Mit der GO!!! Formula Track Attack hat Carrera ein neues Set im Programm, das neben zwei aktuellen Formel-1-Boliden auf kabellose Handregler setzt. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um mal zu testen, wie sich der Kinderzimmer-Klassiker ohne Kabel spielt, und dabei festgestellt, dass die neue Bewegungsfreiheit dem altbewährten Spielprinzip eine überraschende Dynamik verleiht.
Die gute alte Carrera-Bahn ist eines dieser Spielzeuge, die auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Faszination verloren haben. Schon als Kinder haben wir versucht, unsere kleinen Rennwagen möglichst schnell durch die Kurven zu jagen, nur um sie anschließend irgendwo unter dem Wohnzimmerschrank wiederzufinden. An diesem Grundprinzip hat sich bis heute eigentlich nur wenig geändert. Wie wir dabei spielen, allerdings schon.

Denn Carrera bietet seit einiger Zeit Sets an, bei denen die Handregler ohne störende Verbindungskabel auskommen. Die neue Carrera GO!!! Formula Track Attack ist eines davon und bietet für 99,99 Euro (UVP) eine 5,3 Meter lange Rennstrecke mit Looping und Kreuzung sowie zwei Formel-1-Fahrzeuge im Maßstab 1:43. Als Kontrahenten treten der Ferrari SF-25 von Charles Leclerc und der Mercedes-AMG F1 W16 E Performance von George Russell gegeneinander an.
Auspacken, aufbauen, starten
Schon beim Auspacken stellt sich dieses vertraute Carrera-Gefühl ein. Die einzelnen Streckenelemente werden zusammengesteckt, Kurven und Geraden miteinander verbunden und der immer noch etwas wackelige Looping hochgezogen. Wer irgendwann in seinem Leben schon mal eine Carrera-Bahn aufgebaut hat, findet sich hier auf Anhieb zurecht.

Auffällig sind die Streckenbegrenzungen: Während wir von einer früheren Mario-Kart-Bahn noch vergleichsweise empfindliche Elemente aus Pappe kennen, setzt Carrera hier auf gitterartige Kunststoffkonstruktionen, die sich im Rennbetrieb als erfreulich widerstandsfähig erweisen.
Praktisch ist außerdem, dass sich die GO!!!-Schienen mit passenden Elementen älterer Bahnen kombinieren lassen. Für unseren Test haben wir die Strecke kurzerhand auf ungefähr die doppelte Länge erweitert. Das schafft nicht nur mehr Platz für lange Geraden, sondern zeigt auch, wie sinnvoll es ist, dass Carrera über die Jahre an seinem bewährten Schienensystem festgehalten hat.

Beim Anblick der mitgelieferten Fahrzeuge geht einem Rennfan direkt das Herz auf, sind der Ferrari und der Mercedes für ihre Größe doch ausgesprochen ansprechend gestaltet. Zahlreiche Sponsorenaufdrucke, die charakteristischen Karosserieformen und sogar die Beschriftungen auf den Reifenflanken – die beiden Rennwagen kommen ihren großen Vorbildern optisch recht nahe. Natürlich darf man hier keine Modellbauqualität erwarten, aber für kleine Slotcars, die in erster Linie zum Spielen gedacht sind, ist die Detailverliebtheit bemerkenswert.
Mit einer von uns gemessenen Länge von rund 11,5 Zentimetern sind die Formel-1-Boliden zudem recht stattliche Erscheinungen. Und das hat, wie wir später feststellen sollten, durchaus Auswirkungen auf das Fahrverhalten.

Etwas zwiegespalten sind wir allerdings bei den Spoilern. Die Frontflügel sind etwas wackelig, während man die Heckflügel sogar vollständig abziehen kann. Tatsächlich verabschiedete sich einer der hinteren Spoiler schon während unserer ersten Rennen vom Fahrzeug. Wenig später passierte das Gleiche beim zweiten Wagen. Was zunächst nach einem ärgerlichen Qualitätsproblem klingt, muss allerdings keines sein.
Denn die Heckflügel lassen sich problemlos wieder aufstecken. Und angesichts der zahlreichen Kollisionen erscheint uns eine solche Steckverbindung auf lange Sicht sinnvoller als ein starr befestigtes Bauteil, das bei einem Aufprall möglicherweise abbricht. Was die nicht abnehmbaren Frontflügel betrifft, sind wir zwar etwas skeptisch hinsichtlich ihrer dauerhaften Haltbarkeit, wollen an dieser Stelle aber auch ausdrücklich festhalten:

Unsere beiden Fahrzeuge haben die ausgesprochen turbulenten Testabende trotz zahlreicher Abflüge und Zusammenstöße ohne bleibende Schäden überstanden. Das spricht für eine ordentliche Alltagstauglichkeit.
Kabellose Controller: Kleine Neuerung, große Wirkung
Die eigentlichen Stars der Formula Track Attack sind die beiden kabellosen Handregler. Wer mit klassischen Carrera-Bahnen aufgewachsen ist, kennt das Problem: Die Controller sind über Kabel mit der Rennstrecke verbunden, wodurch der Bewegungsradius entsprechend begrenzt ist. Dank der Funktechnik gehört diese Einschränkung hier aber der Vergangenheit an.

Carrera setzt dabei auf austauschbare Batterien, die dem Lieferumfang nicht beiliegen. Das Batteriefach ist verschraubt, sodass für den Wechsel ein Schraubendreher benötigt wird. Mit Blick auf die tendenziell junge Zielgruppe ist das sicherlich eine robuste Lösung, wirkt insgesamt aber recht altmodisch. Dabei wäre eine komfortablere und gleichzeitig zeitgemäßere Alternative doch durchaus machbar gewesen. Wenn man schon auf Wireless setzt, warum dann keine Akkus und eine moderne USB-C-Ladefunktion direkt an der Start- und Zieleinheit?
Auch die Controller selbst versprühen nicht gerade Premiumcharme. Sie sind leicht, bestehen aus einfachem Kunststoff und fühlen sich entsprechend wenig hochwertig an. Das ist bei Carrera GO!!! zwar nichts Neues und angesichts der Preisklasse nachvollziehbar, dennoch hätten wir gegen etwas mehr Qualität nichts einzuwenden. Gummierte Griffflächen oder edlere Materialien wären gerade für erwachsene Fans eine reizvolle Option.

Aber zurück auf die Bahn: Vor dem ersten Rennen müssen die beiden Handregler einmalig mit der Basis verbunden werden. Dazu genügt ein Druck auf die Verbindungstaste an der Anschlussschiene, gefolgt von einem Druck auf den entsprechenden Knopf am ersten Controller. Für den zweiten Regler wird die Taste an der Anschlussschiene zweimal betätigt, bevor auch dieser seine Verbindung bestätigt.
Erfreulich ist, dass die Verbindung dauerhaft gespeichert bleibt. Selbst nachdem wir die Bahn mehrere Tage nicht benutzt und vollständig vom Stromnetz getrennt hatten, waren beide Controller sofort wieder einsatzbereit. Auch die Funkreichweite erwies sich in unserem Test als großzügig. Wir konnten uns mehrere Meter weit von der Strecke entfernen, ohne dass die Steuerung Probleme bereitete. Einen Batteriewechsel mussten wir während unserer bisherigen Testzeit ebenfalls nicht vornehmen.

Holy Moly, sind die schnell!
Dass nicht nur Formel 1 draufsteht, sondern auch drinsteckt, zeigt sich direkt beim ersten Druck auf den Gasschieber, denn die beiden Boliden gehen ab wie die sprichwörtlichen Zäpfchen. Und das auch schon ohne den zusätzlichen Turbo, den man über die gewohnte Taste am Controller zuschalten kann.
Obwohl wir keineswegs unerfahrene Carrera-Spieler sind und unsere Strecke sogar deutlich verlängert hatten, flogen die Wagen anfangs regelmäßig aus den Kurven. Hier erwiesen die ebenso stabilen wie flexiblen Kunststoffbegrenzungen ihren Wert, denn sie fingen die Fahrzeuge zuverlässig und ohne Schäden auf. Bei diesem hohen Tempo ein wichtiger Punkt.

Nach kurzer Eingewöhnung bekommt man aber ein Gefühl für die Flitzer. Das Gas lässt sich über die kabellosen Controller gut dosieren, sodass man nicht nur zwischen Stillstand und Vollgas wählen muss. Gerade bei den anspruchsvolleren Streckenabschnitten ist diese Präzision durchaus entscheidend.
Die vergleichsweise langen Formel-1-Wagen kommen sich in engen Kurven bei einem Duell nämlich gerne mal in die Quere. Besonders kritisch wird es, wenn der Frontflügel des hinteren Boliden den Hinterreifen des vorausfahrenden Wagens touchiert. Ein solcher Kontakt reicht mitunter aus, um einen oder gar beide Kontrahenten aus der Bahn zu werfen. Anfangs empfanden wir das als konstruktionsbedingten Nachteil. Doch je länger wir spielten, desto mehr änderte sich unsere Meinung.

Plötzlich ging es nicht mehr nur darum, möglichst schnell durch jede Kurve zu rasen, sondern den Gegner zu beobachten, seine Position zu berücksichtigen und gegebenenfalls rechtzeitig vom Gas zu gehen. Wer unbedingt mit Vollgas an seinem Kontrahenten vorbeipreschen wollte, riskierte einen Zusammenstoß und damit den Verlust der eigenen Führung.
Die beengten Platzverhältnisse fügten dem Spiel also eine überraschend taktische Komponente hinzu, wodurch sich das Ganze tatsächlich ein kleines bisschen mehr nach echtem Motorsport anfühlte, als es von einer eher anarchischen Carrera GO!!! eigentlich zu erwarten ist. Ob dieser Effekt von Carrera bewusst vorgesehen wurde, können wir nicht beurteilen. Uns hat er nach anfänglichem Ärger aber letztlich ausgesprochen viel Spaß bereitet.

Fraglos wenig mit realistischem Formel-1-Rennsport hat indes die Kreuzung zu tun. Dafür sorgte sie aber für einige der unterhaltsamsten Momente unserer Rennsaison. Hier treffen die beiden Fahrspuren nämlich aufeinander, sodass es bei entsprechendem Timing zu spektakulären Zusammenstößen kommen kann. Interessanterweise bleibt bei solchen Kollisionen eines der beiden Fahrzeuge meist auf der Strecke, während das andere seinen unfreiwilligen Ausflug ins Gelände antritt. Das sorgte zuverlässig für großen Jubel, viel Schadenfreude und jede Menge Gelächter.
Allerdings hat die Kreuzung auch ihre technischen Eigenheiten. Durch die konstruktionsbedingten Unterbrechungen der Stromleiter benötigen die Fahrzeuge ausreichend Schwung, um die Passage zuverlässig zu überqueren. Wer hier zu langsam unterwegs ist, riskiert, dass sein Wagen schlicht stehen bleibt und zum Kanonenfutter wird.

Carrera als Bewegungsspiel
So unterhaltsam die Rennen selbst auch sind, den größten Eindruck hinterließen die kabellosen Controller, die das Spielverhalten auf überraschende Weise verändern. Denn ohne störendes Kabel ist man nicht länger an einen bestimmten Radius gebunden und kann sich frei um die gesamte Strecke bewegen, wenn es etwa darum geht, entgleiste Fahrzeuge wieder auf die Bahn zu setzen.
Was auf dem Papier zunächst nach einer banalen Erleichterung klingt, verändert in der Praxis erstaunlich viel. Fliegt ein Wagen aus der Kurve, setzt man ihn einfach zurück und fährt mit dem Controller in der Hand sofort weiter. Und zwar wortwörtlich aus dem Stand. Denn wer will sich schon erst wieder gemütlich hinsetzen, wenn es gerade um den Sieg geht?

Und so ertappten wir uns immer häufiger dabei, während der Rennen um die Strecke herumzulaufen, uns über die Schienen zu beugen oder kurzerhand die Seite zu wechseln. Man verlässt quasi seinen Platz auf der Zuschauertribüne und wechselt die Perspektive je nach Bedarf, ohne auch nur einen Moment mit dem Fahren aufzuhören. Wer hätte gedacht, dass eine Carrera-Bahn derart körperlich werden kann? Nach mehreren Stunden kann das durchaus anstrengend werden.
Die Wireless-Controller beseitigen damit nicht einfach nur ein störendes Kabel. Sie verändern die Art, wie man mit der Rennbahn spielt, und machen das gesamte Spielerlebnis freier und dynamischer. Wir möchten die kabellosen Handregler bei künftigen Carrera-Rennen jedenfalls nur ungern missen.

Warum nicht beides?
Ein wenig schade finden wir allerdings, dass Carrera die kabellosen Controller nicht mit dem GO!!! Power Modul kombiniert. Dieses kommt unter anderem beim ebenfalls aktuellen Set Championship Rivals zum Einsatz und bietet neben einem elektronischen Rundenzähler mit LED-Anzeige auch verschiedene Rennmodi und einstellbare Geschwindigkeitsstufen. Bei unserer Formula Track Attack müssen wir uns dagegen mit dem klassischen mechanischen Rundenzähler begnügen.
Gerade angesichts der neuen Bewegungsfreiheit hätten wir uns eine modernere und besser ablesbare Rundenzählung gewünscht. Umso bedauerlicher, dass Carrera die beiden interessanten Ausstattungsmerkmale auf unterschiedliche Sets verteilt. Zumal die Formula Track Attack mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 99,99 Euro sogar teurer ausfällt als Championship Rivals mit 77,99 Euro.

Fazit
Die kabellosen Handregler der Carrera GO!!! Formula Track Attack bringen frischen Wind in ein altbewährtes Spielprinzip und sind weit mehr als nur eine nette Komfortfunktion. Die Bewegungsfreiheit macht die Art, wie wir spielen, dynamischer und eröffnet ganz neue Perspektiven auf das Renngeschehen. Dass die kleinen Formel-1-Boliden dem Thema entsprechend ordentlich Dampf unter der Haube haben und selbst erfahrene Carrera-Piloten vor Herausforderungen stellen, trägt seinen Teil zum Spielspaß bei.
Vor dem Hintergrund dieser sinnvollen Modernisierung fallen einige altmodische Ausstattungsdetails allerdings umso mehr auf. Verschraubte Batteriefächer wirken in Zeiten allgegenwärtiger USB-C-Lademöglichkeiten ebenso aus der Zeit gefallen wie der mechanische Rundenzähler, für den Carrera mit dem hier leider nicht enthaltenen GO!!! Power Modul doch eigentlich längst eine zeitgemäße Alternative anbietet.
Erfreulich ist dagegen, wie herrlich unkompliziert das Ganze bleibt. Keine App, keine Registrierung, keine Updates und kein Smartphone, das während des Spielens Aufmerksamkeit verlangt. Einfach die Bahn aufbauen, die Controller verbinden und losfahren. In einer Zeit, in der selbst klassische Spielzeuge zunehmend mit digitalen Zusatzfunktionen ausgestattet werden, empfinden wir diese verlässliche Unmittelbarkeit als ausgesprochen wohltuend.
Und so stehen wir auch Jahrzehnte nach unseren ersten Carrera-Rennen über einer Spielzeug-Rennbahn gebeugt, liefern uns erbitterte Duelle mit unseren Kumpels, fluchen über missglückte Überholmanöver und jubeln über spektakuläre Kollisionen. Mehr braucht es für einen spaßigen Abend nicht.
Die Carrera GO!!! Formula Track Attack bekommt ihr für 99,99 Euro (UVP) im Online-Shop des Herstellers oder auch auf Amazon.
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