Es gibt Spiele, deren grundlegendes Spielprinzip auch Jahrzehnte später noch funktioniert. Star Fox 64 – hierzulande besser als Lylat Wars bekannt – gehört zweifellos in diese Kategorie. Bereits 1997 bewies Nintendo eindrucksvoll, wie mitreißend ein Rail Shooter sein kann, wenn Spieltempo, Leveldesign und Bosskämpfe perfekt ineinandergreifen.

Fast 30 Jahre später kehrt der Weltraumklassiker nun auf der Nintendo Switch 2 zurück. Die Prämisse dabei: Star Fox soll nicht neu erfunden werden, sondern sich genauso spielen wie damals – nur eben mit zeitgemäßer Technik, aufwendigeren Zwischensequenzen und einigen zusätzlichen Spielmodi. Doch kann das in einer Zeit noch funktionieren, in der Spiele immer größer, komplexer und aufwändiger werden?

Nach mehreren Flügen durch das Lylat-System wissen wir: Star Fox ist zwar längst nicht in allen Bereichen perfekt gealtert, doch sobald der Arwing abhebt und den ersten Feind mit Lasersalven vom Himmel pustet, verspürt man wieder diese unbeschwerte Arcade-Faszination, die den Titel bis heute zu einem der besten Rail Shooter überhaupt macht.

Darum geht's

Die Handlung bleibt klassisch und Nintendo-typisch flach. Im Lylat-System sorgt der verbannte Wissenschaftler Andross für Chaos. Mit einer gewaltigen Armee greift er mehrere Planeten an und bedroht die gesamte Galaxie. General Pepper bleibt als oberstem Befehlshaber der Streitkräfte des Planeten Corneria nur eine letzte Hoffnung: das Söldnerteam Star Fox.

Angeführt wird die Truppe von Fox McCloud, der nicht nur das Lylat-System retten, sondern gleichzeitig aus dem Schatten seines legendären Vaters treten möchte. Unterstützt wird er dabei vom rebellischen Piloten Falco Lombardi, Technikexperte Slippy Toad und Veteran Peppy Hare.

In Sachen Charakterzeichnung also eine Baukastentruppe, um die sich eine geradlinige Heldengeschichte mit klarer Gut-gegen-Böse-Struktur strickt. Zwar werden diverse Sci-Fi-Klassiker zitiert, dies aber ausschließlich inszenatorisch. Überraschende Wendungen oder moralische Grauzonen sucht man vergeblich. Das war aber bereits im Original so und fällt auch heute kaum negativ ins Gewicht.

Neu hinzugekommen sind zahlreiche Zwischensequenzen, die die Geschichte deutlich hochwertiger präsentieren als es auf dem Nintendo 64 möglich gewesen wäre. Die Animationen wirken beinahe wie Ausschnitte aus einem CGI-Film und verleihen den Figuren wesentlich mehr Persönlichkeit.

Zur Stimmung trägt auch die Dynamik innerhalb der Crew während der Missionen bei. Die vier Piloten steht im ständigen Funkkontakt, warnen vor Gefahren, liefern sich kleine Sticheleien oder kommentieren spektakuläre Aktionen.

Schade nur, dass insbesondere Fox reichlich unsympathisch geraten ist. Wurde er bei seinem Kinoauftritt im zweiten Super Mario Bros. Film noch als liebenswürdiger Draufgänger skizziert, kommt er in Star Fox als selbstverliebter Söldner rüber, der vermutlich auch für Andross geflogen wäre, wenn der Preis gestimmt hätte. Das haben wir anders in Erinnerung.

Der grundsätzliche Aufbau der Kampagne hat sich hingegen kaum verändert. Nach jeder Mission verzweigt sich die Galaxiekarte abhängig von den eigenen Leistungen oder dem Abschluss bestimmter Ereignisse in unterschiedliche Richtungen. Dadurch besucht man pro Durchgang lediglich sieben der insgesamt 16 Einsatzorte. Wer sämtliche Missionen erleben möchte, kommt also um mehrere Spieldurchgänge nicht herum.

Gameplay

Spielerisch setzt Nintendo nahezu vollständig auf das Erfolgsrezept des Originals. Die meiste Zeit steuert man den Arwing durch festgelegte Flugkorridore. Innerhalb dieser bleibt jedoch genügend Spielraum, um Gegnern auszuweichen, Hindernisse zu umfliegen oder feindliche Formationen gezielt anzugreifen.

Dazu nutzen wir entweder Lasersalven, die sich über aufgesammelte Items aufwerten lassen, oder wir laden unsere Waffe durch Gedrückthalten der Feuertaste auf. Dabei entsteht ein zielsuchendes Aufschaltgeschoss, das neben dem eigentlichen Ziel auch Gegner in dessen unmittelbarer Umgebung erfasst. Nutzt man dieses System geschickt, lassen sich ganze Formationen mit einem einzigen Angriff ausradieren, was zugleich einen satten Punktebonus einbringt.

Zudem führen wir eine begrenzte Anzahl an Bomben mit, die innerhalb ihres Explosionsradius großen Schaden verursachen. Schub und Bremse helfen beim Ausweichen, mit der berühmten Fassrolle lassen sich gegnerische Projektile sogar abwehren und ein Looping bringt uns hinter einen Gegner, der uns zuvor im Visier hatte.

Klar: Wer lediglich möglichst geradlinig bis zum Levelende fliegt, wird Star Fox problemlos abschließen können. Sein volles Potenzial entfaltet das Spiel jedoch erst dann, wenn man beginnt, Gegnergruppen möglichst effizient auszuschalten, immer höhere Punktzahlen anzustreben und sich dadurch Medaillen zu verdienen.

Die erreichte Punktzahl erfüllt zudem einen spielerisch relevanten Zweck. Je höher die Ausbeute nach Abschluss einer Mission ausfällt, desto mehr Energie regenerieren unsere angeschlagenen Teamkameraden. Falco, Slippy und Peppy sind nämlich keineswegs nur schmückendes Beiwerk, sondern greifen aktiv in die Gefechte ein. Immer wieder bitten sie über Funk um Hilfe, wenn ihnen feindliche Jäger im Nacken sitzen. Ignoriert man ihre Hilferufe zu häufig, sammeln sie über mehrere Missionen hinweg Schaden und können schließlich für den restlichen Kampagnendurchlauf ausfallen, was den weiteren Spielverlauf spürbar anspruchsvoller macht.

Sehr motivierend gestaltet sich ferner das Aufspüren alternativer Routen innerhalb der Kampagne. Manche Abzweigungen werden nur freigeschaltet, wenn bestimmte Gegner rechtzeitig besiegt oder Teammitglieder beschützt werden. Andere verlangen versteckte Aktionen, die man beim ersten Durchgang oftmals gar nicht bemerkt. Schade ist allerdings, dass uns die Bedingungen spätestens nach Abschluss eines Levels verraten werden. Das schmälert das Erfolgserlebnis erheblich.

Den Großteil der Kampagne sitzen wir im Arwing, mitunter setzen wir uns aber auch hinter das Steuer des Landmaster-Panzers oder tauchen mit dem Unterwasserboot Blue Marine ab. Zwar wirkt die Steuerung dabei träger als im Flieger und insbesondere der Trip mit dem U-Boot auf dem Wasserplaneten Aquas bremst den ansonsten sehr dynamischen Spielfluss spürbar aus. Dennoch sorgen diese Missionen für angenehme Abwechslung und eine ganze Reihe spektakulärer Momente.

Zu den größten Highlights gehören aber abermals die Bosskämpfe. Riesige Kampfroboter, gigantische Schlachtschiffe oder bizarre Maschinen verlangen jeweils eigene Strategien und sorgen regelmäßig für stimmungsvolle Finalduelle. Doch so launig diese Begegnungen auch sind, nach heutigen Maßstäben fallen sie weder besonders komplex noch sonderlich fordernd aus. Weiß man erst einmal, was zu tun ist, liegt manch ein Boss bereits nach wenigen Sekunden in Trümmern.

Ein einzelner Durchgang dauert – je nach gewählter Route – lediglich rund ein bis zwei Stunden. Das klingt zunächst wenig, doch Star Fox war nie als einmaliges Abenteuer konzipiert. Stattdessen möchte das Spiel immer wieder gespielt werden. Mal soll eine neue Route entdeckt werden, ein anderes Mal lockt eine bislang verpasste Medaille oder der Wunsch, einen Bosskampf noch eleganter zu meistern.

Wer alles aus dem Spiel herausholen möchte, wagt sich an den neuen Herausforderungsmodus. Nach und nach werden einzelne Missionen freigeschaltet, in denen es zusätzliche Aufgaben zu meistern gilt. Mal soll eine bestimmte Zeit unterboten, mal eine möglichst große Zahl an Gegnern ausgeschaltet oder eine andere Sonderbedingung erfüllt werden. Wirklich neue Inhalte bietet dieser Modus zwar nicht, er erweitert die Langzeitmotivation aber durchaus sinnvoll und richtet sich vor allem an Spieler, die jede Mission bis ins Detail perfektionieren möchten.

Einen eher unbefriedigenden Eindruck hinterlässt hingegen der Koop-Modus. Hier übernimmt ein Spieler die Steuerung des Fahrzeugs, während der zweite ausschließlich für das Zielen und Schießen verantwortlich ist. Die Idee klingt auf dem Papier interessant, in der Praxis fühlt es sich jedoch kaum danach an, gemeinsam ein Raumschiff zu steuern. Vielmehr wirkt es so, als würden zwei voneinander getrennte Aufgaben erledigt. Für eine kurze Runde mit Freunden ist das durchaus unterhaltsam, langfristig bietet der Koop-Modus gegenüber der klassischen Einzelspielerkampagne aber keinen echten Mehrwert.

Wesentlich spaßiger ist dagegen der neue Mehrspieler-Modus, in dem nicht nur klassische Dogfights auf dem Programm stehen, sondern auch verschiedene Teamaufgaben. Mal müssen Kontrollpunkte gehalten werden, an anderer Stelle gilt es, wertvolle Fracht einzusammeln und sicher zur eigenen Basis zurückzubringen. Diese kleinen Variationen sorgen dafür, dass sich die Partien angenehm voneinander unterscheiden. Der Umfang fällt mit nur drei Karten zwar etwas überschaubar aus, für eine schnelle Runde zwischendurch eignet sich der Modus aber selbst mit Bots hervorragend. Ein dauerhaftes Online-Highlight wird daraus vermutlich nicht, als nette Dreingabe funktioniert er aber allemal.

Viel Sonne also im Lylat-System – es gibt aber auch Schatten. So stehen wir der Steuerung nach mehreren Durchgängen etwas zwiegespalten gegenüber. Grundsätzlich spielt sich Star Fox angenehm direkt und vermittelt ein tolles Geschwindigkeitsgefühl. Und doch fühlen sich präzise Zielmanöver gelegentlich etwas schwammiger an als im Original, was vor allem in hektischen Bosskämpfen oder beim Versuch auffällt, kleine Schwachstellen ins Visier zu nehmen.

Auch die neue Mausfunktion der Joy-Con schafft hier keine endgültige Abhilfe. Zwar funktioniert das präzisere Zielen grundsätzlich gut, allerdings zwingt sie gleichzeitig in die ansonsten optionale Cockpitperspektive und fühlt sich auch nach längerer Spielzeit so ungewohnt an, dass wir letztlich doch wieder zur klassischen Steuerung zurückgekehrt sind.

Grafik und Sound

Den größten Qualitätssprung macht Star Fox erwartungsgemäß bei seiner Präsentation. Während das Original heute vor allem nostalgischen Charme versprüht, präsentiert sich das Remake als rundum modernisiertes Actionspiel, das die Möglichkeiten der Switch 2 eindrucksvoll ausnutzt.

Bereits der erste Anflug auf Corneria macht deutlich, wie viel Arbeit in die Neuauflage geflossen ist. Wo früher dichte Nebelschwaden technische Einschränkungen kaschierten, eröffnet sich nun ein beeindruckender Blick über Küstenlandschaften, Städte und weit entfernte Gebirge. Wenige Augenblicke später rast man bereits durch zerstörte Straßenzüge, während Rauchschwaden, Explosionen und unzählige Lasersalven den Himmel erhellen. Das vermittelt die Dimension des tobenden Krieges deutlich besser als früher.

Jeder Planet besitzt dabei seinen ganz eigenen Charakter. Die eisigen Landschaften von Fichina unterscheiden sich optisch ebenso klar von den glühenden Lavafeldern auf Solar wie von den dunklen Tiefen des Wasserplaneten Aquas oder den riesigen Asteroidenfeldern im offenen Weltraum. Farben, Lichtstimmung und Effekte machen jede Mission zu einem individuellen visuellen Erlebnis.

Besonders beeindrucken dabei die zahlreichen Lichteffekte. Laser spiegeln sich auf Metalloberflächen, Explosionen tauchen ganze Schlachtfelder in grelles Orange und herumfliegende Partikel verleihen den Gefechten zusätzliche Dynamik. Gleichzeitig bleibt das Geschehen trotz der deutlich höheren Detailfülle jederzeit angenehm übersichtlich und vor allem auch flüssig. Das Spiel läuft durchgehend flüssig mit 60 Bildern pro Sekunde und profitiert gerade bei den schnellen Flugmanövern enorm von dieser konstant hohen Bildrate.

Der orchestrale Soundtrack unterstreicht die bombastischen Inszenierung perfekt. Bekannte Melodien wurden modern arrangiert und gewinnen dadurch hörbar an Dynamik, ohne ihren Wiedererkennungswert einzubüßen. Insbesondere die großen Bosskämpfe erhalten dadurch eine cineastische Ebene, die sicherlich nicht zufällig immer wieder an die großen Inspirationsquellen von der Kinoleinwand erinnert.

Fazit

Star Fox auf der Nintendo Switch 2 ist keine mutige Neuerfindung der Serie und auch kein Remake, das das Original grundlegend modernisiert. Nintendo setzt stattdessen lieber auf maximale Werktreue bei gleichzeitig maximaler technischer Aufwertung – und trifft damit voll ins Schwarze.

Audiovisuell zündet das Remake ein wahres Effektfeuerwerk. Detailreiche Planeten, spektakuläre Licht- und HDR-Effekte, aufwendig inszenierte Zwischensequenzen und der bombastische Orchestersoundtrack lassen das Lylat-System endlich so imposant wirken, wie man es sich vor 30 Jahren kaum hätte erträumen können.

Doch auch spielerisch hat der Klassiker kaum etwas von seinem Reiz verloren. Das schnelle Arcade-Gameplay, alternative Routen, Medaillen und freischaltbare Herausforderungen sorgen für einen enormen Wiederspielwert. Gleichzeitig schimmert das Alter der Vorlage immer wieder durch: Die Kampagne fällt vergleichsweise kurz aus, einige Missionen wirken heute etwas antiquiert und größere spielerische Neuerungen bleiben aus.

Wer das Original liebt, bekommt aber auf jeden Fall die mit Abstand schönste und beste Version dieses Klassikers. Neueinsteiger sollten sich lediglich bewusst sein, dass sich hinter der modernen Optik kein zeitgenössischer Action-Blockbuster verbirgt, sondern ein klassischer Rail Shooter alter Schule – einer allerdings, der eindrucksvoll beweist, wie zeitlos gutes Spieldesign sein kann.

Star Fox ist exklusiv für Nintendo Switch 2 erhältlich.