Fünf Jahre nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung und einem Cloud-Ausflug auf die erste Switch erscheint Marvel’s Guardians of the Galaxy mit der Encore Edition erstmals nativ auf einer Nintendo-Konsole.
Und wir nehmen es einfach mal vorweg: Auf der Switch 2 hat das Action-Adventure kaum etwas von seiner Faszination verloren, was allerdings weniger am eigentlichen Gameplay liegt als an einer außergewöhnlich lebendigen Heldentruppe, die selbst aktuelle Spiele noch ziemlich alt aussehen lässt.

Darum geht’s
Mit Ruhm und Reichtum ist es bei den Guardians of the Galaxy zunächst nicht weit her. Peter Quill alias Star-Lord, Gamora, Drax, Rocket und Groot versuchen vor allem, irgendwie über die Runden zu kommen. Als ein vermeintlich lukrativer Auftrag in einer verbotenen Quarantänezone schiefgeht, sitzt die chaotische Truppe plötzlich auf einer saftigen Geldstrafe der Nova Corps. Der Versuch, die Schulden zu begleichen, verstrickt sie schließlich in ein Abenteuer, bei dem nicht weniger als das Schicksal der Galaxie auf dem Spiel steht.
Dabei orientiert sich das Spiel zwar an den bekannten Marvel-Figuren, erzählt aber eine eigenständige Geschichte, für die keine wesentlichen Vorkenntnisse erforderlich sind. Wer mit den Filmen vertraut ist, wird sich schnell zurechtfinden. Wer bislang wenig mit Marvel am Hut hatte, bekommt dennoch eine in sich geschlossene und hervorragend erzählte Geschichte geboten.
Einer für alle
Wir steuern ausschließlich Peter Quill, der als selbst ernannter Anführer versucht, die Mannschaft zusammenzuhalten. Die übrigen Teammitglieder begleiten – und kommentieren – ihn auf Schritt und Tritt, kämpfen eigenständig und leisten auf Kommando Unterstützung. Das Spielgeschehen selbst besteht aus einer Mischung aus Erkundung, kleineren Rätseln, Dialogentscheidungen und actionreichen Kämpfen. Dabei führt uns das Abenteuer durch überwiegend lineare Level. Gelegentliche Abzweigungen belohnen neugierige Entdecker jedoch mit Ressourcen, versteckten Outfits oder zusätzlichen Informationen zur Spielwelt.

Um Hindernisse zu überwinden, müssen wir regelmäßig die Fähigkeiten unserer Begleiter einsetzen. Groot erschafft beispielsweise Pflanzenbrücken, Rocket manipuliert technische Vorrichtungen, während Gamora und Drax mit Schwert und Muskeln neue Wege erschließen. Anspruchsvoll fallen diese Umgebungsrätsel allerdings selten aus. Meist ist schnell klar, welcher Guardian gerade gebraucht wird.
Auch die Kämpfe setzen auf Zusammenarbeit. Während wir Peter direkt steuern, seine Blaster abfeuern und mit den Jet-Stiefeln durch die Arenen manövrieren, greifen die übrigen Guardians selbstständig an. Auf Knopfdruck verlangsamen wir die Zeit, um ihnen gezielte Befehle zu erteilen. Für jeden Begleiter lassen sich bis zu vier Spezialattacken freischalten, die sich in ihrer Wirkung teils deutlich unterscheiden.
Das eröffnet durchaus taktische Möglichkeiten: Groot hält Gegner mit Wurzeln fest, Rocket richtet Flächenschaden an, Gamora attackiert einzelne Widersacher und Drax bringt besonders große Gegner ins Taumeln. Peters Elementarschüsse wiederum helfen dabei, Schilde zu durchbrechen oder Schwachstellen auszunutzen.

In der Praxis schöpft das Kampfsystem dieses Potenzial allerdings nur bedingt aus. Häufig genügt es, die stärksten verfügbaren Fähigkeiten einzusetzen und auf das Ende ihrer Abklingzeiten zu warten. Die Gefechte gestalten sich mit der Zeit daher recht formelhaft und werden gegen größere Gegnergruppen gerne auch mal chaotisch.
Eine besonders charmante Idee ist dagegen der sogenannte Huddle. Dabei ruft Peter seine Mannschaft mitten im Gefecht zu einer Motivationsrunde zusammen. Aus den Aussagen seiner Mitstreiter müssen wir die Stimmung herauslesen und die passende Ansprache wählen. Gelingt das, erhält das gesamte Team einen Kampfbonus.
Das eigentliche Highlight folgt aber danach: Sobald sich die Guardians wieder ins Getümmel stürzen, setzt ein zufälliger Song aus Peters 80er-Playlist ein und verwandelt die nächste Prügelei in ein herrlich absurdes Musikvideo. Ob dabei nun der persönliche Lieblingssong läuft oder ausgerechnet Wham! die außerirdische Keilerei begleitet, spielt kaum eine Rolle. Unterhaltsam ist das Spektakel praktisch immer.

Dialog-Dauerfeuer
So richtig außergewöhnlich wird Marvel’s Guardians of the Galaxy allerdings erst abseits der Kämpfe. Denn während andere Action-Adventures ihre Figuren vor allem in Zwischensequenzen charakterisieren, lässt dieses Spiel seine Mannschaft praktisch ununterbrochen miteinander reden. Was dabei herauskommt, gehört auch fünf Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung zum Besten, was das Genre hinsichtlich Dialogen und Charakterzeichnung zu bieten hat.
Besonders beeindruckend ist, wie aufmerksam die Begleiter auf unser Verhalten reagieren. Verlässt Peter beispielsweise den vorgesehenen Weg, wird das nicht selten mit einer spöttischen Bemerkung quittiert. Statt ständig dieselben Standardsprüche abzuspulen, berücksichtigen viele Kommentare die konkrete Situation oder den bisherigen Gesprächsverlauf. Davon profitieren selbst die mitunter etwas gestreckten Erkundungspassagen, die uns deshalb häufig sogar mehr Spaß bereiten als die eigentlichen Kämpfe.
Bemerkenswert ist, dass die Figuren trotz ihrer zahlreichen Macken niemals zu bloßen Witzfiguren verkommen. Hinter den ständigen Sticheleien verbergen sich glaubwürdige Konflikte, persönliche Verletzungen und eine langsam wachsende Freundschaft. Uns gefallen die digitalen Guardians damit sogar besser als ihre MCU-Pendants.

Starke Portierung
Schluss mit Cloud-Gaming: Die Encore Edition läuft nun direkt auf der Switch 2 – und das unerwartet gut. Abwechslungsreiche Schauplätze, aufwendige Lichteffekte und vor allem ausdrucksstarke Charaktermodelle hinterlassen auf der Hybridkonsole einen hervorragenden Eindruck. Natürlich erreicht das Spiel nicht ganz die grafische Qualität einer PlayStation 5 oder Xbox Series X, doch das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.
Im TV-Betrieb stehen zwei Grafikmodi zur Auswahl. Der Qualitätsmodus peilt bei 1440p eine Bildrate von 30 Bildern pro Sekunde an. Der Performance-Modus reduziert die Auflösung auf 1080p und zielt auf 40 Bilder pro Sekunde ab, setzt dafür allerdings einen Fernseher mit 120-Hz-Unterstützung voraus. Wer keinen entsprechenden Fernseher besitzt, verpasst aber nicht allzu viel. Denn die höhere Bildrate ist zwar durchaus spürbar, geht jedoch zulasten der Details. Insbesondere entfernte Texturen werden matschig, gelegentlich fallen unschöne Treppeneffekte auf und das Gesamtbild verliert an Opulenz.

Wir würden deshalb ausnahmsweise zum Qualitätsmodus raten. Guardians of the Galaxy lebt nicht zuletzt von seiner Inszenierung und verlangt keine blitzschnellen Reaktionen. Die 30 Bilder pro Sekunde reichen für ein weitgehend angenehmes Spielerlebnis aus und lassen die beeindruckende Spielwelt besser zur Geltung kommen.
Mitunter stößt die Hardware dennoch an ihre Grenzen. Vor allem auf dem belebten Markt von Knowhere oder bei einer turbulenten Flucht durch ein gigantisches Raumschiff gerät die Bildrate zeitweise ins Stottern. Kurze Aussetzer treten auch in manchen Zwischenszenen und beim automatischen Speichern auf. Nach einem Bildschirmtod nerven zudem längere Ladezeiten. Schwerwiegende Fehler oder Abstürze blieben dagegen aus.

Unterwegs beinahe noch schöner
Besonders angetan hat es uns der Handheld-Modus. Die hohe wahrgenommene Bildschärfe und die detaillierten Figuren sorgen dafür, dass die mobile Darstellung subjektiv näher an die großen Konsolenfassungen heranrückt als das Bild auf einem Fernseher. Es ist schlicht eine echte Schau, ein derart aufwendig inszeniertes Abenteuer unterwegs spielen zu können. Auf unterschiedliche Grafikmodi wird dabei verzichtet, was angesichts des überzeugenden Gesamteindrucks kaum stört.
Weniger überzeugt sind wir von den zusätzlichen Steuerungsmöglichkeiten. Die Encore Edition unterstützt die Mausfunktion der Joy-Con 2 sowie Gyroskopsteuerung für bestimmte Spielsituationen – und beides erwies sich als verzichtbare Spielerei. Bei der Maussteuerung bleibt die Scan-Funktion auf dem Druckpunkt des rechten Analogsticks, der sich in der entsprechenden Griffhaltung nur umständlich erreichen lässt, während die Bewegungssteuerung vor allem im Handheld-Modus wenig praktikabel erscheint. Wir blieben deshalb lieber bei der herkömmlichen Steuerung.

Sound und Extras
Akustisch spielt Marvel’s Guardians of the Galaxy weiterhin in einer eigenen Liga. Der großartige Soundtrack mit zahlreichen Hits der Achtzigerjahre verleiht dem Abenteuer eine unverwechselbare Atmosphäre. Mindestens ebenso treffsicher fällt die deutsche Synchronisation aus. Die hervorragenden Sprecher verleihen den Dialogen genau die richtige Mischung aus Witz, Persönlichkeit und Gefühl.
Die Encore Edition ergänzt die bereits veröffentlichten Bonuskostüme um ein neues Glam-Rock-Set. Die schrillen Verkleidungen passen zum überdrehten Humor des Spiels – wir bevorzugen allerdings die gelungenen Standarddesigns der Guardians.

Fazit
Marvel’s Guardians of the Galaxy ist eine Perle mit Kratzern, die zur Zeit ihrer Erstveröffentlichung völlig zu Unrecht am Markt unterging. Wer dieses außergewöhnlich unterhaltsame Abenteuer bislang verpasst hat, bekommt mit der Encore Edition nun die ideale Gelegenheit, sich selbst davon zu überzeugen, dass diese Guardians-Interpretation ihre Kino-Pendants locker an die Wand spielt.
Keine Frage: Die Kämpfe fallen schematisch aus, die Level verlaufen geradlinig und die Rätsel bieten wenig Anspruch. Dafür glänzt das Spiel mit einer wunderbar chaotischen Heldentruppe, großartig geschriebenen Dialogen, treffsicherem Humor und einer derart lebendigen Gruppendynamik, dass selbst vermeintlich belanglose Laufwege nie langweilig werden.
Erfreulicherweise muss die Switch-2-Fassung nur wenige Federn lassen, insbesondere im Handheld-Modus. Am Fernseher werden die Hardwaregrenzen deutlicher sichtbar, doch auch dort bleibt viel von der grafischen Opulenz erhalten. Kleinere Ruckler und längere Ladezeiten trüben den positiven Gesamteindruck nur geringfügig. Und dass die zusätzlichen Steuerungsmöglichkeiten lediglich eine nette Dreingabe sind, die wir nach kurzem Ausprobieren nicht weiter genutzt haben – geschenkt.
Viel wichtiger ist, dass wir auch beim erneuten Durchspielen immer noch häufiger lachen mussten als bei allen anderen Games aus unserem persönlichen Spielejahr zusammen. Mit diesen Guardians würden wir jederzeit wieder die Galaxie retten. Selbst wenn dabei Wham! läuft.
Marvel’s Guardians of the Galaxy: Encore Edition erscheint am 5. November 2026 exklusiv für Nintendo Switch 2. Das Originalspiel ist bereits für PC, PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One und Xbox Series X|S sowie als Cloud-Version für Nintendo Switch erhältlich.
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