Sicherheit durch Überwachungskameras rund ums Haus bringt häufig gleich mehrere praktische Probleme mit sich. Stromkabel müssen verlegt oder Akkus regelmäßig geladen werden, und dann fallen für die Speicherung der Aufnahmen meist auch noch laufende Abogebühren an. Mit dem SolarCam D1 Classic Kit möchte der auf smarte Sicherheitslösungen spezialisierte Hersteller Aosu alle drei Punkte auf einmal aus der Welt schaffen und verspricht ein weitgehend automatisiertes Rundum-Sorglos-Paket für die Überwachung von Haus und Grundstück.

Das Set besteht aus zwei motorisierten Außenkameras und der sogenannten aosuBase. Die Kameras werden von integrierten Akkus versorgt, die wiederum über fest installierte Solarzellen geladen werden. Eine integrierte KI hilft, Personen automatisch zu verfolgen, für die Aufnahmen stehen 32 GB lokaler Speicher auf der Basisstation zur Verfügung. Ein kostenpflichtiges Cloud-Abonnement ist für den regulären Betrieb nicht erforderlich, kann das Paket bei Bedarf aber optional um zusätzlichen Cloud-Speicher und weitere Cloud-Funktionen erweitern. Spoiler: Benötigt oder vermisst haben wir diese nicht.

Zwei Kameras und eine gemeinsame Basis

Aber von vorne: Das SolarCam D1 Classic Kit besteht aus zwei kabellosen und motorisierten PTZ-Kameras (Pan-Tilt-Zoom), die sich horizontal um bis zu 360 Grad schwenken und vertikal um 90 Grad neigen lassen. Das Gehäuse ist gemäß IP65 gegen Staub und Regen geschützt und damit für eine dauerhafte Montage im Außenbereich vorgesehen.

Zwei separate Wandhalterungen, die mit je drei Schrauben an Wand oder Fassade befestigt werden, liegen dem Paket nebst Montagematerial bei. Anschließend lässt sich die eigentliche Kamera in die Halterung einsetzen und (für unseren Geschmack etwas zu problemlos) auch wieder abziehen. Kleiner Tipp am Rande: Nehmt direkt eigene und robustere Schrauben, deren Köpfe nicht gleich beim ersten Versuch ausleiern.

Aosu spendiert außerdem noch zwei Ladekabel, um die Kameras bei Bedarf über den USB-C-Anschluss manuell mit Strom zu versorgen. Hinzu kommt besagte aosuBase, die als gemeinsame Basisstation und lokaler Speicher dient und mit einem beiliegenden Ethernetkabel an den Router geklemmt wird. Plant außerdem noch einen Steckdosenplatz ein.

Anschließend übernimmt sie nicht nur die Kommunikation mit den Kameras, sondern dient gleichzeitig als lokaler Videospeicher – die in unserem Set enthaltene Gen.-1-Version verfügt über 32 GB. Ist der Speicher voll, überschreibt das System automatisch die ältesten Aufnahmen. Abhängig von Kamerazahl, Anzahl und Länge der Ereignisse sowie den gewählten Einstellungen stehen bis zu 120 Tage Aufzeichnungsdauer zur Verfügung. Sollte eine Kamera beschädigt oder entwendet werden, bleiben bereits an die Basisstation übertragene Aufnahmen dort entsprechend lange erhalten.

Eine klassische Dauerüberwachung ist allerdings nicht möglich. Die SolarCam D1 Classic zeichnet ereignisbasiert auf und ist nicht für kontinuierliche 24/7-Aufnahmen vorgesehen. Eine Speichererweiterung ist bei der zum 2-Cam-Kit gehörenden Basisstation ebenfalls nicht möglich, der in der Anleitung kurioserweise nicht erwähnte USB-C-Port an der Rückseite dient lediglich als Ladeport für die Kameras.

Die beiden Kameras selbst benötigen am späteren Einsatzort dagegen weder einen Strom- noch einen Netzwerkanschluss. Oben sitzt das fest verbaute, angeschrägte Solarpanel, an den Seiten befinden sich jeweils zwei kippbare Funkantennen, dank denen die Kameras ein wenig aussehen wie liebesbedürftige Roboter, die umarmt werden wollen.

Unterhalb des Solarpanels sitzt die motorisierte Kameraeinheit. Sie lässt sich horizontal um 360 Grad schwenken und vertikal um 90 Grad neigen, wodurch eine einzelne Kamera einen deutlich größeren Bereich erfassen kann als ein Modell mit feststehendem Objektiv. Aosu kombiniert die PTZ-Einheit mit vier weißen LEDs für die farbige Nachtsicht, Infrarot-Nachtsicht sowie Mikrofon und Lautsprecher für die Zwei-Wege-Kommunikation.

Dass Akku und Solarpanel direkt miteinander verbaut sind, sieht sauber aus und vereinfacht die Installation, schränkt jedoch auch die Wahl des Standorts ein: Für einen dauerhaften Solarbetrieb muss darauf geachtet werden, dass die Oberseite ausreichend Sonnenlicht abbekommt. Ist dies nicht möglich, kommt man um ein externes Panel nicht herum, das Aosu mit einem drei Meter langen Kabel separat anbietet.

Unter normalen Bedingungen sollen aber bereits 1,5 bis zwei Stunden Sonnenlicht pro Tag ausreichen, um den täglichen Energiebedarf zu decken, und auch ein überwiegend bewölkter Himmel bringt noch ausreichend Saft. Zudem sind mit dem 5.200-mAh-Akku bis zu 60 Tage Betrieb möglich, wobei diese Werte je nach Einsatzgebiet sehr individuell ausfallen können. Eine häufig ausgelöste Kamera, die regelmäßig aufzeichnet und Personen verfolgt, benötigt natürlich deutlich mehr Energie als ein Gerät, das in einem ruhigen Garten eine selbige Kugel schiebt.

Einrichtung und Aosu-App

Sind alle Komponenten an Ort und Stelle aufgestellt und angebracht, erfolgt die eigentliche Einrichtung über die Aosu-App, in der wir zunächst Basisstation und Kameras hinzufügen und miteinander verbinden. Anschließend lassen sich die einzelnen Kameras benennen, Livebilder abrufen und Einstellungen für Erkennung, Benachrichtigungen und Aufzeichnung vornehmen. Der gesamte Vorgang dauerte in unserem Falle nur wenige Minuten und lief absolut reibungslos. Tatsächlich waren wir deutlich länger damit beschäftigt, einen sinnvollen Ort für die Kameras zu finden, denn neben dem Sonnenlicht benötigen diese auch eine ausreichend starke Funkverbindung zur Basis.

Aosu gibt eine Abdeckung von rund 200 bis 400 m² an. Im Praxistest stand die Verbindung aber selbst bei einem Abstand von bis zu rund 20 Metern mit mehreren Wänden dazwischen. Ein paar Meter darüber war der Betrieb zwar weiterhin möglich, allerdings traten hier deutliche Verbindungsprobleme auf. Bei ungünstigen baulichen Gegebenheiten dürfte die Distanz vermutlich niedriger ausfallen, sich aber immer noch mit den herstellerseitigen Angaben decken.

Die App bildet anschließend die eigentliche Schaltzentrale des Systems und fällt dabei angenehm überschaubar und benutzerfreundlich aus. Manches Funktionssymbol erschließt sich nicht direkt, ist aber nach einmaligem Ausprobieren bereits verstanden. Auch über die eine oder andere etwas krude Übersetzung lässt sich hinwegsehen.

Bereits in der Hauptansicht werden die eingerichteten Kameras samt Vorschaubild sowie Informationen zu Akkustand und Verbindungsqualität aufgeführt. Praktisch ist, dass bereits hier grundlegende Funktionen und Einstellungen erreichbar sind. Schade wiederum, dass lediglich eine Standaufnahme des letzten Ereignisses und nicht schon das Livebild gezeigt wird. Zu diesem kommen wir erst über einen Fingertipp auf das jeweilige Fenster, was mit wenigen Sekunden Verbindungszeit einhergeht. Ferner lassen sich über eine Mehrkamera-Ansicht die Livebilder mehrerer Geräte gleichzeitig verfolgen, ohne ständig zwischen den einzelnen Cams wechseln zu müssen.

Den vollen Funktionsumfang haben wir aber nur über die jeweilige Liveansicht. Neben der Wahl der Übertragungsqualität können wir hier digital in das Bild hineinzoomen, Screenshots erstellen oder eine Aufnahme manuell starten. Das interne Mikrofon der Kamera liefert auf Wunsch etwas blechern klingende sowie recht windempfindliche Audioaufnahmen und ermöglicht zudem die Zwei-Wege-Kommunikation mit Personen vor der Kamera. Sprache wird dabei in beide Richtungen ausreichend verständlich übertragen, auch wenn die Tonqualität erwartungsgemäß nicht mit einer klassischen Gegensprechanlage mithalten kann und zudem eine leichte Verzögerung auffällt.

Neben der eigenen Stimme können über die App zudem vorbereitete Sprachmeldungen abgespielt werden – die Auswahl fällt mit lediglich drei Ansagen jedoch recht spärlich aus. Eine etwas gruselige Stimmverfremdung soll auf Wunsch verhindern, dass die eigene Stimme für die Person vor der Kamera erkennbar ist. Zusätzlich verfügen die Kameras über eine Sirene, deren Lautstärke Aosu mit bis zu 120 dB angibt. Warnt vor dem Ausprobieren also besser eure Nachbarn vor.

LED-Beleuchtung und Alarm lassen sich direkt aus dieser Ansicht heraus bedienen. Die motorisierte Kamera kann außerdem über virtuelle Richtungstasten manuell geschwenkt und geneigt werden. Praktisch ist außerdem die verfügbare Panoramaansicht. Hier erstellt die Kamera zunächst ein Übersichtsbild ihres Schwenkbereichs. Anschließend genügt ein Tipp auf die gewünschte Stelle im Panorama und die Kamera richtet sich automatisch darauf aus. Zusätzlich kann und sollte man eine feste Ausgangsposition bestimmen, zu der sie nach einer automatischen Verfolgung wieder zurückkehrt.

Die Bewegungserkennung lässt sich auf Menschen beschränken und in ihrer Empfindlichkeit anpassen, die automatische Personenverfolgung separat aktivieren oder deaktivieren. Für Benachrichtigungen stehen Zeitpläne zur Verfügung, außerdem kann zwischen einer unmittelbaren Meldung und einer intelligenten Auswertung unterschieden werden, über die wir festlegen, welcher Ereignistyp eine Benachrichtigung auslöst. Auch das Aufnahmeverhalten lässt sich beeinflussen. Im stromsparenden Modus zeichnet die Kamera Ereignisse für maximal 20 Sekunden auf und legt zwischen den Aufnahmen eine Pause ein. Der intelligente Erkennungsmodus erlaubt dagegen Aufzeichnungen von bis zu 60 Sekunden, beansprucht dafür jedoch Akku und Speicher stärker.

Aufgezeichnete Ereignisse landen in einer eigenen Übersicht und können dort nachträglich abgespielt oder auf das Smartphone heruntergeladen werden. Zusätzlich definieren wir Ruhezeiten, in denen die Kamera nicht überwacht. Einstellungen für Nachtsicht, Aufnahmequalität, Lautsprecherlautstärke und Tonaufzeichnung runden die Optionsvielfalt ab. Sehr cool überdies: Über die Familienfreigabe lässt sich der Zugriff auf die Kameras mit weiteren Personen teilen.

Gute Bildqualität bei Tag und Nacht

Die Kameras zeichnen mit einer Auflösung von 2.304 × 1.296 Pixeln auf und liefern bei Tageslicht ein scharfes, detailreiches und für die Überwachung von Grundstück, Garten oder Hauseingang absolut überzeugendes Bild. Farben wirken natürlich und auch größere Helligkeitsunterschiede bereiten der Kamera keine nennenswerten Probleme. Personen sind selbst auf etwas größere Entfernung noch gut zu erkennen, während der sechsfache Digitalzoom bei Bedarf einen genaueren, wenn auch naturgemäß detailärmeren Blick ermöglicht. Private Zonen, die grundsätzlich von der Überwachung ausgeschlossen werden, lassen sich nicht festlegen.

Bei Dunkelheit stehen wahlweise eine klassische Infrarot-Nachtsicht mit Schwarz-Weiß-Bild oder eine farbige Nachtsicht zur Verfügung. Bereits die Infrarotdarstellung liefert ein ausreichend klares Bild, um Personen auch ohne zusätzliche Beleuchtung erkennen zu können. Wer hingegen Wert auf mehr Details legt, wechselt zum Preis eines höheren Stromverbrauchs auf die integrierten weißen LEDs, die den unmittelbaren Überwachungsbereich ausleuchten.

Das dient freilich auch der Abschreckung, ist in seiner Distanz aber eingeschränkt. Daher sind die vier LEDs eher als gezieltes Spotlight denn als Ersatz für eine großflächige Außenbeleuchtung zu verstehen. Insgesamt hinterließ die Bildqualität aber sowohl bei Tag als auch bei Nacht einen sehr guten Eindruck.

Personen automatisch im Blick

Eine der interessantesten Funktionen des SolarCam D1 Classic Kit ist die automatische Personenverfolgung. Erkennt die Kamera eine Person, kann die motorisierte PTZ-Einheit dieser selbstständig folgen, um sie im Bild zu halten. Das ist bei größeren zu überwachenden Bereichen ziemlich praktisch, da eine einzelne Kamera nicht permanent auf denselben Bildausschnitt beschränkt bleibt und eine deutlich größere Fläche abdecken kann.

Dabei spielt es allerdings eine Rolle, von wo aus eine Person den als Standardposition festgelegten überwachten Bereich betritt. Bewegen wir uns zentral durch das Sichtfeld, erkennt uns die Kamera zuverlässig und folgt uns auch über einen längeren Weg hinweg – wenn auch etwas sprunghaft, da das System wartet, bis sich die verfolgte Person dem Rand des aktuellen Bildausschnitts nähert und erst dann ruckartig ein Stück weiter schwenkt.

Betritt eine Person hingegen in einem ungünstigen Winkel den Erfassungsbereich oder streift diesen nur, reagierte die automatische Verfolgung mitunter überhaupt nicht. In manchen Fällen erkannte uns das System zunächst, schwenkte anschließend jedoch in Richtung der Position, aus der wir gekommen waren, und verlor uns dadurch unmittelbar wieder aus dem Blick. Entscheidend ist also offenbar vor allem die initiale Erfassung – ein Punkt, den man beim Anbringen und Ausrichten der Kamera unbedingt beachten sollte.

Die Bewegungserkennung selbst arbeitete im Test zuverlässig. Neben Personen erfasst die Kamera im allgemeinen Erkennungsmodus auch andere Bewegungen im Sichtfeld, wie etwa die Hauskatze oder auch einen im Wind wehenden Busch. Wer ausschließlich über Personen informiert werden möchte, kann die Erkennung entsprechend beschränken und so unnötige Auslösungen reduzieren.

Cross-Camera Tracking

Eine weitere Besonderheit des SolarCam D1 Classic Kit ist das sogenannte Cross-Camera Tracking. Erfassen mehrere Kameras nacheinander dieselbe Person, kann die aosuBase die einzelnen Aufzeichnungen miteinander verknüpfen. Statt mehrere Clips separat aufrufen zu müssen, erscheint der Weg durch die verschiedenen überwachten Bereiche anschließend als zusammengehörendes Ereignis in der App.

Im Test funktionierte das das Zusammenspiel der beiden Kameras allerdings nicht immer zuverlässig. Teilweise erkannte das System den Zusammenhang zwischen den Aufnahmen korrekt und stellte daraus eine gemeinsame Abfolge zusammen, in anderen Situationen blieben die Clips dagegen voneinander getrennt oder wurden ohne ersichtlichen Zusammenhang kombiniert. Nach welchen Kriterien die aosuBase entscheidet, dass mehrere Aufnahmen zum selben Ereignis gehören, war für uns nicht eindeutig nachvollziehbar.

In der Praxis hinterließ die Funktion damit einen etwas wechselhaften Eindruck: Wenn die Zuordnung gelingt, ist die zusammenhängende Darstellung über mehrere Kameras hinweg durchaus praktisch. Darauf verlassen, dass passende Aufnahmen tatsächlich immer miteinander verknüpft werden, konnten wir uns im Test allerdings nicht.

Fazit

Das Aosu SolarCam D1 Classic Kit erweist sich im Test als flexibles Überwachungssystem, das trotz seines großen Funktionsumfangs erfreulich benutzerfreundlich bleibt. Die beiden Kameras sind schnell eingerichtet, liefern bei Tag und Nacht eine gute Bildqualität und decken mit ihrer motorisierten PTZ-Einheit einen großzügigen Erfassungsbereich ab. Solarbetrieb und lokale Speicherung auf der aosuBase sorgen zudem für einen unkomplizierten Betrieb ohne verpflichtendes Cloud-Abonnement.

Sobald eine Person zuverlässig erfasst wurde, funktioniert die automatische Personenverfolgung verblüffend gut. Ungünstige Eintrittswinkel können das System gelegentlich aber auch aus dem Tritt bringen. Das Cross-Camera Tracking ist indes eine clevere Idee, verknüpfte die Aufnahmen zweier Kameras in unserem Test allerdings nicht immer nachvollziehbar miteinander.

Diese kleineren Schwächen ändern am insgesamt sehr positiven Eindruck jedoch wenig. Wer Haus und Grundstück mit möglichst wenig Installations- und Wartungsaufwand überwachen möchte, bekommt mit dem Aosu SolarCam D1 Classic Kit ein vielseitiges Gesamtpaket, das seine vielen Funktionen sinnvoll miteinander verbindet und im Alltag weitgehend autark und zuverlässig seinen Dienst verrichtet.

Das Aosu SolarCam D1 Classic Kit ist mit zwei Kameras für 299,99 Euro im Onlineshop des Herstellers erhältlich. Das 4-Cam-Kit schlägt mit 499,99 Euro zu Buche, für das Set mit sechs Kameras und der Gen2-aosuBase werden 699,99 Euro fällig. Alternativ findet ihr die Sets auch unter diesem Link auf Amazon.