Wir alle kennen das Problem: Die vielen Stunden vor Monitor, Smartphone oder Fernseher werden früher oder später mit müden Augen, einem unangenehmen Spannungsgefühl und im schlimmsten Fall sogar Kopfschmerzen quittiert. Ein modernes Gesellschaftsproblem, dem ausgerechnet moderne Technik entgegenwirken soll.

Massagegeräte sind zwar längst keine Neuheit mehr – auch nicht speziell für die Augen –, doch das Renpho Eyeris 3 möchte mit seiner umfangreichen Ausstattung aus der Masse herausstechen. Mit Luftdruckmassage, Wärme, Kühlung, Vibration und sogar Sprachsteuerung verspricht es eine kleine Wellness-Auszeit für zwischendurch. Das mussten wir uns natürlich genauer ansehen … wobei unsere Augen während des Tests die meiste Zeit eigentlich geschlossen waren.

Design und Verarbeitung

Natürlich wussten wir in etwa, was uns erwartet, waren beim Auspacken aber doch ein wenig überrascht. Das Renpho Eyeris 3 wirkt wie eine Mischung aus medizinischem Hilfsmittel und VR-Brille. Das Design mit den abgerundeten Formen wirkt fast schon retro-futuristisch und macht sofort Lust, das Gerät direkt auszuprobieren. Die Verarbeitung gibt dabei kaum Anlass zur Kritik. Die Kunststoffschale ist sauber verarbeitet, Spaltmaße fallen gleichmäßig aus und der Klappmechanismus, der die mittig verbaute USB-C-Ladebuchse clever verbirgt, macht einen soliden Eindruck.

Die haptische Steuerung erfolgt über ein gummiertes Bedienfeld mit vier ertastbaren Symbolen, das bündig in die Front des Brillengehäuses eingelassen ist. Letzteres besteht aus dunkel getöntem, transparentem Kunststoff, der die dahinterliegende Technik schemenhaft erkennen lässt. Das sieht schick aus, ist jedoch leider auch sehr anfällig für Fingerabdrücke. Auf der Innenseite kommt ein weiches Kunstleder zum Einsatz, das angenehm auf der Haut liegt und sich nach der Nutzung unkompliziert reinigen lässt, dem jedoch auch ein dezent künstlicher Geruch anhaftet, der im Laufe unserer Testzeit zunehmend verflog.

Zum Lieferumfang gehören neben einer Transporttasche und einem USB-C-Ladekabel außerdem noch eine abnehmbare Gelmaske zum Kühlen.

Sitz und Tragekomfort

Mit seinen knapp 350 Gramm macht sich das Gewicht des Eyeris 3 durchaus bemerkbar, als unangenehm haben wir den Tragekomfort selbst bei längerem Betrieb aber nie empfunden. Natürlich möchte man eine solche Brille nicht den gesamten Tag tragen, aber dafür ist sie ausdrücklich auch nicht gemacht. Der Hersteller selbst empfiehlt eine maximale Anwendungsdauer von 20 Minuten pro Sitzung. Und da man während der Anwendung ohnehin sitzt oder liegt, verteilt sich das Gewicht gleichmäßig.

Das breite Kopfband aus elastischem Gewebe lässt sich über einen Verstellschieber unkompliziert anpassen und sorgt für einen sicheren Sitz. Wir bevorzugen dabei einen etwas strafferen Halt mit leichtem Anpressdruck. Dank der weichen Polsterung verteilt sich dieser angenehm auf Stirn, Wangen und Schläfen, sodass die Brille auch während der Massage zuverlässig in Position bleibt.

Den bei solchen Geräten konstruktionsbedingt kritischen Nasenbereich hat Renpho gegenüber älteren Modellen leicht überarbeitet, um den Druck auf den Nasenrücken zu reduzieren. Gleichzeitig schließt die Brille den Augenbereich sehr gut ab, sodass störende Lichtquellen nahezu vollständig ausgeblendet werden. Damit eignet sich das Eyeris 3 grundsätzlich auch als Schlafmaske, etwa auf längeren Flugreisen. Für ein Mittagsschläfchen auf der heimischen Couch ist das Gehäuse dann aber doch etwas zu voluminös.

Umfangreiche Ausstattung

Während viele günstige Augenmassagegeräte lediglich zwischen Ein- und Ausschalten unterscheiden, bietet das Renpho Eyeris 3 einen erstaunlich großen Funktionsumfang.

Zur Verfügung stehen unter anderem:

  • Luftdruckmassage

  • Wärmefunktion

  • Vibrationsmassage

  • verschiedene Massageprogramme

  • mehrere Druckstufen

  • Sprachsteuerung

  • Bluetooth-Audio

  • integrierte Naturgeräusche

  • automatische Speicherfunktion

  • integrierter Akku

  • automatische Abschaltung

Nahezu alle Funktionen lassen sich zudem individuell miteinander kombinieren, wodurch sich die Massage besser an die eigenen Vorlieben anpassen lässt als bei vielen Konkurrenzmodellen. Hat man seine bevorzugte Kombination aus Temperatur, Druck und Programm gefunden, merkt sich das Gerät diese Einstellungen für die nächste Anwendung. Und wer keine Lust auf eine Massage der Augen, Schläfen oder auch beider Bereiche gleichzeitig hat, aktiviert einfach die Wärmefunktion separat.

Nützliche Sprachsteuerung

Eine Besonderheit des Eyeris 3 ist die integrierte Sprachsteuerung. Nach dem Aktivierungsbefehl „Hi Eyeris“ lassen sich Programme, Intensitäten oder einzelne Funktionen auf Zuruf umschalten. Das ist während der Nutzung natürlich ziemlich praktisch, da die Augen währenddessen vollständig bedeckt sind und man ansonsten erst nach den Tasten suchen muss. Diese erfüllen zwar ebenfalls ihren Zweck, da aber alle vier Tasten auf einem gemeinsamen Feld liegen und man gerade zu Beginn ihre Funktionen nicht direkt zuordnen kann, tippt man gerne einmal daneben.

Ganz perfekt arbeitet das System allerdings nicht. In ruhiger Umgebung werden Befehle meist zuverlässig erkannt, bei Hintergrundgeräuschen oder leiser Aussprache reagiert das Gerät jedoch nicht immer auf Anhieb und bedarf eines etwas strengeren Tonfalls. Zudem benötigen einige Sprachbefehle eine recht genaue Formulierung, sodass man sich anfangs erst etwas einarbeiten muss.

Schade ist außerdem, dass die Steuerung auf englische Kommandos beschränkt ist. Das ist zwar kein großes Hindernis, schmälert den Komfort für deutschsprachige Nutzer aber unnötig. Auch die optionale Begleitstimme des Geräts bestätigt Eingaben ausschließlich auf Englisch.

Die erste Massage

Startet man das Gerät zum ersten Mal, hat man den Eindruck, dass es sich förmlich am Gesicht festsaugt – und das meinen wir absolut nicht negativ. Ganz im Gegenteil: Wir waren sehr angetan davon, wie effektiv die Massagebrille zu Werke geht.

Renpho spendiert dem Eyeris 3 mehrere Massageprogramme, die unterschiedliche Bereiche rund um Augen und Schläfen ansprechen und im Laufe des Betriebs immer wieder zwischen spürbar unterschiedlichen Abläufen wechseln. Die grundsätzliche Intensität lässt sich in drei Stufen anpassen. Empfehlenswert ist es, zunächst mit der niedrigsten Einstellung zu beginnen und sich langsam an die gewünschte Intensität heranzutasten. Denn das Gerät ist überraschend kräftig. Es ist fast so, als wären hier kleine Fäuste am Werk, die unsere Schläfen und die Augenpartie im Auftrag der Entspannung bearbeiten.

Das ist umso interessanter, wenn man weiß, dass das Eyeris 3 nicht mit mechanischen Massageköpfen arbeitet, sondern mit aufblasbaren Luftkammern, die sich in unterschiedlichen Intervallen füllen und wieder entleeren, was eher an eine rhythmische Kompression als an eine klassische Massage erinnert. Das fühlt sich zunächst ungewohnt an, entwickelt aber schnell eine äußerst entspannende Wirkung. Das Spannungsgefühl rund um die Augen nach mehreren Stunden Bildschirmarbeit lässt spürbar nach und die kurze Auszeit hilft dabei, den Kopf für einige Minuten komplett abzuschalten.

Warm und Kalt

Noch gemütlicher wird es mit der integrierten Wärmefunktion. Bereits nach kurzer Zeit erreicht das Eyeris 3 die gewünschte Temperatur, die sich in drei Stufen (40, 42 oder 45 Grad Celsius) einstellen lässt. Anschließend verteilt sich die Wärme angenehm gleichmäßig über den gesamten Augenbereich und bleibt während der gesamten Anwendung konstant. Das fühlt sich für unsere trockenen oder überanstrengten Augen ausgesprochen wohltuend an. Praktisch ist daher, dass sich die Wärme auch unabhängig von der Massage aktivieren lässt, um das Gerät bei Bedarf lediglich als beheizte Augenmaske zu verwenden.

Eine aktive Kühlung beherrscht das Eyeris 3 jedoch nicht, weshalb es dafür der mitgelieferten Gelmaske bedarf. Diese muss vor der Anwendung im Kühlschrank oder Gefrierfach vorgekühlt werden, wird anschließend über die innere Polsterung gestülpt und an der Oberseite zusätzlich mit Klettstreifen fixiert. Das funktioniert zwar, verliert aber nur allzu rasch seine kühlende Wirkung und hinterlässt letztlich den Beigeschmack einer Behelfslösung.

Dennoch: Gerade an heißen Sommertagen oder nach einer zu kurzen Nacht wirkt die Kälte ausgesprochen erfrischend. Zumal sich das Gelkissen angenehmer auf der Haut anfühlt als das Kunstleder. Auch geschwollene Augen profitieren erfahrungsgemäß von der kühlen Auflage.

Bluetooth und Vibration: Nett gemeint, aber ...

Deutlich zwiespältiger fällt unser Eindruck von der auf Wunsch zuschaltbaren Vibrationsfunktion aus. Während Luftdruck und Wärme sehr harmonisch zusammenarbeiten, wirkt die zusätzliche Vibration vergleichsweise plump. Sie erzeugt zwar einen zusätzlichen Reiz, allerdings nur partiell und stets gleichförmig, und trägt nach unserem Empfinden somit kaum zur eigentlichen Entspannung bei. Hinzu kommt, dass die Betriebslautstärke durch die Vibration zunimmt.

Zwar ist auch der für die Massage zuständige Motor deutlich zu hören, das Betriebsgeräusch fällt aus unserer Sicht aber keineswegs störend laut aus und hat, da es durch das regelmäßige Befüllen und Entleeren der Luftkammern dem Rhythmus der Druckabläufe entspricht, gewissermaßen sogar etwas Beruhigendes. Besonders geräuschempfindliche Nutzer könnten die mechanischen Arbeitsgeräusche jedoch als störend empfinden.

Über Bluetooth lassen sich Musik, Podcasts oder Entspannungs-Apps direkt auf die integrierten Lautsprecher übertragen. Die Verbindung zum Smartphone funktioniert problemlos und ist schnell eingerichtet. Weniger überzeugend fällt dagegen die Klangqualität aus, die für Sprachinhalte zwar durchaus ihren Zweck erfüllt, Musik klingt allerdings eher flach und wenig dynamisch.

Ist kein Smartphone verbunden, steht eine Reihe integrierter Naturgeräusche zur Verfügung, die uns aufgrund der relativ kurzen Klangschleifen jedoch nur bedingt überzeugen konnten. Durch die schnellen Wiederholungen nerven sie irgendwann eher, als dass sie zur Entspannung beitragen.

Ein Wort noch zum Akku und der nicht vorhandenen App

Mit Blick auf den Akku reicht eine vollständige Ladung für bis zu 90 Minuten Betriebszeit – natürlich abhängig vom gewählten Modus. Da eine Anwendung üblicherweise nur zehn bis zwanzig Minuten dauert – ein Timer gehört zum Funktionsumfang –, sind problemlos mehrere Sitzungen möglich, bevor das Gerät wieder ans USB-C-Ladekabel muss, wo es ebenfalls bis zu 90 Minuten für eine vollständige Ladung benötigt. Den Ladestand des Akkus kann man jederzeit anhand einer vierfach segmentierten LED-Anzeige neben den Bedienelementen an der Vorderseite ablesen.

Abschließend sei an dieser Stelle noch einmal betont, wie angenehm es ist, dass ein Gerät dieser Tage vollkommen ohne App auskommt. Auch das trägt sehr zur Entspannung bei, wie wir finden.

Fazit:

Das Renpho Eyeris 3 reiht sich souverän unter den hochwertigsten Augenmassagegeräten seiner Preisklasse ein. Die Kombination aus Luftdruckmassage und Wärme sorgt nach langen Arbeitstagen vor dem Bildschirm für eine überraschend intensive Entspannung. Dank verschiedener Programme und Intensitätsstufen lässt sich die Massage zudem jederzeit unkompliziert an die eigenen Vorlieben anpassen.

Doch nicht jede Funktion überzeugt gleichermaßen. Die Vibration wirkt eher verzichtbar, die integrierten Lautsprecher erfüllen ihren Zweck nur bedingt und auch die ausschließlich englischsprachige Sprachsteuerung verschenkt etwas Potenzial. Hinzu kommt, dass die Kühlfunktion letztlich auf einer separat vorgekühlten Gelmaske basiert und nicht auf einer aktiven Kühltechnik.

Diese Kritikpunkte ändern jedoch nichts daran, dass das Eyeris 3 seine eigentliche Aufgabe hervorragend erfüllt. Wer regelmäßig unter müden oder überanstrengten Augen leidet und sich bewusst kurze Auszeiten im Alltag gönnen möchte, erhält ein durchdachtes Wellnessgerät mit hohem Bedienkomfort und überzeugender Massagewirkung. Eine medizinische Behandlung ersetzt das Gerät selbstverständlich nicht. Als tägliche Entspannungshilfe macht es seine Sache jedoch ausgesprochen gut.

Das Renpho Eyeris 3 ist direkt beim Hersteller sowie bei Amazon erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 99,99 Euro.