Mit der ersten Generation der Soundcore AeroClip haben wir seinerzeit erstmals einen Open-Ear-Kopfhörer getestet. Wir waren skeptisch – sehr skeptisch sogar –, doch letztlich hatten uns die kleinen Ohrhörer nachhaltig von dem damals noch eher ungewöhnlichen Open-Ear-Konzept überzeugt.
Nun schickt Hersteller Anker den Nachfolger ins Rennen, der mit einem überarbeiteten Design, neuer Klangtechnik und einem KI-Prozessor für besonders klare Telefonate noch eine Schippe drauflegen soll. Ob die Soundcore AeroClip 2 an den gelungenen Vorgänger anknüpfen und diesen sogar überflügeln können, verrät euch unser Test.

Ausstattung und Verarbeitung
Wer bislang ausschließlich klassische In-Ear- oder Over-Ear-Kopfhörer genutzt hat, dürfte mit Blick auf die vermeintlich fragilen AeroClip 2 zunächst wohl einige Fragen haben. Doch die sind schnell beantwortet: Statt im Gehörgang zu verschwinden oder die Ohren vollständig zu umschließen, werden die kleinen Ohrhörer wie eine Art Ohrschmuck angeklemmt. Dabei sitzt die größere Technikgondel hinter dem Ohr, während die kleinere Einheit mit dem Lautsprecher in der Ohrmuschel liegt. Beide sind durch einen elastischen Bügel mit einem innenliegenden Titandraht miteinander verbunden. Der Gehörgang bleibt vollständig frei, sodass Musik und Umgebungsgeräusche gleichzeitig wahrgenommen werden können.
Was zunächst nach einem Nachteil klingen mag, ist Teil des Konzepts. Während andere Ohr- oder Kopfhörer Umgebungsgeräusche im Transparenzmodus künstlich durchleiten, bleibt man hier ganz natürlich Teil des akustischen Geschehens um einen herum. Das ist ein bisschen so wie in einem Film: Die Musik begleitet das Geschehen, ohne beispielsweise Gespräche mit Kollegen, Durchsagen oder herannahende Fahrzeuge zu überdecken.

Damit einher geht allerdings, dass die Musik in besonders lauten Umgebungen zwangsläufig mit den Außengeräuschen konkurriert. Eine aktive Geräuschunterdrückung ist bei dieser Bauweise aktuell noch nicht vorgesehen. Auch die Schallabgabe nach außen lässt sich nicht vollständig verhindern. Bei moderater Lautstärke hält sich das Problem in Grenzen, bei höherem Pegel können Personen in unmittelbarer Nähe jedoch durchaus etwas von der Musikwiedergabe mitbekommen.
Ganz klar auf der Habenseite stehen dafür der hohe Tragekomfort ohne Druck im Gehörgang oder unangenehmen Wärmestau sowie die Tatsache, dass man die eigene Stimme beim Telefonieren ganz natürlich wahrnimmt, statt sie wie bei geschlossenen In-Ears gedämpft zu hören. Das hat sich bereits beim Vorgänger bewährt. Für die zweite Generation hat soundcore die Bauform dennoch noch einmal dezent überarbeitet.

Die beiden Gehäuseelemente werden nun durch einen schlankeren und flexibleren Verbindungsbügel zusammengehalten, den der Hersteller als GoldenFit C-Bridge bezeichnet. Grundlage der Entwicklung sollen mehr als 2.000 untersuchte Ohrformen sein, um möglichst vielen Menschen einen angenehmen und zugleich sicheren Sitz zu ermöglichen.
Optisch bleiben die AeroClip 2 ihrem Vorgänger ansonsten weitgehend treu, bei genauerem Hinsehen fällt dann aber doch ein wesentlicher Unterschied auf: Statt der bisherigen, zuweilen etwas schwammigen Tippsteuerung über die Bügel kommen nun kleine physische Tasten an den hinteren Technikgondeln zum Einsatz, die eine deutlich direktere Bedienung ermöglichen sollen.

Die Verarbeitung macht soundcoretypisch einen äußerst wertigen Eindruck. Die Ohrhörer wirken fast schon wie aus einem Guss, störende Kanten oder unsaubere Übergänge sind nicht auszumachen. Auch die Materialqualität überzeugt und lässt die zunächst filigran wirkenden Clips erstaunlich robust erscheinen.
Mit immer noch gerade einmal 6,2 Gramm pro Ohrhörer sind die AeroClip 2 minimal schwerer als die Vorgänger (6,0 Gramm), aber wer das beim Tragen merkt, hat Superkräfte. Das Ladecase fällt gegenüber der ersten Generation wiederum etwas schmaler aus und lässt sich damit noch bequemer in der Hosentasche verstauen. Etwas irritiert hat uns zunächst die neue Anordnung der Ohrhörer, die im Case nun seitlich aufgestellt Platz finden. Daran gewöhnt man sich allerdings schnell.

Bei der Widerstandsfähigkeit hat soundcore ebenfalls nachgelegt. Die Ohrhörer sind nun nach IP57 gegen Staub und Wasser geschützt und damit auch für schweißtreibende Trainingseinheiten oder einen kräftigen Regenschauer gerüstet. Selbst ein versehentliches, kurzzeitiges Untertauchen sollten die kleinen Ohrhörer dank ihrer IP57-Zertifizierung unbeschadet überstehen. Zum Schwimmen sind sie trotz der verbesserten Schutzklasse allerdings nach wie vor nicht gedacht. Dafür gibt es speziell entwickelte Open-Ears, die auch für den Einsatz im Wasser ausgelegt sind.
Tragekomfort und Bedienung
Eine der großen Stärken des Open-Ear-Konzepts zeigt sich, wenn man die AeroClip 2 einige Stunden getragen hat. Denn obwohl die Ohrhörer lediglich an die Ohrmuschel geklemmt werden, sitzen sie ausgesprochen sicher. Uns ist es jedenfalls nicht gelungen, die kleinen Clips ohne Zuhilfenahme unserer Hände abzuschütteln – und wir haben es sogar mit Headbanging versucht. Dennoch machen sie sich – vom Sound natürlich abgesehen – kaum bemerkbar. Weder entsteht das typische Druckgefühl klassischer In-Ears noch müssen die Ohren unter einem Schaumstoff- oder Kunstlederpolster schwitzen.

Daraus ergibt sich ein ausgesprochen angenehmes Tragegefühl, das sich insbesondere bei längerer Nutzung bezahlt macht. Während andere Kopfhörer irgendwann drücken und unangenehm werden können, geraten die AeroClip 2 mit der Zeit förmlich in Vergessenheit. Uns ist es tatsächlich mehrfach passiert, dass wir etwa erst nach Dreharbeiten beim Sichten des Materials bemerkten, dass wir die kleinen Ohrhörer ja immer noch trugen. Ärgerlich für die Aufnahme, ein Ritterschlag für die AeroClip.
Eine Änderung gibt es allerdings beim Lieferumfang. Während dem Vorgänger noch zusätzliche Silikonaufsätze beilagen, mit denen sich der Abstand zwischen den beiden Gehäuseelementen verringern ließ, verzichtet soundcore diesmal vollständig darauf. Offenbar vertraut der Hersteller darauf, mit der überarbeiteten Bügelform bereits eine möglichst universelle Passform gefunden zu haben. Da uns sämtliche zum Ausprobieren herangezogenen Kollegen einen guten Sitz bestätigten, scheint das auch zu funktionieren.

Noch mal zurück zur veränderten Bedienung: Statt wie bisher auf den Verbindungsbügel zu tippen, werden die AeroClip 2 nun über kleine physische Tasten an den hinteren Gehäuseelementen gesteuert. Dabei muss man gar nicht lange mit dem Finger suchen. Man nimmt die hintere Gondel einfach wie ein Tic Tac zwischen die Finger und kann die oben liegende Taste dabei kaum verfehlen. Diese reagiert mit einem deutlich spürbaren Druckpunkt und einem leisen Klickgeräusch zuverlässig auf Eingaben – selbst mit verschwitzten Fingern nach dem Sport. Je nach Anzahl der Tastendrücke lassen sich Wiedergabe, Lautstärke, Titelwechsel oder Anrufe steuern. Welche Funktion dabei auf welchem Ohrhörer liegt, lässt sich in der Soundcore-App individuell festlegen.
Klangqualität
Dass offene Ohrhörer nicht zwangsläufig dünn und kraftlos klingen müssen, hat bereits der erste AeroClip bewiesen. Mit der zweiten Generation legt soundcore technisch aber deutlich nach und verbaut einen überarbeiteten dynamischen 12-mm-Treiber mit Doppelmagnet-System. Dieser soll insbesondere den Tieftonbereich stärken und zugleich für eine präzisere Wiedergabe sorgen.

Und tatsächlich präsentieren sich die AeroClip 2 für die Einschränkungen, welche die Bauweise zwangsläufig mit sich bringt, auffällig ausgewogen. Stimmen werden klar und natürlich wiedergegeben, Instrumente lassen sich sauber voneinander unterscheiden und auch in komplexeren Musikpassagen bleibt das Klangbild angenehm strukturiert. Die Höhen wirken detailliert, ohne sich an scharfen Spitzen zu schneiden, während die Mitten mit einer guten Präsenz überzeugen.
Auch der Bass kann sich durchaus hören lassen. Zwar fehlt naturgemäß der körperlich spürbare Druck geschlossener In-Ears oder potenter Over-Ear-Kopfhörer, doch für ein Open-Ear-Modell liefern die AeroClip 2 ein sehr ordentliches Tieftonfundament. Gerade bei elektronischer Musik oder bassbetonten Titeln macht sich die konstruktionsbedingte Grenze allerdings weiterhin bemerkbar.
Hinzu kommt, dass der Klangeindruck stark von der Position der Ohrhörer abhängt. Schon wenige Millimeter können darüber entscheiden, wie kräftig die tiefen Frequenzen wahrgenommen werden. Es lohnt sich deshalb, die Clips nach dem Aufsetzen etwas zu verschieben und herumzuprobieren, bis der Klang stimmt.

In diesem Zusammenhang ist auch die Klangpersonalisierung HearID 5.0 wieder eine willkommene Funktion. Nach einem kurzen Hörtest erstellt die App ein individuelles Klangprofil, das auf das persönliche Hörvermögen abgestimmt ist – unbedingt ausprobieren, das Ergebnis spricht für sich. Alternativ stehen verschiedene Equalizer-Voreinstellungen und ein frei konfigurierbarer 8-Band-Equalizer zur Verfügung.
Ebenfalls mit an Bord ist ein räumlicher Audiomodus, der die Klangbühne künstlich erweitern soll. Tatsächlich entsteht dabei der Eindruck, als würde man mit der Musik in einen größeren Raum wechseln. Besonders deutlich wird der Unterschied beim Abschalten der Funktion, wenn das Klangbild plötzlich schmaler und etwas dünner wirkt. Allerdings geht die zusätzliche Räumlichkeit etwas zulasten der Differenzierung, sodass einzelne Instrumente und Klangdetails weniger klar voneinander abgegrenzt werden. In unserer Redaktion gehen die Meinungen deshalb auseinander: Während die einen den räumlicheren Klang bevorzugen, bleiben die anderen lieber bei der präziseren Stereowiedergabe.
Telefonie und App-Funktionen
Schon bei den ersten AeroClip gehörte die Sprachqualität zu den größten Überraschungen unseres Tests. Doch gerade bei der KI-gestützten Sprachverarbeitung hat sich seither einiges getan, und soundcore nutzt die technischen Fortschritte, um beim Nachfolger noch einmal nachzulegen. Herzstück ist dabei der neue Thus-KI-Prozessor, der gemeinsam mit vier Mikrofonen und zwei Knochenschallsensoren arbeitet. Das System soll die Stimme gezielt erfassen und störende Umgebungsgeräusche weitgehend aus der Übertragung herausfiltern. Gerade bei Wind, Straßenlärm oder anderen akustisch anspruchsvollen Situationen verspricht der Hersteller deutliche Verbesserungen.

Und tatsächlich: Stimmen werden klar und gut verständlich übertragen, selbst ausgeprägte Hintergrundgeräusche werden wirksam reduziert. Besonders bemerkenswert ist, wie konsequent die Technik zwischen Sprache und Umgebung unterscheiden kann, ohne dass die Verständlichkeit darunter wesentlich leidet. Damit eignen sich die AeroClip 2 nicht nur zum Musikhören, sondern gerade mit Blick auf den hohen Tragekomfort auch hervorragend für längere Telefonate oder Videokonferenzen im Arbeitsalltag. Ein hochwertiges separates Mikrofon für professionelle Sprachaufnahmen ersetzen sie zwar nach wie vor nicht, für alltägliche Gespräche liefern die kleinen Ohrhörer aber eine bemerkenswert gute Sprachqualität.
Als Teil der Soundcore-Familie profitieren auch die AeroClip 2 von der über Jahre gewachsenen Funktionsvielfalt der zugehörigen App, die für uns nach wie vor zu den besten Begleit-Apps auf dem Markt gehört. Über Bluetooth 6.0 unterstützen die Ohrhörer neben den üblichen Codecs SBC und AAC auf Wunsch auch LDAC für eine hochauflösende drahtlose Audioübertragung auf kompatiblen Geräten. Eine gleichzeitige Verbindung mit zwei Zuspielern über Multipoint ist ebenfalls mit an Bord.

Neben der bereits erwähnten individuellen Tastenbelegung stehen unter anderem ein Gaming-Modus zur Verringerung der Übertragungsverzögerung, KI-gestützte Übersetzungsfunktionen für zahlreiche Sprachen und ein Nickerchen-Modus mit optionalem Timer zur Verfügung, der mit beruhigenden Hintergrundgeräuschen beim Entspannen oder Einschlafen helfen soll. Die Geräuschkulisse lässt sich dabei individuell aus einer Vielzahl von Klängen zusammenstellen und direkt auf den Ohrhörern speichern, sodass man das Smartphone anschließend sogar ausschalten kann. Schlafgeschichten, Meditationen, Schnarchmaskierung – in kaum einer anderen Audio-Begleit-App lohnt es sich so sehr zu stöbern.
Was allerdings fehlt, ist eine automatische Trageerkennung. Werden die Ohrhörer abgenommen, pausiert die Wiedergabe also nicht selbstständig.

Akkulaufzeit
In Sachen Ausdauer verspricht soundcore bis zu acht Stunden Musikwiedergabe mit einer Akkuladung. Zusammen mit den Reserven des Ladecases steigt die Gesamtlaufzeit auf bis zu 32 Stunden. Die Angaben decken sich mit unseren Alltagserfahrungen, wobei die Laufzeit bei Nutzung des hochauflösenden LDAC-Codecs spürbar kürzer ausfällt. Insgesamt bewegen sich die Ohrhörer damit auf einem guten Niveau und bieten genügend Energie für mehrere Tage bei durchschnittlicher Nutzung.
Praktisch ist die verbesserte Schnellladefunktion. Bereits zehn Minuten im Ladecase reichen aus, um die Ohrhörer für weitere vier Stunden Musikwiedergabe fit zu machen. Gegenüber dem Vorgänger entspricht das einer zusätzlichen Stunde. Das Case selbst wird über USB-C geladen und unterstützt inzwischen auch kabelloses Laden.

Fazit
Mit den AeroClip 2 gelingt soundcore eine sinnvolle Weiterentwicklung seiner ohnehin schon hervorragenden Open-Ear-Kopfhörer. Das überarbeitete Design sorgt für einen noch angenehmeren Sitz, die neuen physischen Tasten erleichtern die Bedienung deutlich und das kompaktere Ladecase macht die Ohrhörer noch alltagstauglicher.
In Sachen Sound bleibt das offene Konzept naturgemäß mit gewissen Einschränkungen verbunden. Innerhalb dieser Grenzen liefern die AeroClip 2 allerdings eine ausgesprochen überzeugende Vorstellung. Die ausgewogene Abstimmung, die klaren Höhen und die vielfältigen Möglichkeiten zur individuellen Klanganpassung machen auch ohne akustische Isolation gehörig Laune.
Der heimliche Star ist jedoch die Telefonie. Dank des neuen Thus-KI-Prozessors gelingt eine bemerkenswert klare Sprachübertragung, selbst wenn es in der Umgebung einmal lauter wird. Dazu kommen eine umfangreiche Referenz-App, moderne Funktechnik, ein verbesserter Schutz gegen Staub und Wasser sowie eine solide Akkulaufzeit.
Keine Frage: Musik-Connaisseure, die sich vollständig von ihrer Umwelt abschotten oder besonders druckvolle Bässe genießen wollen, sind mit klassischen In-Ears oder Over-Ears weiterhin besser beraten. Wer hingegen beim Musikhören seine Umgebung bewusst wahrnehmen möchte und Wert auf dauerhaft hohen Tragekomfort ohne Druck im Gehörgang legt, bekommt mit den AeroClip 2 außergewöhnlich vielseitige Ohrhörer, die sich fast schon unverschämt selbstverständlich in den Alltag einfügen.
Die Soundcore AeroClip 2 sind für 179,99 Euro im Anker-Online-Shop oder auch auf Amazon erhältlich.
:quality(90))