und Design

Geliefert wird der neue Real Blue, wahlweise in den Farbvarianten Night Black, Pearl White oder Steel Blue, in einem stabilen, oval-förmigen Case, das mit seiner Stoffoptik und dem umlaufenden Reißverschluss einen recht wertigen Eindruck macht.

Im Case finden neben dem faltbaren Kopfhörer auch noch die mitgelieferten Kabel Platz. Teufel legt dem Real Blue NC 3 das obligatorische USB-C-Ladekabel bei, welches mit einem Meter ausreichend lang ausfällt, und spendiert sogar noch ein stoffummanteltes 3,5-mm-Klinkenkabel mit rudimentärem Steuerungselement zur Audiowiedergabe, falls euch mal der Saft ausgeht.

Nicht neu, aber sinnvoll ist ein kleines eingenähtes Fähnchen, welches die korrekte Position des gefalteten Kopfhörers veranschaulicht. Als kleines Goodie liegt zudem noch ein für unseren Geschmack etwas zu leichter Karabinerhaken bei, um das Case bei Bedarf über eine außenseitige Stofflasche an den Gürtel oder Rucksack zu hängen.

Man bekommt also schon einmal so einiges für sein Geld, entscheidend ist aber natürlich, wie der Kopfhörer performt. Dieser folgt einem aktuellen Trend nach Understatement und trägt seine technischen Qualitäten in Sachen Optik und Design nicht unbedingt nach außen. Genau das hat seinen Vorgänger aber ja schon zum Erfolg verholfen. Denn der Teufel Real Blue NC 3 braucht keine feinen Kleider, sondern präsentiert sich selbstbewusst als alltagstauglicher Mid-Price-Straßenkopfhörer, dem man den einen oder anderen Sturz und Kratzer durchaus zutraut.

Von daher gibt es auch an der Verarbeitungsqualität nichts auszusetzen. Das matt gehaltene Plastikchassis konzentriert sich aufs Wesentliche und sorgt für ein geringes Tragegewicht von gerade einmal 280 Gramm. Die Gelenke arbeiten sauber und geräuscharm, die Größenverstellung arretiert mit einem spürbaren haptischen Feedback in zehn Stufen an beiden Seiten. Sowohl der Bügel als auch die Ohrmuscheln sind mit Comfort-Memoryschaum gepolstert.

Insgesamt wirkt der Real Blue NC 3 damit äußerst robust und widerstandsfähig. Eine Angabe zur Wetterfestigkeit nach IPX-Zertifizierung haben wir zwar nicht finden können, beim Studio-Sport hat sich der Kopfhörer mit seinem festen Sitz allerdings als zuverlässiger Begleiter erwiesen. Tatsächlich trägt der Real Blue bei unserer (Durchschnitts-)Kopfgröße sogar einen Tick zu stramm auf und kommt dazu auch noch mit vergleichsweise engen Ear-Pads daher. Etwas großzügiger dimensionierte Menschen sollten von daher erst einmal Probe tragen.

Bedienung und Funktionen

Wie bei Over-Ears inzwischen üblich, sitzen auch beim Real Blue NC 3 sämtliche Bedienelemente im hinteren Bereich der Gondeln. Während links ein einzelner Button für das Ein- und Ausschalten sowie die Bluetooth-Funktionalität zuständig ist, setzt Teufel rechts abermals auf einen wenige Millimeter hervorstehenden Joystick. Leicht zu ertasten gibt dieser dem Finger dank einer Kreuzkerbung guten Halt und erweist sich damit als äußerst kluge und vor allem platzsparende Steuerungseinheit, die so gerne Schule machen darf.

Anstatt uns also mit windigen Touchflächen herumärgern zu müssen, freuen wir uns hier über eine zuverlässige Vier-Wege-Steuerung, die darüber hinaus auch noch als Druckknopf dient. Einmal drücken pausiert und startet die Musik, auch nehmen wir so einen Anruf entgegen oder legen auf.

Klicken wir den Stick nach links oder rechts, gehen wir einen Track zurück oder nach vorne, oben und unten regeln die Lautstärke. Während wir bei vielen Headsets immer mal wieder vergessen, welcher Doppel- oder Dreifachklick wofür zuständig ist, gestaltet sich die Bedienung beim neuen Teufel Over-Ear damit angenehm intuitiv.

Eine Etage tiefer regelt ein weiterer Button exklusiv die Geräuschunterdrückung. Mit nur einem Druck wechseln wir durch die beiden Standard-Modi ANC und Transparenz oder deaktivieren die Funktion. Ein nach unserem Kenntnisstand neues Feature lagern die Berliner hingegen auf einen Doppelklick aus: den sogenannten Konversationsmodus.

Dabei handelt es sich um eine abgewandelte Form des Transparenz-Modus. Doch anstatt lediglich die Geräusche der Umgebung an unser Ohr weiterzuleiten, wird gleichzeitig auch noch die Lautstärke der Medienwiedergabe reduziert. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn man etwa am Bahnhof sicherstellen will, keine wichtigen Durchsagen zu verpassen. Natürlich könnte man auch einfach die Musik komplett ausschalten, aber wer will das unterwegs schon?

Und wo wir schon gerade auf Reisen sind: Grämt euch nicht, wenn ihr eine Bahn verpasst, denn der Real Blue NC 3 stemmt eine beachtliche Premium-Laufzeit von satten 98 Stunden bei deaktiviertem ANC – mit Geräuschunterdrückung sind es immer noch ganze 59 Stunden. Derlei Werte sind in dieser Preisklasse sonst nicht zu erwarten und unterstreichen den Fokus der Berliner auf einen ausdauernden Alltagsbegleiter.

Als solcher will der Real Blue NC 3 nicht allzu kompliziert sein und gibt sich auch in Sachen App-Funktionalität angenehm überschaubar. Am wichtigsten ist hier der innovative Equalizer, der nicht wie allgemein üblich über mehrere Balkensegmente gesteuert wird. Stattdessen verschieben wir einfach eine Welle um den Mittelbereich herum.

Das hat den Vorteil, dass man nicht mehr mehrere Regler nach und nach anpassen muss, sondern quasi mit nur einem einzigen Fingerwischer sämtliche Parameter in Echtzeit aufeinander anpasst. Die diffizile Genauigkeit eines klassischen Equalizers mag damit nicht erzielt werden, für den Laien gestaltet sich das System allerdings deutlich zugänglicher. Zumal Teufel eine Reihe von sinnvollen Presets setzt, die man direkt ansteuern kann.

Ansonsten wechseln wir via App den Modus der Geräuschunterdrückung, lassen uns die Bedienungsanleitung anzeigen, setzen die Wunschzeit für den Auto-Off-Timer, aktivieren den Sprachassistenten oder auch die Multipoint-Verbindung, dank der wir den Kopfhörer für einen nahtlosen Wechsel mit zwei Geräten verbinden. Auch der Ladestand des Akkus wird hier natürlich angezeigt. Alles also aufgeräumt und zweckdienlich – ganz so, wie wir es mögen.

Etwas negativ stößt uns hingegen auf, dass Teufel beim Real Blue NC 3 zwar einerseits auf den modernen Bluetooth-Standard 5.3 setzt, sich in Sachen Codec aber mit SBC und AAC auf den kleinsten gemeinsamen Nenner beschränkt. Von apt-X fehlt sehr zum Leidwesen audiophiler Androidianer jede Spur, was umso mehr überrascht, als dass der Vorgänger den qualitativ höherwertigen Codec noch beherrschte. Ein nur schwer nachvollziehbarer Rückschritt.

Sound und ANC

Im Inneren des Real Blue NC 3 setzt Teufel auf 40-mm-Linear-HD-Töner mit belüfteter Rückraumkammer, eine Technologie, die sonst nur in deutlich teureren Kopfhörern zum Einsatz kommt und gleich mehrere Vorteile hat. Sie sorgt für einen präziseren und tieferen Bass, reduziert Verzerrungen und unerwünschte Resonanzen, erhöht durch die natürlichere Druckregulierung den Tragekomfort und erzeugt ein räumliches und offenes Klangbild.

Dass es sich dabei nicht nur um theoretische Angaben handelt, beweist der Over-Ear quasi vom Start weg, rückt dieser den Bass doch selbst bei neutraler Soundeinstellung klar in den Vordergrund. Das mag sich nicht für jedes Musikgenre oder Geschmack eignen, gestaltet sich aber auf jeden Fall äußerst eindrucksvoll und mächtig. Power hat der neue Real Blue fraglos.

Seid ihr nicht gerade auf fette Hip-Hop- oder Techno-Beats fokussiert, solltet ihr euch von daher etwas Zeit nehmen, den Löwen über den Equalizer in der App zu zähmen. Dergestalt lassen sich aus dem massiven Tiefenfelsen präzise Höhen und konturenreiche Mitten herausmeißeln, um die Natürlichkeit der Klangwiedergabe nach eurem Geschmack zu optimieren. Bei alledem läuft der Sound über einen angenehm warmen und breiten Klangteppich und erfreut das Ohr mit einer beachtlichen Dynamik, die durchaus auch in einer höheren Liga mitspielen könnte.

Gleiches lässt sich auch über die Geräuschunterdrückung sagen, die für ein herrlich gedämpftes Umfeld sorgt. Da Teufel beim Real Blue NC 3 ein rein adaptives ANC verbaut hat, erzielt man die besten Ergebnisse in einer Umgebung mit gleichbleibendem Lärm, wie etwa einem Flugzeug oder einem Büro. Doch auch Gespräche von Mitreisenden oder Kollegen rücken nicht zuletzt dank der passiven Abschirmung der eng aufliegenden Polster in wohlige Ferne.

Noch mehr begeistert hat uns dann aber der Transparenzmodus, der von einem sanften Hintergrundrauschen abgesehen Außengeräusche in einer derart beeindruckenden Natürlichkeit durchleitet, dass man glatt vergessen könnte, einen Kopfhörer zu tragen. Kein Vergleich zu den blechernen Anfangstagen dieser Technik.

In Sachen Konversationsmodus attestieren wir Teufel indes eine gute Idee, der Sound hätte aber durchaus etwas mehr Dampf vertragen, so dass wir letztlich beim klassischen Transparenzmodus mit selbstgewählter Lautstärke geblieben sind.

Bliebe als letzte Disziplin noch das Telefonieren. In diesem Bereich setzen die Berliner auf die dort entwickelte Dynamore Call Technologie, die in Kombination mit einem zusätzlichen Mini-Richtmikrofon störende Umgebungsgeräusche wie Wind oder Stimmen herausfiltert. Gleichzeitig wird unsere eigene Stimme an unser Ohr weitergeleitet, damit man nicht zu einem dieser nervigen Kopfhörer-Schreihälse verkommt, die auch heute noch Busse und Bahnen terrorisieren.

Wir würden nun nicht unbedingt das Wort „kristallklar“ benutzen, mit welchem Teufel die Sprachqualität auf seiner Webseite bewirbt, und doch zeigte sich unser Gesprächsgegenüber durchaus angetan davon, wie verständlich unsere Worte ihn auch in einem belebten Umfeld erreichten. Die Software filtert unsere Stimme also effektiv heraus, wird es etwas lauter, kommt es allerdings mitunter zu Verzerrungen.

Fazit:

Mit dem Real Blue NC 3 wertet Teufel die erfolgreiche Modellreihe in nahezu jeder Hinsicht auf und positioniert den neuen ANC-Over-Ear als ebenso leistungsstarken wie robusten Alltagsbegleiter im Mid-Price-Bereich – und das trotz einiger Premium-Liebäugeleien.

Die Klangwiedergabe des neuen Teufel Kopfhörers fußt auf einem wahrlich mächtigen und referenzverdächtigen Bassfundament. Wer subtilere Klänge bevorzugt, muss zwar im benutzerfreundlichen Equalizer nachjustieren, kitzelt dann aber auch ein sehr dynamisches und breit aufgestelltes Klangbild mit Party-Qualitäten heraus. Schade nur, dass der neue Real Blue auf die Unterstützung von qualitativ höherwertigen Codecs wie apt-X oder LDAC verzichtet.

In dieser Preisklasse alles andere als selbstverständlich, trumpft der Real Blue NC 3 zudem mit einer üppigen Akkulaufzeit von fast einhundert Stunden auf. Mit eingeschaltetem ANC halbiert sich der Wert zwar, aber das ist immer noch eine Bank und vor allem lohnt es sich. Denn die Geräuschunterdrückung sorgt zuverlässig für ein angenehm gedämpftes Umfeld, während der Transparenzmodus mit einer verblüffenden Natürlichkeit brilliert. Der neue Konversationsmodus ist eine gute Idee, die künftig gerne noch weitergedacht werden darf.

Nimmt man nun auch noch die wertige Verarbeitung, die wunderbar praktische Bedienung via Joystick und den hohen Tragekomfort dazu, kann sich der Teufel Real Blue NC 3 in seinem Segment verdient den Orden des Preis-Leistungs-Gewinners ans Revers heften.

Der Real Blue NC 3 ist ab sofort in den Farben Night Black, Steel Blue und Silver White für 229,99 Euro im Teufel Webshop und in allen Teufel Stores erhältlich.