Die klassische Türklingel hat sicherlich noch nicht ausgedient, inzwischen aber deutlich vielseitigere Konkurrenz bekommen. Moderne Videotürklingeln zeigen nicht nur, wer vor der Haustür steht, sondern behalten den Eingangsbereich auch dann im Blick, wenn niemand zu Hause ist. Dank Bewegungserkennung, Smartphone-Benachrichtigungen und Gegensprechfunktion lassen sich willkommene oder auch ungewollte Besucher erkennen und ansprechen, ohne selbst zur Tür gehen zu müssen.

Mit der Video Doorbell Pro bietet Aosu eine kabellose Lösung, die auf eine 2K-Kamera mit 166 Grad Weitwinkel, Personen- und Bewegungserkennung sowie eine integrierte Gegensprechfunktion setzt. Hinzu kommen eine Basisstation mit Türgong, vorgefertigte Schnellantworten und die Möglichkeit, Videoaufnahmen ohne kostenpflichtiges Abonnement lokal zu speichern. Ein 5.200-mAh-Akku soll dabei für eine Laufzeit von bis zu sechs Monaten sorgen.

Auf dem Papier bringt das Gerät für 129,99 Euro also so ziemlich alles mit, was eine zeitgemäße Videotürklingel benötigt. Doch wie zuverlässig funktioniert das Zusammenspiel aus Kamera, Bewegungserkennung und App im Alltag?

Ausstattung und Montage

Die Aosu Video Doorbell Pro präsentiert sich in Form eines länglichen Gehäuses mit schwarzer Front, in dessen oberem Bereich die Kamera untergebracht ist. Darunter befindet sich der große Klingelknopf, den ein LED-Ring umgibt. Dieser erleichtert nicht nur das Auffinden des Knopfes bei Dunkelheit, sondern reagiert auch auf erkannte Bewegungen. Nähert sich jemand der Haustür, beginnt der Ring blau zu leuchten und signalisiert damit, dass die Kamera aktiv ist. Praktisch.

Rein optisch macht das Gerät damit schon mal eine, wie wir finden, recht elegante Figur neben der Haustür. Viel wichtiger ist aber natürlich, was drinsteckt. Die Kamera löst mit 2.048 × 1.536 Pixeln auf und liefert damit ein Bild mit rund drei Megapixeln. Zur Wahl stehen die Auflösungsstufen HD und 2K Ultra-HD, kombiniert mit einem Blickwinkel von 166 Grad und einem 4:3-Bildformat.

Mit der Schutzklasse IP65 ist die Türklingel zudem gegen Staub und Strahlwasser geschützt und damit für den Außeneinsatz geeignet. Für die Stromversorgung sorgt ein integrierter Akku mit einer Kapazität von 5.200 mAh. Eine Anschlussmöglichkeit für eine feste Stromleitung ist an dem Gerät nicht vorhanden. Zum Aufladen wird die Türklingel idealerweise aus ihrer Halterung genommen und über USB-C mit Strom versorgt. Da die Ladebuchse aber auch im montierten Zustand gut zu erreichen ist, lässt sich das im Zweifelsfall direkt vor Ort erledigen.

Die Montage gestaltet sich erfreulich unkompliziert. Die mitgelieferte Halterung wird an der gewünschten Stelle befestigt, die Türklingel anschließend eingesetzt. Das alles funktioniert ohne besondere technische Vorkenntnisse und wirkt stabil und sicher. Zum Abnehmen liegt ein kleines Entriegelungswerkzeug bei, mit dem sich die Verriegelung über eine Öffnung an der Unterseite lösen lässt. Als Diebstahlschutz bietet Aosu zudem einen Sabotagealarm an, der bei unbefugtem Entfernen der Türklingel einen akustischen Warnton auslöst. Vor dem regulären Abnehmen sollte diese Funktion deshalb unbedingt in der App deaktiviert werden, da der Warnton nicht zwischen Freund und Feind unterscheidet.

Bevor man aber überhaupt bohrt und schraubt, sollte man sich erst einmal Gedanken über die Montagehöhe machen, denn die Kamera lässt sich nach dem Anbringen weder schwenken noch anderweitig bewegen. Welcher Bereich später im Bild erscheint, hängt somit maßgeblich von ihrer Position und Ausrichtung ab. Am besten überprüft man den Bildausschnitt deshalb bereits vor dem Anbauen anhand des Livebildes auf dem Smartphone. Empfohlen wird eine Höhe von etwa 1,2 Metern, wir fühlten uns etwas weiter oben wohler.

Die zum Betrieb notwendige kompakte Basisstation wird direkt an einer Steckdose betrieben. Zuvor muss lediglich der beiliegende Netzsteckeraufsatz aufgesetzt und durch eine Drehbewegung verriegelt werden. Anschließend übernimmt die Station die Verbindung zur Türklingel, dient als Türgong und ermöglicht die lokale Speicherung von Videoaufnahmen. Die dazu nötige Speicherkarte liegt dem Lieferumfang allerdings nicht bei und muss separat erworben werden. Unterstützt werden microSD-Karten mit bis zu 128 GB Kapazität.

Die Verbindung zum heimischen Netzwerk erfolgt lediglich über das 2,4-GHz-WLAN. Das ist bei einer Videotürklingel allerdings kein wesentlicher Nachteil, da dieses Frequenzband eine vergleichsweise große Reichweite bietet und Hindernisse wie Hauswände besser durchdringt als das schnellere 5-GHz-Band. Für die Übertragung der Kamerabilder reicht die verfügbare Bandbreite problemlos aus, sofern die Funkverbindung stabil ist.

Grundsätzlich führt die App verständlich durch die Einrichtung, die Inbetriebnahme verlief in unserem Fall allerdings nicht ganz reibungslos. Die Basisstation wurde anfangs wiederholt als offline angezeigt, obwohl sich der Router in unmittelbarer Nähe befand. Nach einigen Anpassungen an den Einstellungen unserer FritzBox verschwanden die Schwierigkeiten jedoch. Seither funktioniert das System zuverlässig, auch im Verbund mit den ebenfalls in der App hinterlegten Aosu-Sicherheitskameras.

Bildqualität und Nachtsicht

In ihrer wichtigsten Disziplin, der Überwachung des Eingangsbereichs, liefert die Aosu Video Doorbell Pro absolut überzeugend ab. Die Kamera erzeugt ein scharfes, detailreiches Bild, auf dem Personen und Gegenstände gut zu erkennen sind. Selbst in der niedrigeren HD-Einstellung reicht die Bildqualität für den Alltag vollkommen aus. Den in der Live-Ansicht regelmäßig eingeblendeten Hinweis, dass man für eine bessere Qualität in den UHD-Modus wechseln könne, hätte es allerdings nicht gebraucht.

Auch der großzügige Blickwinkel erweist sich als praktisch. Die Kamera erfasst nicht nur Personen unmittelbar vor der Haustür, sondern auch einen breiten Bereich des Eingangs. Dank des nahezu quadratischen 4:3-Bildformats steht im Vergleich zum weitverbreiteten 16:9-Breitbildformat mehr Platz in der Vertikalen zur Verfügung, sodass Personen möglichst vollständig im Bild erscheinen.

Die Bildwiederholrate von bis zu 15 Bildern pro Sekunde liegt hingegen unter den bei vielen anderen Kameras üblichen 25 oder 30 Bildern. Entsprechend ist die Darstellung schneller Bewegungen weniger flüssig. Für den eigentlichen Einsatzzweck, nämlich Personen vor der Haustür zu erkennen und ihre Bewegungen nachzuvollziehen, hat sich das jedoch nicht als entscheidender Nachteil erwiesen.

Die Bildqualität überzeugt indes auch bei Dunkelheit. Die Aosu-Videotürklingel verfügt über eine Infrarot-Nachtsichtfunktion, die Personen und Gegenstände auch ohne zusätzliche Beleuchtung mit guter Detailzeichnung erkennbar macht, wie wir es bereits von den Sicherheitskameras desselben Herstellers gewohnt sind.

Bewegungserkennung und Benachrichtigungen

Auch bei der Bewegungserkennung hinterlässt die Aosu Video Doorbell Pro einen guten Eindruck. Die Kamera registriert auf Wunsch Aktivitäten im überwachten Bereich, hält diese automatisch per Aufnahme fest und schickt eine Benachrichtigung an das Smartphone. Während unseres Testzeitraums funktionierte das ausgesprochen zuverlässig. Sobald jemand das Haus verließ oder sich im Erfassungsbereich bewegte, wurde die Aktivität erkannt und aufgezeichnet. Die entsprechenden Mitteilungen trafen praktisch unmittelbar ein.

Zusätzlich zur allgemeinen Bewegungserkennung verfügt das System über eine dedizierte Personenerkennung. Damit kann die Kamera zwischen beliebigen Bewegungen und der Anwesenheit einer Person unterscheiden. Über die App lassen sich außerdem Erfassungsbereiche und die Empfindlichkeit der Erkennung anpassen.

Das ist nicht nur praktisch, um unnötige Benachrichtigungen zu vermeiden, sondern auch mit Blick auf den Datenschutz sinnvoll. Schließlich sollte eine Videotürklingel möglichst nur das eigene Grundstück überwachen und weder öffentliche Gehwege noch benachbarte Grundstücke unnötig erfassen. Zu beachten ist allerdings, dass die festgelegten Erfassungsbereiche lediglich bestimmen, wo Bewegungen eine automatische Aufnahme auslösen sollen. Der sichtbare Bildausschnitt wird dadurch nicht eingeschränkt.

Zu diesem Zweck hat die App einen eigenen Unterpunkt, um sogenannte Privatzonen einzurichten, mit denen sich einzelne Bereiche des Kamerabildes gezielt unkenntlich machen lassen. Die entsprechenden Bildbereiche werden dabei sowohl im Livebild als auch in gespeicherten Aufnahmen ausgeblendet.

Dass man sich ein wenig Zeit für die richtige Konfiguration nehmen sollte, zeigt sich außerdem bei der Einstellung der Empfindlichkeit. Ein höherer Wert kann dabei helfen, auch weniger auffällige Bewegungen zuverlässig zu erfassen. Gleichzeitig steigt allerdings das Risiko unerwünschter Benachrichtigungen, etwa durch Pflanzen, die sich im Wind bewegen. Wir empfehlen daher ausdrücklich, die Empfindlichkeit und die Erfassungsbereiche an die Gegebenheiten des jeweiligen Hauseingangs anzupassen – nicht zuletzt auch mit Blick auf den Speicherbedarf und den Stromverbrauch.

Akkulaufzeit

Mit ihrem integrierten 5.200-mAh-Akku soll die Aosu Video Doorbell Pro laut Hersteller eine Laufzeit von bis zu sechs Monaten erreichen. Dabei ist natürlich zu bedenken, dass solche Maximalangaben üblicherweise unter den denkbar günstigsten Nutzungsbedingungen ermittelt werden. Die tatsächliche Laufzeit kann deshalb je nach Einsatz deutlich niedriger ausfallen. Insbesondere die Anzahl erkannter Bewegungen, die Empfindlichkeit der Erkennung, die Häufigkeit von Livebildaufrufen und die Qualität der Funkverbindung beeinflussen den Energieverbrauch. Eine Kamera, die täglich zahlreiche Aktivitäten aufzeichnet, benötigt naturgemäß mehr Energie als ein Gerät an einem vergleichsweise ruhigen Hauseingang.

Seht es uns an dieser Stelle bitte nach, dass wir uns nicht mehrere Monate Zeit genommen haben, um den Akku vor der Veröffentlichung dieses Tests vollständig auf die Probe zu stellen. Festhalten können wir allerdings schon jetzt, dass es während unseres Testzeitraums allein schon ganze drei Tage dauerte, bis die Ladestandsanzeige erstmals von 100 auf 99 Prozent fiel. Wir sind gespannt, wie lange die Aosu Video Doorbell Pro bei uns letztlich durchhält, und werden gegebenenfalls ein Update nachreichen.

App und Bedienkomfort

Die Aosu-App ist die zentrale Anlaufstelle für sämtliche Funktionen der Video Doorbell Pro. Über sie lässt sich das Livebild aufrufen, auf gespeicherte Ereignisse zugreifen und das Verhalten der Kamera konfigurieren. Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich aufgebaut und weitgehend selbsterklärend. Wichtige Funktionen sind ohne lange Suche erreichbar, während zusätzliche Einstellungen in den entsprechenden Menüs untergebracht sind.

Besonders praktisch ist die Einbindung in ein bereits bestehendes Aosu-Kamerasystem. Wer weitere Überwachungskameras des Herstellers besitzt, kann sämtliche Geräte gemeinsam verwalten. Über die Multi-Cam-Ansicht lassen sich bis zu vier Kamerabilder gleichzeitig anzeigen, was die Überwachung verschiedener Bereiche des Grundstücks erleichtert. Darüber hinaus unterstützt die Videotürklingel die Smart-Home-Plattformen Amazon Alexa und Google Assistant.

Weniger angenehm ist die wiederholte Werbung für kostenpflichtige Zusatzfunktionen. Aosu weist innerhalb der App auffällig häufig auf sein Pro-Angebot hin. Dazu gehören unter anderem Cloudspeicherung, eine Gesichtserkennung für bekannte Personen und KI-gestützte Zusammenfassungen erkannter Ereignisse. Diese Funktionen können durchaus einen Mehrwert bieten, die ständigen Upgrade-Hinweise wirken allerdings aufdringlich. Wer seine Videos lieber im eigenen Haushalt speichert und auf zusätzliche KI-Funktionen verzichten kann, erhält bereits mit der regulären Ausstattung eine weitgehend vollständige Lösung. Für die grundlegende Überwachung und lokale Speicherung ist ein Abonnement nicht erforderlich.

Möchte man aufgezeichnete Ereignisse nach einer Mitteilung prüfen, führt ein Fingertipp direkt in die App. Nach dem Öffnen erscheint kurz eine Ladeanzeige, anschließend lassen sich die gespeicherten Aufnahmen auswählen und wiedergeben. Auf unserem Samsung-Galaxy-Smartphone funktionierte das in der Regel angenehm schnell.

Wird draußen der Klingelknopf betätigt, erscheint auf dem Smartphone eine Benachrichtigung, die sich ähnlich wie ein eingehender Anruf samt Klingelton bemerkbar macht. Nehmen wir diesen an, erhalten wir direkt das Livebild der Kamera. Über eine mittig platzierte Schaltfläche lässt sich anschließend die Sprachverbindung zum Besucher herstellen.

Klangqualität und Gegensprechfunktion

Bei der akustischen Ausstattung zeigt die Aosu Video Doorbell Pro zwei unterschiedliche Seiten. Zunächst einmal ist der Lautsprecher direkt an der Türklingel durchaus brauchbar. Der Klingelton klingt natürlich, Stimmen werden klar und angenehm wiedergegeben.

Wer nicht selbst sprechen will, hat im Kommunikationsbildschirm Zugriff auf vorgefertigte Schnellantworten, die sich auf Knopfdruck abspielen lassen. Die Sprachausgabe erfolgt in sauberem Deutsch mit einer angenehm klingenden Männerstimme. Auch die Betonung wirkt überraschend natürlich. Mit lediglich drei Sätzen fällt die Auswahl allerdings sehr überschaubar aus.

Als zusätzliche Spielerei bietet Aosu zwei Stimmverzerrer an. Mit der Einstellung „Onkel“ wird die eigene Stimme deutlich abgesenkt und klingt beinahe unheimlich tief. Die Variante „Clown“ verändert die Stimme wiederum nach oben, als habe man Helium eingeatmet. Eine kurzzeitig ulkige Albernheit, die für die alltägliche Nutzung eher eine untergeordnete Rolle spielt.

Weniger angetan sind wir vom verbauten Mikrofon. Die Tonaufnahme klingt deutlich weniger ausgewogen als die Wiedergabe über den Lautsprecher und fällt durch vereinzelte Aussetzer auf. Vor allem hohe Umgebungsgeräusche werden zudem ausgesprochen scharf übertragen. Besonders deutlich zeigt sich das bei Vogelgezwitscher, das stellenweise beinahe den Eindruck einer akustischen Rückkopplung vermittelt. Hier hätten wir uns eine natürlichere und weniger aggressive Klangabstimmung gewünscht. Hinzu kommt ein zwar nicht allzu großer, aber durchaus spürbarer Zeitversatz bei der Gegensprechfunktion.

Während der Lautsprecher an der Türklingel selbst einen guten Eindruck hinterlässt, klingt der Gong der Basisstation im Haus vor allem bei höherer Lautstärke unangenehm blechern und schepperig. Er erfüllt zwar seinen Zweck, die Akustik der zur Wahl stehenden Klingeltöne wirkt jedoch wenig hochwertig. Vor diesem Hintergrund ist es sehr schade, dass lediglich drei Klingelmelodien zur Auswahl stehen und keine eigenen Töne hinterlegt werden können.

Fazit

Die Aosu Video Doorbell Pro macht den Einstieg in die Welt der Videotürklingeln angenehm leicht. Sie liefert scharfe, detailreiche Aufnahmen, ermöglicht die Überwachung des Eingangsbereichs auch bei Dunkelheit und informiert dank Bewegungserkennung zuverlässig über Ereignisse vor der Haustür. Hinzu kommen die übersichtliche App mit ihrer praktischen Einbindung in ein bestehendes Aosu-Kamerasystem und die Möglichkeit, Aufnahmen ohne laufende Abonnementkosten lokal zu speichern – eine separate microSD-Karte vorausgesetzt.

Während die einfach zu montierende Videotürklingel mit einer guten Lautsprecherqualität und natürlich klingenden Schnellantworten punktet, trüben das schwache Mikrofon, die leichte Verzögerung beim Gegensprechen und der blecherne Innenraumgong mit lediglich drei Klingeltönen den Gesamteindruck etwas. Schade ist ferner, dass einige sinnvolle – wenn auch nicht notwendige – Zusatzfunktionen dann doch zahlenden Abonnenten vorbehalten sind.

Unterm Strich erweist sich die Aosu Video Doorbell Pro aber als benutzerfreundliche und ausdauernde Lösung für alle, die ihren Hauseingang jederzeit und von überall aus bequem im Blick behalten möchten. Wer vor allem Wert auf ein gutes Kamerabild, zuverlässige Überwachung und eine einfache Bedienung legt, macht hier definitiv nichts falsch.

Die Aosu Video Doorbell Pro bekommt ihr für 129,99 Euro im Online-Shop des Herstellers oder auch auf Amazon.