Mit dem Toron 706 gradet Genesis den kabelgebundenen Vorgänger Toron 531 dank Bluetooth und 2,4-GHz-Funk zu einem Wireless-Headset auf. Mit einer stattlichen Akkulaufzeit von bis zu 100 Stunden positioniert der Hersteller den neuen Toron damit als vielseitigen und unkomplizierten Begleiter für lange Gaming-Sessions, Musik und den mobilen Einsatz.

Ganz unbekannt ist uns die Gerätereihe nicht. Das kabelgebundene Toron 531 kommt hier im Hause schon seit längerer Zeit regelmäßig zum Einsatz und hat sich als zuverlässiger Mitarbeiter etwa beim Videoschnitt bewährt. Manchmal ist weniger eben einfach mehr. Für das Toron 706 übernimmt Genesis nun das bewährte Grundkonzept des günstigeren Modells – und das ist durchaus eine gute Ausgangsbasis.

Altes Design, neue Technik

Optisch präsentiert sich das Toron 706 dementsprechend in einem schicken und dabei angenehm unaufdringlichen Design. Auf RGB-Beleuchtung oder andere Gaming-Spielereien verzichtet Genesis. Gut gefallen uns die Metallbügel, die den schwarzen Kunststoff um einen wertigen Akzent ergänzen. Auch der Kopfbügel setzt im Inneren auf Stahl und vermittelt einen stabilen und gleichzeitig ausreichend flexiblen Eindruck. Generell wirkt das Headset recht robust und alltagstauglich.

Die Größenverstellung rastet in mehreren Zwischenstufen sanft, aber haptisch deutlich spürbar ein. Mit 294 Gramm fällt das Headset zudem angenehm leicht aus. Zusammen mit den weichen Hybridpolstern sorgt das für einen luftigen und bequemen Sitz. Störenden Druck konnten wir auch bei längerer Nutzung nicht feststellen. Allerdings geht mit der lockeren und luftigen Abstimmung auch einher, dass das Toron 706 nur mäßig vor der Außenwelt abschirmt. Geräusche aus der näheren Umgebung bleiben wahrnehmbar. Eine aktive Geräuschunterdrückung besitzt das Headset nicht.

Die Bedienelemente sind vergleichsweise zweckmäßig konzipiert. Zwei Tasten über und unter dem Lautstärkeregler, USB-C- und Mikrofonbuchse – mehr braucht es nicht. Haptisch sind die Bedienelemente eher einfach gehalten und erinnern ein wenig an ältere Gaming-Headsets. Funktional gibt es allerdings wenig auszusetzen. Sind Position und Belegung erst einmal verinnerlicht, lassen sich die Knöpfe gut ertasten und alle Funktionen direkt am Headset bedienen.

Eine App oder zusätzliche PC-Software gibt es nicht. Das finden wir grundsätzlich gar nicht so falsch, einen frei konfigurierbaren Equalizer hätten wir angesichts der teilweise recht eigenwilligen Klangabstimmung dann aber doch schon gerne gesehen. Auch die automatische Abschaltung lässt sich dementsprechend nicht konfigurieren. Im kabellosen Betrieb schaltete sich unser Testgerät nach zehn Minuten ohne Wiedergabe mit der Ansage „Power Off“ selbstständig aus – die Zeit hätten wir gerne verlängert, der üppige 1.500-mAh-Akku könnte es immerhin ab.

Bluetooth, Funk und Kabel

Für die Verbindung stehen gleich drei Möglichkeiten zur Verfügung. Mobilgeräte lassen sich über Bluetooth 5.1 anbinden, während Genesis fürs Gaming seine 2,4-GHz-Verbindung RapidSpeed via Dongle vorsieht. Zusätzlich kann das Toron 706 kabelgebunden vollständig analog betrieben werden.

Im 2,4-GHz-Betrieb konnten wir beim Spielen keine wahrnehmbare Verzögerung feststellen. Über Bluetooth sah das naturgemäß anders aus, zum Zocken dürfte aber ohnehin kaum jemand freiwillig auf diese Verbindung setzen. Wer eventuelle Störungen gänzlich ausschließen möchte, verbindet sich via Klinke. Das beiliegende analoge Kabel fällt mit ungefähr 120 Zentimetern ausreichend, wenn auch nicht sonderlich großzügig aus.

Für Desktop-PCs legt Genesis allerdings einen rund 150 Zentimeter langen Splitter bei, der den kombinierten Anschluss auf separate Stecker für Kopfhörer und Mikrofon verteilt. Das ergibt zusammengenommen auch mit Kabel ausreichend Bewegungsfreiheit. Gut zu wissen außerdem: Im Kabelbetrieb benötigt das Toron 706 keinen Strom. Auf die drei Klangprofile muss dann allerdings verzichtet werden.

Drei Klangprofile, kein Equalizer

Derer stehen drei vorinstalliert zur Wahl. Der Music-Modus soll eine möglichst natürliche und ausgewogene Wiedergabe liefern, Boom verstärkt den Bass und Scout ist speziell für die bessere Wahrnehmung wichtiger Geräusche beim kompetitiven Spielen vorgesehen.

Beim Musikhören hinterlassen die 50 Millimeter großen Treiber allerdings einen gemischten Eindruck. So stehen die Stimmen im Music-Modus zwar angenehm präsent im Vordergrund und Songtexte lassen sich gut verstehen. Sobald ein Arrangement komplexer und größer wird, fehlt es uns jedoch an Separation. Instrumente rücken akustisch immer enger zusammen, während das Klangbild zunehmend verdichtet und stellenweise etwas scharf wirkt. Druckvollere Elemente im Hintergrund verlieren an Präsenz und klingen etwas abgedämpft.

Der Boom-Modus macht da schon einen dynamischeren Eindruck. Einzelne Bassimpulse besitzen durchaus Punch. Bei komplexen und ohnehin druckvollen Produktionen kann die Abstimmung das Klangbild jedoch regelrecht plattdrücken. Stimmen treten etwas in den Hintergrund und vor allem die Mitten verlieren an Präsenz. Wie gut der Modus funktioniert, hängt dabei aber stark vom Genre ab.

Rein elektronische Musik kommt mit der kräftigeren Tiefenabstimmung deutlich besser zurecht. Synthesizer und Beats wirken prägnanter und durchaus eindrucksvoll. Dennoch bleibt als Gesamteindruck, dass der Bass für unseren Geschmack eine zu harte und etwas scharfkantige Charakteristik besitzt, statt sich warm und voluminös in das Klangbild einzufügen.

Das macht den fehlenden Equalizer umso bedauerlicher. Die technische Grundlage ist durchaus vorhanden, die vorgegebenen Abstimmungen treffen unseren Geschmack aber nie so richtig punktgenau. Eine Möglichkeit, einzelne Frequenzbereiche selbst anzupassen, hätte dem Toron 706 daher sehr gut zu Gesicht gestanden.

Die gute Nachricht: Praktischerweise schlägt sich das Headset akustisch im Scout-Modus am besten, sodass wir schon bald gar nicht mehr zwischen den Modi gewechselt und das für Gaming gedachte Profil auch für die Musikwiedergabe genutzt haben. Auch hier darf man die Klangfülle nicht mit einem hochpreisigen Kopfhörer vergleichen, die Abstimmung erscheint uns hier aber am ausgewogensten und harmonischsten.

Und in seiner Kerndisziplin schlägt sich der Scout-Modus dann sogar noch besser. Wie sich im Praxistest zeigt, lassen sich Gegner anhand ihrer Schritte akustisch präzise lokalisieren. Das Toron 706 beweist hier eine deutlich hörbare Räumlichkeit, die uns positiv überrascht hat. Damit erfüllt der Modus tatsächlich einen sinnvollen Zweck und ist nicht einfach ein weiteres Preset mit etwas veränderter Klangfarbe.

Mikrofon mit ENC-Geräuschunterdrückung

Das abnehmbare Mikrofon sitzt an einem flexiblen Arm, der sich präzise ausrichten lässt und die gewählte Position anschließend zuverlässig beibehält. Wird das Mikrofon entfernt, lässt sich die vertiefte Anschlussbuchse mit einem kleinen Gummistopfen verschließen. Eine feste Verbindung zum Headset besitzt dieser allerdings nicht, weshalb das kleine Teil schnell verloren gehen könnte.

Bei der Sprachqualität ergibt sich erneut ein zweigeteiltes Bild. Kabellos klingt die eigene Stimme sowohl über 2,4 GHz als auch Bluetooth vergleichsweise dumpf und belegt. Für Absprachen im Spiel oder einen Discord-Chat reicht die Qualität problemlos aus, für Sprachaufnahmen oder Streaming würden wir uns jedoch eine natürlichere Wiedergabe wünschen.

Interessanterweise kann das Mikrofon aber erheblich mehr. Im analogen Betrieb klingt die Stimme deutlich klarer und natürlicher. Da die interne Elektronik des Headsets bei der Kabelverbindung umgangen wird, fällt der Unterschied zwischen beiden Betriebsarten ungewöhnlich deutlich aus.

Das Mikrofon verfügt über ENC (Environmental Noise Cancellation), die störende Umgebungsgeräusche bei der Sprachübertragung reduzieren soll. Einen Ventilator auf höchster Stufe konnten wir aus einer Entfernung von rund 50 Zentimetern bei einer drahtlosen Aufnahme praktisch nicht mehr hören. Bei kurzen und impulsartigen Geräuschen funktioniert die Filterung jedoch weniger effektiv. Das Klappern unserer Tastatur blieb in den Aufnahmen beispielsweise klar wahrnehmbar. Die ENC ist damit kein universeller Geräuschradierer, gleichmäßiges Hintergrundrauschen bekommt das System aber ausgesprochen gut in den Griff.

Bis zu 100 Stunden ohne Steckdose

Ein starkes Argument für das Toron 706 ist schließlich der Akku. Genesis verbaut eine Kapazität von 1.500 mAh, was eine Laufzeit von bis zu 100 Stunden ermöglicht. Selbst bei mehreren Stunden täglicher Nutzung kommt das Headset damit viele Tage ohne Zwischenstopp an der Steckdose aus.

Ist der Akku dann doch einmal leer, benötigt eine vollständige Ladung mit rund vier Stunden allerdings auch entsprechend lange. Zum Problem muss aber auch das nicht werden, da sich das Toron 706 notfalls ja auch vollständig passiv nutzen lässt.

Fazit

Das Genesis Toron 706 punktet im Test vor allem als Gaming-Headset. Der hohe Tragekomfort, die vielseitigen Anschlussmöglichkeiten und die verzögerungsfreie 2,4-GHz-Verbindung gefallen, während der explizit fürs Spielen empfohlene Scout-Modus eine präzise räumliche Ortung von Schritten oder Schussgeräuschen ermöglicht.

Weniger stark präsentiert sich das Headset bei der Musikwiedergabe. Komplexeren Arrangements fehlt es an Separation und die vorgegebenen Klangprofile treffen nicht immer ins Schwarze. Ein frei konfigurierbarer Equalizer wäre daher eine sinnvolle Ergänzung gewesen. Auch das Mikrofon klingt kabellos lediglich ausreichend, liefert über die analoge Verbindung allerdings eine deutlich bessere Sprachqualität.

Unterm Strich setzt das Genesis Toron 706 sicherlich keine akustischen Maßstäbe, präsentiert sich dafür aber als angenehm leichtes, robustes und vielseitiges Gaming-Headset mit klaren Stärken beim Spielen, das nicht zuletzt auch mit Blick auf den sehr ausdauernden Akku in seiner Preisklasse zu überzeugen weiß.

Das Toron 706 ist in Deutschland für 84,99 Euro auf Amazon erhältlich.