Premium-Controller für die PlayStation 5 sind längst kein Nischenprodukt mehr, dennoch bleibt der Markt vergleichsweise übersichtlich. Neben Sonys eigenem DualSense Edge bieten nur wenige Hersteller echte High-End-Alternativen an, die sich mit aufwendiger Technik, modularen Komponenten und spürbaren Performance-Vorteilen klar vom Standard-Controller absetzen.

Genau in diesem Segment will Razer mit dem Raiju V3 Pro mitmischen: einem Gamepad, das kompromisslos auf Performance ausgelegt ist und gleichzeitig genug Komfort bietet, um auch abseits des Wettkampfgedankens eine gute Figur zu machen. Der Anspruch ist hoch – und der Test zeigt, wie viel davon tatsächlich im Alltag ankommt.

Design und Haptik

Auf den ersten Blick fällt die vergleichsweise wuchtige Form ins Auge. Der Raiju lehnt sich konstruktiv an Razers Wolverine-Reihe an, übernimmt aber das symmetrische Stick-Layout der PlayStation. Das Ergebnis ist ein Controller, der massiver wirkt als der DualSense, ohne dabei unhandlich zu werden. Ganz im Gegenteil: Der Raiju liegt mit seinen rund 260 Gramm überraschend leicht in der Hand.

Razer verzichtet bewusst auf optische Spielereien wie Beleuchtung, was dem Gesamtbild guttut. Der Controller wirkt dadurch konzentrierter, professioneller und deutlich weniger verspielt als viele Konkurrenzprodukte. Die vorderen Tasten bestehen aus robustem PBT-Kunststoff, fühlen sich wertig an und geben ein sehr sauberes, klickendes Feedback – deutlich präziser und definierter als beim Sony-Pendant. Die stark angerauten Griffflächen bieten hervorragenden Halt, und auch sonst machen Verarbeitung und Materialwahl einen hochwertigen Eindruck.

Ausstattung und Technik

Dass man sich mit dem Raiju V3 Pro einen Premium-Controller ins Haus geholt hat, zeigt sich bereits beim Blick in den Karton. Das hochwertige Hardcase bietet Platz für den Dongle, das USB-C-Kabel, austauschbare Sticks, die optionalen Rücktastenabdeckungen nebst zugehörigem Werkzeug – ein durchdachter Lieferumfang, der klar vermittelt, dass der Controller auf Anpassbarkeit ausgelegt ist.

Herzstück des Raiju V3 Pro sind die modernen TMR-Thumbsticks, die feinste Bewegungen äußerst exakt registrieren und das bekannte Driftproblem mechanischer Sticks nahezu komplett ausschließen. Beim Spielen fällt direkt die weiche Führung und die saubere Rückmeldung auf, die auch bei minimalen Korrekturen detailliert reagiert. Die Sticks lassen sich zudem im Handumdrehen austauschen; ein verlängerter konkaver und ein kurzer konvexer Stick liegen dem Controller bei und ermöglichen eine Feinabstimmung je nach Genre und persönlicher Vorliebe.

Hinzu kommen sechs Zusatztasten, die den Controller enorm vielseitig machen. Zwei davon sitzen als Claw-Grip-Bumper an der Oberseite, vier auf der Rückseite. Letztere lassen sich mit dem beigelegten Kreuzschlitzdreher auf Wunsch entfernen und gegen bündig mit dem Controllergehäuse abschließende Kappen tauschen, falls man einen ruhigeren Griff bevorzugt oder die zusätzliche Haptik nicht mag. Ein wenig Fingerspitzengefühl ist ob der kleinen Schrauben nötig, ansonsten geht der Umbau aber problemlos vonstatten.

Auch die Trigger bieten große Flexibilität. Wer einen langen, analogen Auslöseweg benötigt, etwa für präzise Gasdosierung in Rennspielen, bekommt diesen weiterhin geboten. Wer hingegen kurze, reaktionsschnelle Eingaben bevorzugt, stellt per Schieberegler auf einen extrem kurzen Klickweg um, der sich fast schon wie eine Maustaste anfühlt. Dieser mechanische Auslösepunkt macht sich in schnellen Multiplayer-Shootern sofort positiv bemerkbar.

Allerdings verzichtet Razer konsequent auf Sonys Spezialfunktionen. Adaptive Trigger, haptisches HD-Feedback und der kleine Lautsprecher im Controller fehlen vollständig. Dieser Verzicht ist klar als Designentscheidung zu verstehen: Der Raiju soll ein Performance-Werkzeug sein, kein immersiver Gamepad-Allrounder. Das spiegelt sich auch beim Akku wider, der sich mit rund zwanzig Stunden Laufzeit und einer Ladezeit von etwa drei Stunden spürbar über dem bewegt, was der DualSense Edge im Alltag erreicht.

Einrichtung und Software

Der Controller lässt sich wahlweise über USB-C oder per HyperSpeed-Dongle verbinden. Sein volles Potenzial entfaltet er jedoch nur am PC via Kabel, denn dort erreicht der Raiju V3 Pro im Standardbetrieb eine Pollingrate von 1.000 Hz und lässt sich über Synapse sogar auf bis zu 2.000 Hz hochschalten. Kabellos liegt die Abtastrate bei 250 Hz, was sowohl am PC als auch an der PS5 dem Maximum der drahtlosen Verbindung entspricht.

Insgesamt bietet der Raiju auf beiden Systemen einen schnellen, zuverlässigen Betrieb ohne jedwede Verzögerungen, der seine Performance-Ausrichtung klar unterstreicht. Latenzanfälliges Bluetooth gibt es hier entsprechend nicht – beziehungsweise nur für die Verbindung mit der Smartphone-App.

Für die Anpassung der Steuerelemente stellt Razer zwei Wege bereit. Am PC übernimmt Synapse 4 die Konfiguration und bietet Zugriff auf sämtliche Optionen, von Stick-Empfindlichkeit über Totzonen bis hin zu den Auslöse­punkten der Trigger. Wer an der PS5 spielt, kann dieselben Einstellungen über die Razer Mobile App vornehmen. Der Controller speichert bis zu vier Profile direkt im Gerät, sodass sich Konfigurationen auch während des Spielens schnell wechseln lassen.

Immer gern gesehen – und bei einem Controller dieser Preisklasse zu erwarten – ist die vollständige freie Belegbarkeit aller Zusatztasten, die den Raiju V3 Pro im Alltag enorm vielseitig macht. Jede der sechs Zusatzflächen kann per Mapping-Funktion individuell zugewiesen werden, egal ob man wichtige Aktionen wie Springen, Nachladen oder Ausweichen näher an die Finger legt oder komplexere Befehle sauber voneinander trennt.

Das Umschalten in den Mapping-Modus erfolgt direkt am Controller und ist in wenigen Sekunden erledigt. Anschließend lassen sich die Profile dauerhaft im Gerät speichern und auch während des Spiels wechseln. In Verbindung mit den präzisen Sticks und den klar definierten Tasten entsteht so ein Eingabesystem, das nicht nur reaktionsschnell arbeitet, sondern sich regelrecht maßschneidern lässt – und damit besonders für kompetitive Spieler interessant ist.

Praxiseindruck

Im eigentlichen Spielbetrieb zeigt der Raiju V3 Pro sehr schnell seinen Charakter. Die mecha-taktilen Tasten liefern ein klar definiertes, knackiges Feedback und reagieren unmittelbar. Der Controller fühlt sich dadurch spürbar direkter an als ein DualSense.

Die TMR-Sticks entfalten ihre Stärken vor allem bei präzisem Aiming. Besonders bei feinen Korrekturen und mikroskopischen Bewegungen zeigt sich, wie viel Kontrolle die Technik ermöglicht. Der Controller vermittelt dabei stets ein Gefühl von Stabilität und eignet sich auch für größere Hände. Das gut austarierte Gewicht sorgt für ein angenehmes Gleichgewicht zwischen Robustheit und Ermüdungsfreiheit – ideal also für längere Zockersessions.

In atmosphärischen Einzelspieler-Titeln zeigt sich jedoch auch die Kehrseite der Performance-Ausrichtung. Ohne haptisches Feedback und ohne adaptive Trigger wirken manche Spiele reduzierter, weniger greifbar. Wo der DualSense mit starken Effekten punktet, bleibt der Raiju bewusst zurückhaltend. Für kompetitives Spielen ist das ein Vorteil, für storygetriebene Titel jedoch ein klarer Einschnitt.

Auch im Alltag hat der Controller ein paar Eigenheiten. Die PS5 lässt sich weiterhin nur über den DualSense starten, und Gyro-Steuerung steht nicht zur Verfügung. Für die meisten Spiele ist das verschmerzbar, bei einigen Titeln jedoch ein funktionaler Nachteil.

Fazit

Der Razer Raiju V3 Pro ist ein Controller für Spieler, die Wert auf absolute Kontrolle, hohe Präzision und umfangreiche Individualisierung legen. Seine symmetrisch angeordneten TMR-Sticks, das klare mechanische Tastenfeedback und die flexibel konfigurierbaren Zusatztasten bieten insbesondere in kompetitiven Szenarien einen spürbaren Vorteil und positionieren den Raiju als hochspezialisierte Alternative zum DualSense.

Auch der deutlich ausdauernde Akku und die ergonomische Form, die gerade großen Händen entgegenkommt, unterstreichen diesen Anspruch. Wer die immersiven Stärken des Sony-Originals schätzt, wird jedoch die fehlenden Zusatzeffekte des Raiju bemängeln, der zugunsten der Performance konsequent auf haptisches Feedback und Rumble-Features verzichtet – ein atmosphärischer Nachteil bei Singleplayer-Abenteuern, der allerdings klar die Zielgruppe definiert.

Denn Razer liefert hier kein universelles Werkzeug, sondern ein hochwertig verarbeitetes und präzise abgestimmtes Instrument für alle, die im Gameplay das Maximum an Direktheit und Performance herausholen möchten.

Den Razer Raiju V3 Pro bekommt ihr für 209,99 Euro auf der Webseite des Herstellers oder auch hier auf Amazon.