Gaming-Stühle unterscheiden sich zwar deutlich in Preis und Ausstattung, am Racing-Design hat sich in den vergangenen Jahren jedoch kaum etwas verändert. Mit dem Soma Chroma möchte Razer nun aber wieder etwas Schwung in die Bude bringen: Anstatt ausschließlich den Sitzkomfort in den Mittelpunkt zu stellen, soll der Stuhl selbst Teil des Spielerlebnisses werden.

Dazu integriert Razer das hauseigene Chroma-RGB-Beleuchtungssystem erstmals direkt in einen Gaming-Stuhl. Die im Bereich der Kopfstütze verbauten LEDs reagieren auf Wunsch in Echtzeit auf Ereignisse im Spiel und lassen sich darüber hinaus mit anderen Chroma-Geräten synchronisieren. Tastatur, Maus, Headset und nun sogar der Stuhl lassen sich gemeinsam steuern und synchronisieren.

Gleichzeitig muss sich der Razer Soma Chroma aber natürlich auch ganz klassisch als Gaming-Stuhl beweisen. Immerhin bewegt er sich mit einer UVP von über 500 Euro in einer Preisklasse, in der Käufer zurecht hohe Ansprüche an Komfort und Verarbeitung stellen.

Hochwertig und überraschend zurückhaltend

Seid am Liefertag besser zu Hause, um dem Zusteller zur Hand zu gehen. Denn der Soma Chroma ist wahrlich kein Leichtgewicht, was vor allem dem stabilen Stahlrahmen geschuldet ist. Das Paket bringt 30,5 Kilogramm auf die Waage, der Stuhl selbst 24,5. Entsprechend solide wirkt die gesamte Konstruktion.

Dieser Eindruck bestätigt sich auch beim Zusammenbau, der sich angenehm unkompliziert gestaltet. Werkzeuge liegen bei, die Anleitung ist verständlich bebildert und auch die Verarbeitung sämtlicher Bauteile hinterlässt einen hochwertigen Eindruck. Wer schon einmal einen Gaming-Stuhl montiert hat, wird hier keine Überraschungen erleben und auch weniger geübte Nutzer dürften den Aufbau ohne größere Schwierigkeiten bewältigen.

Schon während des Zusammenbaus fällt zudem positiv auf, dass der Soma Chroma optisch deutlich erwachsener wirkt als die vielen klassischen Racing-Stühle, die zur dominanten Spezies in den Gaming-Zimmern dieser Welt geworden sind. Zwar bleibt die typische Gaming-DNA in der grundlegenden Gestaltung erkennbar, Razer verzichtet aber auf übertriebene Farbakzente oder aggressive Formen.

Statt auf Kunstleder sitzt man hier auf einem atmungsaktiven Stoffbezug, der so straff über die Polster gespannt ist, als trage der Soma Chroma ein Superheldenkostüm. Das bekräftigt auch ein Blick auf die im Inneren der Rückenlehne ausgeformten Polster, die mit etwas Fantasie wie ein stilisiertes Sixpack wirken. Falten oder lose Partien sucht man hier jedenfalls vergeblich, was dem Stuhl einen sehr sauberen, beinahe schon maßgeschneiderten Eindruck verleiht.

Dennoch wirkt der Soma Chroma auf den ersten Blick fast schon etwas zurückhaltend, da lediglich das als Kunststoff-Emblem aufgebrachte Razer-Logo auf der Kopfstütze hervorsticht. Das wirkt modern und fühlt sich hochwertig an, ob es die Zeit so gut überdauern wird wie eine klassische Stickerei, wird sich aber erst noch zeigen müssen.

Stolperstein Stromversorgung

Darf der Soma Chroma im Gaming-Setup schließlich zeigen, was ihn so besonders macht, ist es mit der Zurückhaltung vorbei – gleichzeitig offenbart sich damit aber auch die größte Crux des Gaming-Chairs.

Da die RGB-Beleuchtung dauerhaft mit Energie versorgt werden muss, führt ein fest verbautes USB-C-Kabel aus der Rückenlehne heraus – und das fällt mit gerade einmal 18 Zentimetern ausgesprochen kurz aus. Wer den Stuhl also direkt an eine Steckdose anschließen möchte, benötigt zusätzlich ein Verlängerungskabel.

Alternativ klemmt man eine Powerbank an, die in einer Reißverschlusstasche auf der Rückseite untergebracht werden kann. Das ist fraglos die elegantere Lösung, da kein Kabel geführt werden muss und man sich entsprechend frei bewegen und drehen kann. Allerdings muss man seine Powerbank je nach Kapazität entsprechend oft laden und mitten im Geschehen damit rechnen, dass dem Soma Chroma der Saft ausgeht.

Etwas schade ist, dass Razer keinen Akku direkt verbaut oder zumindest eine optisch passende Powerbank beilegt. Auch ein Verlängerungskabel hätte bei dem Preis durchaus zum Lieferumfang gehören dürfen – idealerweise sogar zum Aufrollen direkt im Stuhl.

RGB: Mehr als ein Blickfang?

Damit die über zwei LED-Streifen in den Flügeln der Kopfstütze realisierte Beleuchtung nicht nur dekorativen Zwecken dient, kommuniziert der Soma Chroma kabellos mit dem PC. Hierfür legt Razer einen 2,4-GHz-HyperSpeed-Dongle bei. Alternativ steht auch Bluetooth zur Verfügung, was aber vor allem der Verbindung mit dem Smartphone dient. Am Windows-PC konnte der Stuhl zwar ebenfalls gekoppelt werden, in Razer Synapse stand er uns jedoch ausschließlich nach der Verbindung über den mitgelieferten HyperSpeed-Dongle zur Verfügung.

Begrüßt werden wir bei der ersten Inbetriebnahme von einer bunten RGB-Lichtwelle; über Razers Synapse-Software stehen zahlreiche weitere vorgefertigte Beleuchtungseffekte sowie das Chroma Studio zur Verfügung. Hier können wir auf Wunsch jede einzelne der je Seite 30 verbauten LEDs separat ansteuern, Farben, Animationen und eigene Profile komfortabel anpassen oder mit anderen Razer-Produkten synchronisieren.

Besonders spannend ist die Unterstützung kompatibler Spiele. Diese erfordert ein wenig Einarbeitungszeit mit den verschiedenen Chroma-Modulen und Apps, erweist sich dann aber als gut durchdacht und sehr flexibel. Die Beleuchtung reagiert dynamisch auf das Geschehen auf dem Bildschirm und fügt sich nahtlos in das Chroma-Ökosystem ein. Je nach Spiel passt der Stuhl seine Beleuchtung automatisch an das aktuelle Spielgeschehen an und setzt entsprechende Farb- und Animationseffekte um. Wer bereits weitere Razer-Geräte nutzt, kann sämtliche Lichteffekte synchronisieren und so ein ganzheitliches Lichtszenario kreieren.

Im eigentlichen Spiel fällt allerdings auf, dass man selbst nur sehr wenig von dem Spektakel mitbekommt. Denn die LEDs sitzen hinter dem Kopf im Bereich der Schulterstützen und sind selbst auf der höchsten Helligkeitsstufe etwas gedämpft – sicherlich, um Reflexionen auf dem Bildschirm zu vermeiden. Ins Spiel vertieft, verschwinden die meisten Lichteffekte daher schlicht außerhalb des Sichtfeldes und spiegeln sich je nach Lichtverhältnissen im Raum nur gelegentlich in der Umgebung wider.

Ihren Zweck erfüllt die Beleuchtung daher vor allem für Streamer oder Content Creator. Sitzt man vor der Kamera, wird die dynamische Beleuchtung zu einem echten Blickfang im Hintergrund.

Steuerung direkt am Stuhl oder per Smartphone

Wie bereits angedeutet lässt sich der Soma Chroma wahlweise auch per Bluetooth mit einem Smartphone verbinden und über die Razer Furniture App konfigurieren. Dadurch lassen sich Farben, Effekte und Helligkeit ohne PC anpassen – wenn auch nur mit einem deutlich reduzierten Funktionsumfang.

Den Verbindungsmodus wechseln wir über die Bedienelemente direkt am Stuhl. Oberhalb der Kopfstütze sitzen nämlich fünf unauffällig integrierte und mit ertastbaren Symbolen versehene Buttons, über die sich die wichtigsten Funktionen wie Helligkeit oder Beleuchtungsprofil auch ohne Software erreichen lassen. Das ist eine durchaus sinnvolle Bedienzugabe, die im Alltag aber nur selten zum Einsatz kommt. Sobald man am PC aktiv wird – etwa durch eine Bewegung der Maus – schaltet sich der Soma Chroma ohnehin automatisch ein.

Bequem sitzen statt nur gut aussehen

So ungewöhnlich die RGB-Idee auch sein mag – letztlich entscheidet der Sitzkomfort darüber, ob ein Gaming-Stuhl überzeugt. Und keine Sorge: Man bezahlt beim Soma Chroma glücklicherweise nicht nur für den Schauwert.

Schon beim ersten Probesitzen fällt auf, dass die Polsterung angenehm fest abgestimmt ist. Zu verdanken ist dies dem sogenannten Dual-Density-Kaltschaum, bei dem eine weichere Oberschicht auf einen festeren Unterbau trifft. Dadurch wirkt das Sitzgefühl komfortabel, ohne dass der Körper zu tief einsinkt, was sich bei längeren Gaming-Sessions oder während eines kompletten Arbeitstages entsprechend positiv auf die Haltung auswirkt.

Bei den Einstellmöglichkeiten zeigt sich der Soma Chroma insgesamt flexibel, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau einiger teurerer Konkurrenzmodelle. Die Sitzhöhe lässt sich stufenlos anpassen, während sich die Rückenlehne bis zu einem Winkel von 155 Grad nach hinten neigen lässt. Hinzu kommt die Wippmechanik, deren Widerstand sich individuell einstellen lässt.

Die Armlehnen lassen sich in der Höhe anpassen und nach innen oder außen schwenken, um die Unterarme möglichst angenehm aufzulegen. Auf eine Verstellung nach vorne und hinten oder seitlich verzichtet Razer hingegen. Das reicht für eine ergonomische Sitzposition zwar aus, für einen Stuhl dieser Preisklasse wirken 2D-Armlehnen dann aber doch etwas knapp bemessen.

Im Gegensatz zu Razers Iskur-Modellen verzichtet der Soma Chroma zudem leider auf eine individuell verstellbare Lendenstütze. Stattdessen setzt der Hersteller auf einen fest integrierten Lendenbogen, der den unteren Rücken dauerhaft stützen soll. Ob diese Lösung optimal passt, hängt letztlich von der eigenen Körpergröße und den persönlichen Sitzgewohnheiten ab, da eine solche fest vorgegebene Form naturgemäß nicht jedem Nutzer gleichermaßen passt.

Fazit

Der Soma Chroma ist weit mehr als ein Marketing-Gag mit LEDs. Razer liefert einen auffällig hochwertig verarbeiteten Gaming-Stuhl ab, der in erster Linie beim Sitzkomfort überzeugt und sich optisch angenehm erwachsen von den vielen übertrieben auffällig gestalteten Racing-Modellen absetzt.

Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass die RGB-Beleuchtung eher ein Bonus als ein echter Kaufgrund ist. Technisch funktioniert das Chroma-System durchaus, durch die Position der LEDs nimmt man als Nutzer davon selbst jedoch erstaunlich wenig wahr. Streamer und Content Creator profitieren vor der Facecam dafür umso mehr von der im Idealfall mit dem gezeigten Spiel synchronisierten Lightshow im Hintergrund.

Mit Blick auf den Preis stößt uns das sehr kurze USB-C-Kabel etwas negativ auf. Schade also, dass Razer weder eine Powerbank beilegt noch ein Verlängerungskabel spendiert, um den Soma Chroma mit einer festen Stromquelle zu verbinden. Darüber hinaus vermissen wir einige Komfortfunktionen wie umfangreicher verstellbare Armlehnen oder eine anpassbare Lendenstütze.

Wer bereits tief im Razer-Ökosystem steckt und sein Setup optisch komplettieren möchte, findet im Soma Chroma fraglos einen außergewöhnlichen und enorm wertigen Gaming-Stuhl mit hohem Spaßfaktor und Aha-Effekt. Wer für sein Geld maximale Ergonomie sucht, ist mit der hauseigenen Iskur-Serie aber womöglich besser bedient.

Der Razer Soma Chroma ist zum Preis von 529,99 Euro direkt im Online-Shop von Razer erhältlich.