Nachdem wir im Zuge eines ersten Hands-On die eine oder andere Niederlage einstecken mussten, hatten wir in der Vollversion von Monster Hunter Wilds nun endlich die Gelegenheit, offene Rechnungen zu begleichen. Ob es uns diesmal gelungen ist, Doshaguma, Uth Duna, Lala Barina und Co. die Haut über die Ohren zu ziehen, und was wir in den verlorenen Landen sonst noch so erlebt haben, verrät euch unser Test.

Hirabami, Chatacabra oder Rey Dau – was sich hier zunächst liest wie die Speisekarte eines exklusiven asiatischen Restaurants, beschreibt nur einen Bruchteil der monströsen Fauna einer bislang unerforschten Welt im neuen Monster Hunter Wilds.

Fans der traditionsreichen und immens populären Spielreihe wissen natürlich schon, was auf sie zukommt, und freuen sich bereits auf frische Beute. Doch auch Jägerfrischlinge möchte der neueste Serieneintrag mit einem stärkeren Fokus auf die Story und diversen Anpassungen in Sachen Gameplay abholen.

Für alle Neulinge: Bei Monster Hunter Wilds handelt es sich um eine Jagdsimulation im Gewand eines Action-Rollenspiels, die uns in einer fiktiven Welt irgendwo zwischen Fantasy und Post-Apokalypse gegen ein ganzes Ökosystem voller Monster unterschiedlicher Größenordnungen ins Feld führt – mal klauenbewehrt, mal giftspritzend, meistens bissig und generell gefährlich.

Da wir uns dazu in den Lebensraum der Biester wagen und jedes einzelne davon eine Art Bosskampf darstellt, bedarf es einer guten Vorbereitung, der Kenntnis der Stärken und Schwächen des Feindes und nicht zuletzt zuverlässiger Kameraden. Zwar lässt sich Monster Hunter Wilds auch komplett solo durchspielen, einfacher und vor allem auch unterhaltsamer wird es aber natürlich im Jagdverbund mit bis zu drei Online-Kollegen.

Da während unseres Testzeitraums die Server noch nicht vollumfänglich zur Verfügung standen, beschränkten wir uns zunächst auf die Singleplayer-Erfahrung und ließen uns von NPC-Kollegen aushelfen. Damit haben wir zwar lediglich am Spielspaß-Eisberg gekratzt, dass das neue Monster Hunter aber auch so schon verdammt viel Laune macht, spricht sehr für das Gesamterlebnis.

Inhaltlich dreht sich diesmal alles um das sogenannte Verbotene Land, eine bislang unerforschte Region, die zuvor als unbewohnt galt. Als unser Expeditionstrupp an der Grenze zu dieser wilden Region einen geflüchteten Jungen namens Nata aufgabelt, zeigt sich jedoch, dass die Jägergilde die Lage falsch eingeschätzt hat. Nicht nur werden die Verbotenen Lande von mehreren Völkern bewohnt, auch treibt dort eine mysteriöse Bestie ihr Unwesen, welche die Einheimischen nur furchtsam den „Weißen Geist“ nennen.

Auch Natas Heimat fiel dem Ungeheuer zum Opfer, weshalb sich die Gilde seiner annimmt und einen Vorstoß ins Verbotene Land wagt, um die dortigen Ereignisse zu untersuchen und Nata wieder nach Hause zu bringen. Und natürlich auch, um ebenso neue wie altbekannte Monster zu jagen und zu besserer Ausrüstung zu verarbeiten. Was man bei der Jägergilde halt so treibt.

Das Abenteuer beginnt in einer sonnengegerbten und staubigen Savanne im Randgebiet, führt uns im Laufe der Story aber auch durch sattgrüne Regenwälder, in von Lavaströmen durchsetzte Höhlen oder über schneegepeitschte Berge. Insgesamt soll die Spielwelt doppelt so groß sein wie jene der Vorgänger und verspricht entsprechend viel optische Abwechslung. Eine zusammenhängende Open-World gibt es hier jedoch nicht, die Spielwelt bleibt gemäß der Serientradition abermals segmentiert.

Bevor es losgeht, stellen wir in einem umfangreichen Charaktereditor unseren Wunschjäger und auch seinen mittlerweile obligatorischen Palico zusammen. Gemeint ist ein katzenhaftes Wesen auf zwei Beinen, welches uns bei Bedarf nicht nur tatkräftig im Kampf unterstützt, sondern auch wie ein Caddy beim Golf unsere Ausrüstung schleppt.

Im Zuge einer dynamischen Auftaktsequenz lernen wir dann auch gleich unseren nächsten tierischen Kumpel kennen, der gleichzeitig die wohl wichtigste Änderung in Sachen Gameplay darstellt: unseren Saikrii. Ähnlich wie bei den Chocobos aus der Final-Fantasy-Reihe handelt es sich dabei um Reittiere, die uns flinken Fußes durchs Spiel tragen.

Mit Blick auf die riesige und teils auch sehr verwinkelte Spielwelt spart das immens viel Zeit und Nerven. Vor allem auch, weil wir unser Saikrii anweisen können, den Weg zum nächsten Ziel automatisch zu suchen, während wir nebenbei mit unserer Hakenschleuder gemütlich Ressourcen aus der Umgebung angeln. Diese werden auf Wunsch in unserem Beutel automatisch zu Tränken, Fallen oder auch spezieller Munition umgewandelt, die im Kampf mitunter das Zünglein an der Waage darstellen.

Da die sympathischen Saikriis zudem auch erstaunlich gute Kletterer sind und über eine gewisse Distanz hinweg mit ihren ausgebreiteten Stummelflügeln sogar schweben können, sind uns die Dino-Chocobos recht schnell ans Herz gewachsen. Sehr für die Laufvögel spricht, dass wir sie auch im Kampf zu uns rufen können, um kurzerhand zu flüchten, die Klinge zu schärfen oder auch die Waffe zu wechseln.

Damit sind wir im Feld nicht mehr nur auf ein Jagdwerkzeug beschränkt, sondern können bei Bedarf unsere Strategie anpassen. Sinnvoll ist dabei natürlich eine Mischung aus Nah- und Fernkampfarsenal, sodass wir uns neben der zuverlässigen Schwert-Schild-Kombination für den Bogen als Zweitwaffe entschieden haben. Nicht originell, aber effektiv.

Insgesamt stehen 14 verschiedene Waffen zur Verfügung, die mit jeweils unterschiedlichen Kampfmechaniken und Combo-Möglichkeiten aufwarten. Sich im Trainingsbereich einzuarbeiten lohnt sich, da die Klingen, Hämmer oder Kanonen vollkommen unterschiedliche Jagdtaktiken mit sich bringen und ihre wahren Qualitäten erst mit zunehmender Erfahrung im Umgang offenbaren.

Da man zum Wechseln erst umständlich auf das Saikrii steigen muss, lassen die Macher jedoch viel Potenzial liegen. Wäre stets ein fließender Wechsel möglich, hätte das den taktischen Spielraum und den Impact gezielter Angriffsfolgen noch einmal drastisch erhöht. Man stelle sich nur einmal vor, was in direkter Kombination an Combo-Varianten möglich wäre.

Dass wir aber stets erst einmal aufsitzen müssen, nimmt den Schwung aus der Sache und separiert die Waffengattungen am Ende dann doch wieder. Den Gedanken der dualen Bewaffnung im Feld hätten die Macher gerne noch weiterdenken können.

Dass unser Saikrii angeschlagenen Monstern automatisch folgt, begrüßen wir hingegen sehr. Alte Hasen wissen: Die langatmigen Kämpfe werden selten in einer Runde ausgetragen. Hat unsere Beute zu viel Schaden eingesteckt, versucht sie zu flüchten, um sich zu erholen. Nur wenn wir konsequent nachsetzen, verhindern wir, dass das Biest womöglich entkommt.

Neben unseren beiden Waffen bedienen wir uns im Kampf diverser Hilfsmittel wie Fassbomben, Blendfallen oder auch unserer Hakenschleuder, mit der wir uns interaktive Umgebungselemente zu nutzen machen. So lassen wir etwa einen Haufen Steine auf unsere Widersacher herabregnen, verstricken sie gezielt in Efeuranken oder aktivieren auch mal den Stampfer einer gigantischen Maschine.

Direkt am Monster, ergänzt der neue Fokusmodus unser Angriffsrepertoire, dank dem wir Körperteile gezielt ins Visier nehmen. Sind diese ausreichend in Mitleidenschaft gezogen, werden sie im Fokusmodus als leuchtende Schwachstelle markiert, welcher wir mit einem für jede Waffengattung eigens animierten Fokusangriff eine Extraportion Schaden zufügen. Erscheint ein Feind im ersten Moment also zu groß, kann man sich Stück für Stück durch die einzelnen Gliedmaßen und Körperteile hacken, um das Biest sukzessive zu schwächen. Wohl dem also, der die Angriffsmuster und Verhaltensweisen seines Feindes kennt.

Ist das Monster gefällt, weiden wir es aus, um uns mit den erbeuteten Materialien und dem verdienten Geld neue Waffen und Rüstungsteile zu schmieden, die nicht nur unterschiedlich aussehen, sondern auch diverse Werteverbesserungen und Boni mit sich bringen. Und natürlich wollen wir das Fleisch nicht vergessen, aus welchem wir mit unserem tragbaren Grill eine stärkende Mahlzeit zaubern. Alternativ lassen wir uns im Lager mit Rationen versorgen, oder köcheln gesammelte Zutaten nach Rezept oder frei Schnauze über dem Lagerfeuer zu komplexen Mahlzeiten, die nützliche Buffs mit sich bringen.

Und so entsteht alsbald die für die Monster-Hunter-Reihe so typische Motivationsspirale aus Jagd und Belohnung, die es uns mit immer größeren und gefährlicheren Apex-Gegnern aufnehmen lässt, die später sogar in einer speziellen gehärteten Variante auftauchen. Mal stellen wir uns krötenartigen Bestien mit langen Zungen, dann wieder einem Affen mit giftigen Blähungen, später kommt sogar erstmals ein gigantischer Oktopode hinzu. Die Gegnerriege ist in Monster Hunter Wilds so groß und divers wie noch nie. Und keine Sorge: Auch an imposanten Drachen-Kreaturen mangelt es nicht.

Während sich die Hauptstory auch ohne Grind ganz gut bewältigen lässt, wissen alte Hasen natürlich, dass das Spiel nach dem Abspann erst so richtig losgeht. Im Endgame erwarten uns mit den High-Rank-Missionen besonders knifflige, aber auch entsprechend lohnenswerte Jagden zu besonderen Konditionen. Aber wir wollen an dieser Stelle natürlich nicht zu viel verraten.

Kein Geheimnis ist indes, dass Monster Hunter Wilds ein Füllhorn an taktischen Möglichkeiten über den Spieler ausschüttet, die in ihrer Gänze viele Anpassungsmöglichkeiten für erfahrene Jäger bieten. Für Anfänger könnte sich die überladene und wenig intuitive Steuerung jedoch als Stock zwischen den Beinen erweisen.

Dazu passt, dass sich auch die Benutzeroberfläche unübersichtlicher gibt, als sie sein müsste. Bis man all die verschiedenen Systeme und Möglichkeiten verinnerlicht hat, bedarf es von daher so einiges an Einarbeitungszeit.

In technischer Hinsicht macht Monster Hunter Wilds in der von uns getesteten PS5-Version eine gute Figur und brilliert vor allem in den aufwändig in Szene gesetzten Zwischensequenzen. Auch die verschiedenen Umgebungen sind detailliert in Szene gesetzt, lassen es für unseren Geschmack jedoch etwas an Plastizität missen. Erst recht, wenn man im auflösungsreduzierten Leistungsmodus zockt, der dafür aber wiederum ein geschmeidiges Spielerlebnis mit 60 Bildern pro Sekunde ermöglicht. Ein entsprechendes TV-Gerät vorausgesetzt, sind sogar bis zu 120 fps drin.

Störend fällt auf, dass einige Texturen erst spät nachladen und wir zuweilen in einem Pixelbrei stehen. Sehr gut gefallen uns dafür die dramatischen Wetterumschwünge, die pompöse und stets stimmige Musikuntermalung und auch die fein ausgearbeiteten Charaktermodelle. Doch selbst die können nicht mit den wahren Stars des Spiels mithalten: den Monstern.

Als großes Aushängeschild der Reihe sind diese auch diesmal beeindruckend realistisch animiert und gefallen mit einer enormen Bandbreite an Verhaltensweisen, die sich sogar je nach Wetterbedingung spontan ändern können. Wir haben uns dabei ertappt, so manch geplanten Angriff gezielt herauszuzögern, nur um unsere Beute noch ein wenig in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten zu können.

Denn auch in unserer Abwesenheit folgen die Monster ihrem Instinkt, gehen jagen oder geraten sogar in Revierkämpfe mit anderen Bewohnern ihres Lebensraumes. Ein Umstand, den sich findige Jäger übrigens gezielt zunutze machen.

Und so fühlen wir uns immer mal wieder wie eine invasive Art in dieser lebendigen Welt und durchaus auch etwas unwohl, wenn wir etwa einen Ehrfurcht gebietenden Rey Dau erlegen, nur um uns aus seiner schuppigen Haut eine Mütze zu schneidern. Auch wenn dies der Jägergilde zufolge natürlich alles nur dem ökologischen Gleichgewicht dient …

Fazit:

Monster Hunter Wilds hat nicht nur viele äußerst imposante neue Kreaturen an Bord, die diesmal so abwechslungsreich und divers daherkommen wie noch nie. Auch in Sachen Gameplay gibt es einen Schwung neuer Features, die das Jagderlebnis nun deutlich zugänglicher und dynamischer gestalten. Insbesondere das agile Saikrii erleichtert die langatmigen Kämpfe in den ausladenden und verwinkelten Spielgebieten enorm.

Alte Hasen müssen aber nicht um den traditionellen Anspruch bangen. Denn auch wenn Anfänger im Rahmen der zweckmäßigen Story rasch Jagderfolge erzielen, sind Lernwillen, eine gute Vorbereitung und vor allem auch eine gehörige Prise Geduld abermals unabdingbar, um im End-Game die wirklich dicken Brocken zu fällen. An taktischen und spielerischen Möglichkeiten mangelt es jedenfalls nicht, auch wenn dies mit einer überladenen Steuerung und unübersichtlichen Menüs einhergeht.

Umso größer ist nach dem Erlegen der Beute dann aber das Gefühl der Belohnung. Die stets hart erarbeitete Progression setzt alsbald eine Motivationsspirale in Gang, der man sich nur schwer entziehen kann. Habt ihr idealerweise dann auch noch einen fähigen Trupp Online-Kumpel an der Hand, könnt ihr euch schon mal auf Spielspaß-Stunden im locker dreistelligen Bereich vorbereiten.

Diese verbringt ihr in einer technisch sauber inszenierten und äußerst abwechslungsreichen Spielwelt, deren Ökologie mit all ihren Bewohnern und den teils dramatischen Wettereffekten beeindruckend lebendig daherkommt. Alles in allem ist Monster Hunter Wilds damit nicht nur ein würdiger Nachfolger, sondern auch einer der besten Serienteile überhaupt.

Monster Hunter Wilds ist ab dem 28. Februar 2025 für PlayStation 5, Xbox Series und Microsoft Windows erhältlich.