Anker Innovations hat mit Thus eine eigene Chip-Plattform für künstliche Intelligenz vorgestellt. Der erste Einsatz ist im Audio-Bereich geplant, weitere Produktkategorien sollen folgen.
Der Chip wird im Rahmen des globalen Fertigungsnetzwerks des Unternehmens in Deutschland produziert und soll KI-Berechnungen direkt auf Endgeräten ermöglichen. Im Fokus steht dabei die Verarbeitung neuronaler Netze ohne externe Rechenleistung. Damit unterscheidet sich der Ansatz von klassischen Lösungen, bei denen Daten ständig zwischen Speicher und Prozessor hin- und hergeschoben werden. Laut Unternehmensangaben wird die Rechenlogik näher an die gespeicherten Modelle verlagert, sodass dieser Datentransfer entfällt.

Technischer Ansatz und Einsatz im Alltag
Grundlage für viele heutige Chips ist eine Architektur, die seit den 1940er-Jahren genutzt wird und Rechenprozesse in einzelne Schritte aufteilt. Dieses Prinzip stößt bei neuronalen Netzen an Grenzen, da dort große Mengen an Parametern parallel verarbeitet werden. Besonders in kompakten Geräten wie Kopfhörern wird der notwendige Datentransport zum Problem, da er einen Großteil der Energie verbraucht.
Mit Thus verfolgt Anker einen anderen Ansatz, bei dem Rechenoperationen direkt im Speicher stattfinden. Die Plattform nutzt dafür NOR-Flash-Speicherzellen, in denen sowohl die Daten als auch die Berechnung stattfinden. Dadurch soll mehr Energie für die eigentliche Verarbeitung zur Verfügung stehen. Gleichzeitig fällt die benötigte Chipfläche im Vergleich zu anderen Speicherlösungen geringer aus, was den Einsatz in kleinen Geräten erleichtert.

Der erste Einsatzbereich sind Kopfhörer, die mit begrenzter Leistung und wenig Platz auskommen müssen. Hier soll der Chip größere neuronale Netze unterstützen als bisher üblich und damit komplexere Aufgaben ermöglichen. Dazu zählt unter anderem die Verbesserung der Sprachqualität bei Telefonaten. Eine neue Funktion namens „Clear Calls“ nutzt mehrere Mikrofone sowie Knochenschallsensoren, um Stimmen gezielt herauszufiltern und Störgeräusche zu reduzieren.
Weitere Funktionen und passende Produkte will Anker am 21. Mai im Rahmen eines Events in New York vorstellen. Langfristig ist geplant, die Plattform auch in weiteren Bereichen wie mobilen Zubehörprodukten und IoT-Geräten einzusetzen.
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