Während LEGO Batman: Das Vermächtnis des Dunklen Ritters bereits im Mai für PlayStation 5, Xbox Series und PC erschienen ist, hat sich TT Games für die Umsetzung auf Nintendos Hybridkonsole ein paar zusätzliche Monate Zeit genommen. Seit dem 18. September dürfen aber endlich auch Switch-2-Spieler mit Batman durch Klötzchen-Gotham ziehen, und wie sich zeigt, hat sich das Warten gelohnt.
Das neue LEGO Batman gehört spielerisch zu den ambitionierteren Titeln von TT Games und präsentiert mit seinem frei erkundbaren Gotham eine große und vor allem aufwendig inszenierte Spielwelt. Schon auf der PlayStation 5 haben uns die regennassen Straßen, Neonlichter und zahlreichen bekannten Schauplätze ausgesprochen gut gefallen. Dazu gesellen sich ein stark von der Arkham-Reihe inspiriertes Kampfsystem, zahlreiche Rätsel und Nebenbeschäftigungen sowie eine Geschichte, die sich humorvoll mehrerer Jahrzehnte Batman-Historie annimmt.
Entsprechend neugierig waren wir, wie viel von diesem Erlebnis auf der Switch 2 übrig bleibt. Die erfreuliche Antwort: nahezu alles. Zwar muss die Nintendo-Fassung einige technisch durchaus sichtbare Kompromisse eingehen, grundsätzlich ist die Umsetzung aber überzeugend gelungen. Und dass man ein derart umfangreiches Gotham nun einfach im Rucksack überall mitnehmen kann, ist ganz einfach cool.

Ein Best-of aus fast 90 Jahren Batman
Am eigentlichen Abenteuer hat sich gegenüber den bereits erhältlichen Versionen nichts geändert. LEGO Batman erzählt keine bestimmte Comic-, Film- oder Spielvorlage nach, sondern baut aus zahlreichen bekannten Interpretationen des Dunklen Ritters seine eigene Geschichte. Los geht es mit dem jungen Bruce Wayne und seiner Ausbildung bei Ra’s al Ghul, bevor er nach Gotham zurückkehrt und nach und nach auf bekannte Verbündete und Widersacher trifft.
Dabei bedient sich TT Games munter bei Tim Burtons Filmen, Christopher Nolans Dark-Knight-Trilogie, aktuellen Kinofilmen, Comics, Serien und natürlich den Arkham-Spielen. Das funktioniert auch deshalb so gut, weil sich das Spiel selbst nie allzu ernst nimmt. Zahlreiche bekannte Szenen werden mit dem typischen LEGO-Humor neu interpretiert, ohne Batman dabei zur reinen Klamaukfigur zu degradieren. Jüngere Spieler bekommen eine leicht zugängliche Superheldengeschichte, während Batman-Kenner immer wieder über kleine und große Anspielungen schmunzeln können.
Spielerisch ist vor allem der Einfluss der Arkham-Reihe kaum zu übersehen. Batman prügelt sich mit flüssigen Angriffsketten durch Gegnergruppen, kontert Attacken, setzt Spezialmanöver ein und greift auf verschiedene Gadgets zurück. Hinzu kommen vereinfachte Schleichpassagen, Detektivarbeit und die für LEGO-Spiele typischen Rätsel. Das alles erreicht natürlich nicht die spielerische Tiefe der großen Vorbilder, fühlt sich innerhalb eines LEGO-Spiels aber sehr stimmig an und funktioniert auch im lokalen Koop hervorragend – wenn nicht sogar besser, weil hier der notwendige Figurenwechsel beim Einsatz der jeweils individuellen Fähigkeiten entfällt.

Das eigentliche Highlight bleibt jedoch Gotham selbst. Zwischen den Storymissionen lässt sich die Stadt frei erkunden, wobei Batman wahlweise mit dem Batmobil über die Straßen rast, sich mit dem Greifhaken an Gebäuden hochzieht oder durch die Häuserschluchten gleitet. Überall warten Verbrechen, Riddler-Rätsel, Sammelobjekte und kleinere Aufgaben. Das kann auf Dauer etwas formelhaft werden, sorgt zusammen mit den zahlreichen freischaltbaren Anzügen, Fahrzeugen und Erweiterungen für die Bathöhle aber dafür, dass es auch abseits der eigentlichen Geschichte ständig etwas zu entdecken gibt.
Gotham für unterwegs
Technisch muss die Switch 2 gegenüber den leistungsstärkeren Konsolen erwartungsgemäß einige Federn lassen. Während die PlayStation 5 neben einem 4K-Modus mit 30 Bildern pro Sekunde auch einen Performance-Modus mit bis zu 60 fps bietet, ist auf der Switch 2 bei 30 fps Schluss. Die dynamische Auflösung erreicht sowohl im Handheld- als auch im Docked-Betrieb bis zu 1080p. Hinzu kommen schwächere Umgebungstexturen und Reflexionen, ein reduzierter Detailgrad sowie weniger Passanten und Fahrzeuge auf Gothams Straßen.
Das Ergebnis kann sich trotzdem sehen lassen. Vor allem auf dem kleineren Display fallen die grafischen Einschnitte kaum ins Gewicht, sodass die düstere Atmosphäre Gothams auch unterwegs prima zur Geltung kommt. Dass es vor allem bei schnellen Fahrten zwischen den imposanten Gebäuden, vielen zerstörten LEGO-Steinen oder aufwendigeren Szenen gelegentlich zu Pop-ins und spürbaren Einbrüchen in der Bildrate kommt, ist dabei zu verschmerzen.

Ganz ohne Ladezeiten kommt der Port nicht aus, erfreulich ist aber, dass das offene Gotham auch auf der Switch 2 ohne Unterbrechungen frei erkundet werden kann. Gut gefallen hat uns zudem die gelungene Einbindung von HD-Vibration 2, die für ein sehr lebendiges Feedback sorgt, bei Bedarf aber auch heruntergeregelt oder ganz deaktiviert werden kann. Eine Maussteuerung mit den Joy-Con 2 oder GameShare-Unterstützung gibt es hingegen nicht.
Noch härter oder einfach mal böse
Mit der Veröffentlichung der Switch-2-Version hat TT Games auch auf den anderen Plattformen noch einmal nachgelegt. Kostenlos hinzugekommen ist unter anderem der neue Absolute-Schwierigkeitsgrad, der selbst erfahrene Fledermäuse ordentlich fordert. Pro Mission steht nur noch ein Leben zur Verfügung, Batman verursacht weniger Schaden, eingeblendete Aktionshinweise verschwinden und für erfolgreiche Konter bleibt weniger Zeit.
Deutlich umfangreicher fällt die ebenfalls am 18. September veröffentlichte Mayhem Collection aus, die Bestandteil der Deluxe Edition beziehungsweise des entsprechenden Upgrades ist. Im Mittelpunkt stehen diesmal Joker und Harley Quinn, die eine eigene Geschichte spendiert bekommen. Diese beginnt mit Harleen Quinzel in ihrer Rolle als Mitarbeiterin im Arkham Asylum und führt schließlich zum gemeinsamen Ausbruch mit dem Joker.

Bis es dazu kommt, braucht die Erweiterung allerdings eine ganze Weile, um in Fahrt zu kommen. Der Einstieg zieht sich mit längeren Dialogpassagen und vermeintlichen Gesprächsentscheidungen, die letztlich kaum Einfluss auf den weiteren Verlauf haben. Erst nachdem Joker und Harley die neue Story-Mission in Arkham hinter sich gelassen und ihr neues Hauptquartier in Amusement Mile bezogen haben, öffnet sich der eigentliche Chaos-Modus – und damit wird die Erweiterung auch spielerisch deutlich interessanter.
Statt Verbrechen zu verhindern, geht es nun darum, innerhalb eines Zeitlimits möglichst viel Chaos in Gotham anzurichten und verschiedene Aufgaben zu erledigen. Geschäfte wollen ausgeraubt, Geldautomaten geplündert, Fahrzeuge gestohlen, Straßensperren zerstört oder Wände mit Graffiti verziert werden. Gleichzeitig sitzen Batman und Robin den beiden Schurken im Nacken, und auch die Mitglieder von Amanda Wallers Task Force X machen Jagd auf das durchgeknallte Duo
Spielerisch fühlen sich Joker und Harley anders an als die Helden des Hauptspiels. Der bekannte Freeflow-Nahkampf rückt zugunsten von Fernkampf und einer deutlich chaotischeren Spielweise in den Hintergrund. Joker greift unter anderem auf eine Paintball-Waffe und einen ausfahrbaren Boxhandschuh zurück, während Harley neben ihrem Hammer beispielsweise eine Konfetti- und Kaugummikanone sowie ihre Hyänen Bud und Lou ins Feld führt. Befreite Arkham-Insassen lassen sich außerdem zu Handlangern ausbilden und später mit auf die Streifzüge durch Gotham nehmen.

Ganz folgenlos bleibt das angerichtete Chaos nicht. Erfolgreich abgeschlossene größere Ziele hinterlassen dauerhaft sichtbare Spuren in Gotham, während sich das eigene Funhouse ähnlich wie die Bathöhle nach und nach ausbauen und dekorieren lässt. Hinzu kommen neue Outfits, Verbesserungen und weitere Belohnungen.
Die einzelnen Chaos-Runden sind dabei angenehm kompakt gehalten und eignen sich auf der Switch 2 ideal für eine kleine Runde zwischendurch. An die Abwechslung und den Umfang des Hauptspiels kommt der Chaos-Modus allerdings nicht heran. Dafür wiederholen sich die grundlegenden Abläufe zu schnell und auch die zusätzliche Geschichte um Joker und Harley fällt vergleichsweise kurz aus. Als Ergänzung zum ohnehin umfangreichen Hauptspiel funktioniert die Mayhem Collection dennoch gut – vor allem, weil sie nicht einfach nur weitere Aufgaben auf die Karte setzt, sondern mit dem Perspektivwechsel und der deutlich anderen Spielweise tatsächlich etwas Eigenes versucht.

Fazit
LEGO Batman: Das Vermächtnis des Dunklen Ritters macht auf der Switch 2 eine richtig gute Figur. Technisch müssen gegenüber PlayStation 5 und Xbox Series zwar sichtbare Abstriche bei Bildrate, Texturen und Details hingenommen werden, gerade auf dem kleineren Display fällt all das aber kaum störend ins Gewicht. Das frei erkundbare Gotham, das gelungen von der Arkham-Reihe inspirierte Kampfsystem und die zahlreichen Anspielungen auf fast 90 Jahre Batman-Geschichte bleiben auch hier vollständig erhalten.
Die Mayhem Collection ist mit ihrem Perspektivwechsel eine clevere und kurzweilige Ergänzung, aber kein Pflichtprogramm. Mit Joker und Harley Chaos zu stiften und Gotham ordentlich auf links zu drehen, macht vor allem für eine schnelle Runde zwischendurch Laune, kommt mit Blick auf die letztlich repetitiven Abläufe qualitativ aber nicht an das Hauptabenteuer heran. Der kostenlose Absolute-Schwierigkeitsgrad dürfte indes vor allem erfahrenen Spielern einen zusätzlichen Anreiz für einen weiteren Durchgang bieten.
Welche Version von LEGO Batman am Ende die „bessere“ ist, hängt damit vor allem von den eigenen Vorlieben ab. Gotham bleibt auch auf der Switch 2 eine große und abwechslungsreiche Spielwiese, das Abenteuer eine kleine Fundgrube für Fans und der lokale Koop eine Spaßklasse für sich. Und ein derart umfangreiches und aufwendig inszeniertes Batman-Abenteuer einfach aus dem Dock zu ziehen und überall weiterspielen zu können, ist fraglos ein ziemlich dicker Pluspunkt für Nintendos Hybridkonsole.
LEGO Batman: Das Vermächtnis des Dunklen Ritters und Mayhem Collection sind für Nintendo Switch 2, PlayStation 5, Xbox Series und PC erhältlich.
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