Ein umgestürzter Ast blockiert den Weg, ein Besucher hat sich verlaufen und irgendwo in der Weite des Parks gibt es immer etwas zu reparieren. „Ranger’s Path: National Park Simulator“ versucht sich nicht an System-Overkill, Wirtschaftskreisläufen oder Inszenierungs-Bombast, sondern präsentiert sich als bodenständiger Blick auf den Alltag eines Park Rangers – zumindest in der idealisierten Videospielvariante.

Wie sich schon in den ersten Spielminuten unseres Hands-On der Early-Access-Fassung zeigt, steht hier statt komplexem Aufbau die direkte Arbeit vor Ort im Mittelpunkt. Der Faremont National Park ist bereits vorhanden, nur eben etwas verwahrlost.

Der Alltag unseres digitalen Park Rangers folgt einer klaren Struktur. Aufträge kommen per Funk rein, werden abgearbeitet und bringen Erfahrungspunkte, die wiederum neue Aufgaben freischalten. Zu unserem Job gehört es beispielsweise, mit einem überschaubaren Set an Werkzeugen und den dazugehörigen Mini-Spielen Wege freizuräumen, Schilder zu reparieren und Wanderwege instand zu setzen, um weitere Gebiete auf der Karte freizuschalten.

Ebenso gilt es, herumliegenden Müll einzusammeln und Besucher zu betreuen beziehungsweise deren Eintrittskarten auf ihre Gültigkeit zu kontrollieren. Ob wir es im Falle eines Verstoßes bei einer mündlichen Verwarnung belassen oder die Person des Parks verweisen, bleibt uns überlassen. Einen spürbaren Unterschied für den Spielablauf scheint das jedoch nicht zu machen. Selbst rausgeschmissene Besucher bleiben höflich, Bußgelder werden nicht weiter nachverfolgt.

Auch kleinere Einsätze wie die Suche nach vermissten Wanderern stehen auf dem Programm. Zudem nimmt die Beobachtung der Fauna einen großen Teil der Spielzeit ein. Tiere lassen sich mit der Kamera fotografieren und in einem Lexikon festhalten, was dem Spiel einen ruhigen Sammelcharakter verleiht. Beobachten wir zusätzlich ihr Verhalten, wächst unser Wissen über die jeweiligen Arten, das sich später auch an Infotafeln an die Besucher des Parks weitergeben lässt.

Diese Mechanik passt gut zum grundsätzlichen Tempo des Spiels, das bewusst entschleunigt wirkt. Statt Druck oder Zeitlimits steht die Atmosphäre im Vordergrund. Naturgeräusche, wechselnde Lichtstimmungen und weitläufige Landschaften erzeugen dabei ein angenehm ruhiges Gesamtbild.

Zwischen Pflichtaufgaben und weiter Landschaft

Die Bandbreite der Tätigkeiten wirkt zunächst solide und abwechslungsreich, zeigt aber auch schnell ihre Grenzen. Viele Aufgaben ähneln sich stark, sodass sich nach einigen Stunden ein spürbarer Rhythmus und eine gewisse Monotonie einstellt.

Bei der Stange hält vor allem der Faremont National Park selbst. Die Karte ist weitläufig, verschiedene Biome sorgen für visuelle Abwechslung und vermitteln ein gutes Gefühl für Größe und Distanz. Ohne Fahrzeug wäre das allerdings schnell ermüdend, weshalb der Ranger-Pickup weit mehr als nur ein nettes Extra ist. Und sollte man sich einmal festfahren, landet man auf Knopfdruck wieder auf der Straße.

Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass das Spiel aktuell noch stärker über seine Stimmung funktioniert als über seine inszenatorische und spielerische Tiefe. Die Tierwelt ist mit derzeit einem Dutzend Arten noch überschaubar, Interaktionen bleiben simpel und viele Systeme wirken eher wie ein Fundament für spätere Erweiterungen.

Dass „Ranger’s Path“ noch im Early Access steckt, wird zudem an kleineren technischen Problemen und vereinzelten Bugs deutlich. Auch grafisch ist hier noch Luft nach oben. Während die Landschaften überzeugen, wirken Figuren und Animationen nicht unbedingt zeitgemäß.

Trotzdem ist die grundsätzliche Richtung klar erkennbar. „Ranger’s Path: National Park Simulator“ will kein hektischer Simulator sein, sondern eine ruhige, fast schon meditative Spielerfahrung rund um Natur und Verantwortung. Und in seinen Ansätzen funktioniert das bereits.

Die entscheidende Frage ist weniger, ob das Konzept trägt, sondern wie viel Substanz in den kommenden Monaten dazukommt. Denn aktuell lebt das Spiel vor allem von seiner Idee – und die braucht auf Dauer mehr als nur schöne Landschaften und wiederkehrende Aufgaben.

Ranger’s Path: National Park Simulator ist auf Steam sowie im Epic Games Store im Early Access verfügbar.