Mit der neuen Pro-Version spendiert die Berliner Soundschmiede Teufel ihrer erfolgreichen In-Ear-Kopfhörer-Serie Airy TWS ein technisches Upgrade und hievt die Modellreihe damit ein Qualitätssegment nach oben. Die Macher versprechen einen größeren Funktionsumfang, ein effektiveres ANC und erweiterte Bedienoptionen. Ob dies den gestiegenen Preis rechtfertigt, verrät euch unser Test.
In einem elegant unaufdringlichen Ladecase geliefert, bekommt ihr den Teufel Airy TWS Pro in den Farbvarianten Misty Green, Night Black, Silver White, Steel Blue und Cosmic Teal für aktuell 169,99 Euro. Zum Vergleich: Den gerade einmal ein Jahr älteren Vorgänger gibt es ohne Rabatte einzurechnen für 99,99 Euro. So ganz wagt sich Teufel also noch nicht in die vorderen Reihen des Premiumbereiches, einen Fuß in die Tür setzt der TWS Pro mit diesem Preissprung aber auf jeden Fall.

In einem nachhaltigen Karton aus recycelter Pappe stecken das Ladecase mit den Ohrhörern, ein mit 30 cm Länge wie so oft recht knapp bemessenes USB-C-Ladekabel, der übliche Papierkram und eine Auswahl an vier unterschiedlich großen Silikonaufsätzen – mit den werksseitig aufgezogenen Ear-Tips sind es derer insgesamt also ganze fünf. Das könnte gerne zum Standard werden, fehlt uns bei den meist nur drei mitgelieferten Größen doch oft genau die eine dazwischen. Ihr kennt das.
Das Case gefällt beim Auspacken direkt mit seiner angenehm unaufgeregten Schlichtheit, den kompakten Maßen (5,5 x 5,4 x 3 cm) und dem griffigen Gewicht von 64 Gramm. Auch das Design mit seinen abgerundeten Ecken und dem in einem flachen Krater eingelassenen Teufel-Logo ist sehr ansprechend geraten. Der Deckel lässt sich leichtgängig heben und arretiert ab einem Klappwinkel von 90 Grad. Wir haben den Verdacht, dass sich das Gelenk mit ganz leichtem Spiel zu den Seiten auf Dauer als Schwachpunkt erweist. Während unserer Testphase hatten wir aber keinerlei Probleme damit.

An der Seite visualisiert eine in vier Segmente unterteilte LED-Lichtleiste beim Öffnen den Ladestand des Cases. Dieser kann aber auch jederzeit über den darunter eingebetteten Knopf abgerufen werden, welcher außerdem dazu dient, das Gerät in den Pairing-Modus zu versetzen. Darunter befindet sich die USB-C-Ladebuchse. Alternativ kann das Case über ein Ladepad aber auch kabellos geladen werden.
Wie beim Vorgänger, hat Teufel das Case mit einem 500 mAh-Lithium-Ionen-Akku ausgestattet, der es in Verbindung mit den beiden nun 50 mAh starken Akkus in den Ohrhörern (beim TWS 2 waren es noch 45 mAh) auf eine Gesamtlaufzeit von 32 Stunden bei mittlerer Lautstärke bringt – ohne ANC wohlgemerkt. Das ist nicht nur mit Blick auf die Konkurrenz etwas ernüchternd. Denn selbst der hauseigene Vorgänger brachte es auf 42 Stunden.

Kurios: Auf sich allein gestellt schaffen die Ohrhörer bei mittlerer Lautstärke ohne ANC nur noch sieben Stunden, beim TWS 2 waren es noch neun – und das trotz schwächeren Akkus. Wollt ihr hingegen durchgängig die Vorteile der Geräuschunterdrückung genießen, halten die Stöpsel ohne Halt an der Futterstation des Cases gerade einmal um die vier Stunden, mit sind es immerhin 19 Stunden.
Die Ohrhörer an sich wirken mit ihrem langen Stiel fast schon etwas altmodisch. Nach all den kleinen Propfen, die wir in der letzten Zeit so getestet haben, fällt aber auf, wie praktisch diese Bauform doch in der Handhabung ist. Zudem erlaubt sie eine erweiterte Bedienung, die sich beim TWS Pro auf einen kleinen Druckknopf auf der Rückseite der Stege und einer berührungsempfindlichen Fläche auf der Vorderseite verteilt.

In der Werkseinstellung pausieren oder starten wir mit einem Buttondruck die Musik, nehmen Anrufe an und legen auf. Zweimal drücken und wir springen zum nächsten Track, dreimal drücken führt einen zurück. Halten wir die Taste für 1,5 Sekunden, wechseln wir in der Rotation von ausgeschaltetem ANC zur Geräuschunterdrückung, dann zum Transparenzmodus und wieder von vorne. Zu jedem Tastenbefehl gibt es eine akustische Rückmeldung.
Mit unseren dicken und vor allem eher unsensiblen Fingern sind wir mit den kleinen Knöpfen zunächst nicht so recht warm geworden. Es fehlte uns am haptischen Feedback, und auch das Bedienen mit dem Daumen und Zeigefinger als Pinzette (Pinch-Geste) fiel uns etwas schwer. Hat man den Dreh und vor allem das Timing bei den Mehrfachdrückern aber erst mal raus, wechselt man komfortabel mit einem sanften Druck durch die Tracks und die Modi.

Gleich von Anfang an begeistert hat uns hingegen die Lautstärke-Regelung per Wischgeste – klappt wunderbar und ist enorm praktisch. Unserer Meinung nach wäre das Touchfeld im Sinne der besseren Erreichbarkeit an der Stegseite allerdings besser platziert gewesen, idealerweise unter den gelochten Gittern, hinter denen sich die Mikrofone verbergen. Diese dienen der Stimmübertragung beim Telefonieren, aber auch dem Erfassen der Umgebungsgeräusche für das ANC-Feature. In jedem Ohrstöpsel kommen drei Mikros zum Einsatz.
Um den technischen Reigen abzuschließen: Der Teufel Airy TWS Pro setzt auf den Bluetooth-Standard 5.2 und unterstützt neben den Audio-Codecs SBC und AAC nun auch das verlustfreie aptX Adaptive, was vor allem Audio-Connoisseuren zusagen dürfte, die ihre Musik auf Android-Geräten zu genießen pflegen.

Ferner sind die In-Ears nach IPX4 vor Spritzwasser und damit schlechtem Wetter oder gutem Sport geschützt und beherrschen eine Multipoint-Funktion, die einen schnellen Wechsel zwischen zwei verbundenen Quellgeräten ermöglicht.
Die akustische Bühne des Airy TWS Pro wurde bewusst auf einem breiten Bass-Fundament erbaut. Entsprechend kraftvoll donnern die Tieftöne, mit der Tendenz, in die Mitten herüberzuschwappen. Das ist je nach gewählter Musikrichtung mal sehr dynamisch anzuhören, gerät, wenn es etwas diffiziler wird, jedoch gerne auch mal etwas aus den Fugen. Wenn man also nicht möchte, dass der Bass-Elefant das Porzellan der anderen Frequenzbereiche zerdeppert, sollte man sich die Zeit nehmen, die Kraft der In-Ears in die gewünschten Bahnen zu lenken.

Dessen ist man sich auch im Hause Teufel bewusst und hat dort zu diesem Zweck einen innovativen Equalizer ersonnen, der für mehr Zugänglichkeit sorgen soll. Anstatt also wie üblich mehrere Regler für die verschiedenen Frequenzbänder zu verschieben, regeln wir die Soundabmischung in der Teufel-App über eine dynamische Welle. Das klappt tatsächlich recht komfortabel nahezu in Echtzeit und gibt dem Anwender mit den vorgegebenen Presetpunkten zudem eine Orientierung in der Landschaft der Bandbereiche – clever.
Alternativ wechseln wir direkt zu den Voreinstellungen. Während wir uns dabei im „Podcast“-Modus über klare Stimmen erfreuen und sich das „Pop“-Preset als guter Allrounder entpuppt, gerät die „Rock“-Vorgabe – wie so oft – viel zu dumpf und zusammengequetscht. Wer die volle Dröhnung braucht, dopt die Tiefen mit der „Bass-Verstärkung“ zusätzlich.

Wir würden aber auf jeden Fall empfehlen, von der Neutral-Einstellung aus, mit geschlossenen Augen und bei laufender Lieblingsmusik solange auf der Klangwelle zu surfen, bis es passt. Der Airy TWS Pro ist akustisch recht feinfühlig und spielt in seiner Grundeinstellung auf einer vergleichsweise engen Bühne. Das klingt nun aber negativer, als es tatsächlich ist. Denn wenn man seinen akustischen Sweetspot erst einmal gefunden hat, geht der Vorhang auf und gibt den verbauten 10-mm-Linear-HD-Tönern den Raum, sich akustisch entsprechend breit aufzustellen.
In Sachen ANC gilt für den Teufel Airy TWS Pro das gleiche wie für alle In-Ears: Testet, welche Silikonaufsätze am besten abdichten, ansonsten verpufft der geräuschunterdrückende Effekt. Passt alles, senken die Ohrhörer die Außengeräusche angenehm herab, ohne dabei aber jemals an die Qualitäten eines großen Over-Ears heranzureichen. Alternativ steht auch eine adaptive Geräuschunterdrückung zur Verfügung, die das ANC-Feature gezielt auf die jeweilige Lärmsituation anpasst.

Der Transparenzmodus, der die Geräusche unseres Umfelds durch die Mikrofone an uns weiterleitet, gefällt indes mit einem natürlich wirkenden und angenehm unverfälschten Klang. Wo die Konkurrenz in diesem Bereich gerne verstärkt und aufdreht, halten sich die Airy TWS Pro im besten Sinne vornehm zurück.
Bei Telefonaten freut sich das Gegenüber zudem über unsere klar übertragene Stimme, auch wenn so manches Wort von der softwareseitigen Stimmoptimierung abgeschnitten wird, aber das kennt man ja kaum anders. Sinnvoll für lautere Umgebungen ist, dass man auch mit einem Stöpsel im Ohr und einem vor dem Mund telefonieren kann.

Die App gibt sich im Zusammenspiel mit dem Airy TWS Pro sehr aufgeräumt und entsprechend übersichtlich. Von der Startseite aus wechseln wir in den Equalizer und den Modus der Geräuschkontrolle. Über die weiterführenden Einstellungen passen wir die Steuerungsbefehle unseren Wünschen an, stellen den Timer für die automatische Abschaltung oder aktivieren Features wie Trageerkennung und Multipoint-Verbindung.
Negativ aufgefallen ist, dass die App zuweilen der Meinung war, dass einer der Ohrhörer nicht verbunden sei und entsprechend keinen softwareseitigen Modiwechsel mehr zuließ. Auch beim Sport brach die Verbindung mehrmals ab, was offenbar auf eine bei dichtem Bartwuchs etwas überempfindliche Trageerkennung zurückzuführen war.

Mit dem Airy TWS Pro verpasst Teufel seiner erfolgreichen In-Ear-Modellreihe ein technisches Upgrade und schwingt sich damit in Premiumsphären auf, ohne die Wolkendecke jedoch endgültig zu durchbrechen. Dafür bleibt vor allem die Akku-Laufzeit hinter den Erwartungen in diesem Segment zurück. Seht gut gefallen uns hingegen das selbstbewusste Design, die vorbildliche Verarbeitungsqualität und der hohe Tragekomfort.
In Sachen Konnektivität breit aufgestellt punkten die In-Ears außerdem mit Features wie Multipoint-Verbindung und aptX Adaptive-Unterstützung, wenn es in Sachen Bluetooth auch beim 5.2-Standard bleibt. Die Pinch-Bedienung über die langen Stege ist etwas gewöhnungsbedürftig, insbesondere die Slider für die Lautstärke erweisen sich dann aber als enorm praktisch.
Beim Sound protzen die Linear-HD-Töner mit 10-mm-Membranen mit mächtigen Bässen, die fast schon zu kraftvoll geraten sind, über einen zugänglichen Equalizer aber eine sehr individuelle Klanganpassung erlauben. Ist der akustische Sweetspot erst einmal gefunden, spielen die In-Ears warm und dynamisch auf und positionieren die Mitten und Höhen präzise auf dem stabilen Tiefenfundament.
In Verbindung mit dem guten ANC- und Transparenzmodus sowie einer klaren Stimmübertragung beim Telefonieren erweist sich der Teufel Airy TWS Pro insgesamt als potenter Allrounder, dessen Kraft von einer feinfühligen Hand gezügelt werden will.
Der Airy TWS Pro ist in den Farbvarianten Night Black, Silver White, Misty Green, Steel Blue und Cosmic Teal ab sofort für 169,99 Euro im Teufel Webshop und in allen Teufel Stores erhältlich.
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