Dass Indiana Jones und der große Kreis nach der PS5 nun auch noch seinen Weg auf die Switch 2 finden würde, hätte zum ursprünglichen Release des Titels Ende 2024 wohl kaum jemand erwartet. Nicht nur, weil das technisch opulente Abenteuer zunächst als Prestigeprojekt für Xbox Series X|S und PC an den Start ging, sondern auch, weil Microsoft seine großen Marken lange wie einen streng bewachten Schatz behandelte. Inzwischen weht in Redmond jedoch ein anderer Wind – und plötzlich schwingt sich Indy auch auf Nintendos neuer Konsole mit der Peitsche über Abgründe.

Bereits zum ursprünglichen Release auf Xbox Series X gehörte Indiana Jones und der große Kreis zu den größten Überraschungen des Spielejahres. Nicht nur, weil es MachineGames tatsächlich gelang, den schwer angeschlagenen Kinohelden erzählerisch wieder zurück in die goldene Ära der Reihe zu katapultieren, sondern auch, weil das Studio genau verstanden hat, was Indiana Jones überhaupt ausmacht.

Das Abenteuer, das Indy verdient hat

Denn anders als viele moderne Action-Adventures setzt Der große Kreis nicht primär auf Dauerexplosionen oder bombastische Schlauchlevel, sondern auf genau jene Zutaten, die schon die alten Filme ausgezeichnet haben: Rätsel, Erkundung, schummrige Katakomben, improvisierte Prügeleien und dieses permanente Gefühl, einem großen Geheimnis auf der Spur zu sein.

Zeitlich zwischen „Jäger des verlorenen Schatzes“ und „Der letzte Kreuzzug“ angesiedelt, schickt uns das Spiel auf eine weltumspannende Jagd nach mystischen Artefakten, deren Macht natürlich nicht in die Hände der Nazis geraten darf. Unterstützt von neuen Figuren wie der schlagfertigen Journalistin Gina Lombardi und verfolgt vom herrlich überzeichneten Emmerich Voss stolpert Indy dabei vom Vatikan bis tief in vergessene Ruinen und Grabkammern von einem atmosphärischen Schauplatz zum nächsten.

Besonders gelungen ist dabei, wie sehr sich MachineGames um die Atmosphäre der Originaltrilogie bemüht. Die Zwischensequenzen zitieren die alten Filme mit klassischen Lichtsetzungen, warmen Farbkompositionen und einem angenehm altmodischen Abenteuergefühl, während Harrison Fords digitales Ebenbild erstaunlich glaubwürdig in Szene gesetzt wurde. Selbst die deutsche Synchronisation kommt dem Original erfreulich nahe.

Spielerisch erinnert Der große Kreis dabei durchaus an moderne Abenteuerreihen wie Uncharted oder Tomb Raider, setzt aber deutlich stärker auf Exploration und kleinere Rätselpassagen. Gerade die größeren Hub-Gebiete laden immer wieder dazu ein, abseits der Hauptgeschichte optionale Aufgaben, Geheimnisse und Sammelobjekte aufzuspüren. Viele der optionalen Rätsel gehören dabei sogar zu den größten Stärken des Spiels und verlangen angenehm viel Hirnschmalz.

Die Kämpfe fallen hingegen bewusst simpel aus. Statt Dauerfeuer und Maschinengewehren setzt Indy bevorzugt auf seine Fäuste, improvisierte Nahkampfwaffen und natürlich seine ikonische Peitsche. Die Gegner-KI zeigt dabei zwar immer wieder Schwächen, dank wunderbar wuchtiger Soundeffekte und herrlich altmodischer Prügeleien funktioniert das Gesamtpaket aber trotzdem sehr gut.

Großes Abenteuer auf kleiner Konsole

Das alles trifft auch auf die Switch-2-Version zu, da MachineGames das Spiel inhaltlich vollständig auf Nintendos aktuelle Konsole portiert hat. Zudem steht mit „The Order of Giants“ bereits eine umfangreiche Story-Erweiterung bereit, die allerdings nicht standardmäßig Bestandteil der regulären Spielversion ist und separat erworben werden muss.

Technisch läuft das Abenteuer im Docked-Modus mit bis zu 1080p, während im Handheld-Betrieb eine dynamische 720p-Auflösung genutzt wird. Um die stabile Performance auf der mobilen Hardware zu ermöglichen, setzt MachineGames zudem auf DLSS-Technologie.

Nun war zu erwarten, dass Indys Abenteuer in Sachen Optik im Vergleich zu den großen Kisten ein paar Federn lassen muss. Besonders in weitläufigen Gebieten wie Gizeh wird sichtbar, wo die Grenzen der Hardware liegen. Entfernte Objekte und Texturen verlieren dort deutlich an Schärfe, Schatten und einzelne Beleuchtungseffekte laden teilweise sichtbar nach und auch die Detailstufen schalten recht aggressiv um. In engen Innenräumen oder den verwinkelten Gassen des Vatikans fällt das allerdings deutlich weniger ins Gewicht.

In Sachen Performance läuft das Abenteuer sowohl im TV- als auch im Handheld-Modus zwar nur mit 30 fps, diese werden aber erfreulich stabil gehalten. Wirklich störende Framerate-Einbrüche, Abstürze oder gravierende technische Probleme sind uns während des Tests nicht untergekommen. Im Handheld-Modus fällt die geringere Bildrate zudem kaum negativ auf. Ganz im Gegenteil wirkt das Spiel auf dem kleineren Display nicht zuletzt auch dank des vergleichsweise ruhigen Spieltempos deutlich flüssiger als die nackte Zahl zunächst vermuten lässt.

Weniger gelungen fällt hingegen die Lesbarkeit einzelner Dokumente und Tagebucheinträge im Handheld-Modus aus. Kleinere Texte oder optionale Hinweise sind auf dem kompakten Display nun einmal schwerer zu entziffern als auf einem großen Bildschirm. MachineGames hat bei der Umsetzung für die Switch 2 aber dennoch hervorragende Arbeit geleistet und dabei sogar noch die Eigenheiten der Konsole sinnvoll eingebunden.

Die Nintendo-Version unterstützt nämlich die Gyro-Steuerung sowie einen Mausmodus mit den Joy-Cons 2. Letzterer funktioniert technisch zwar durchaus ordentlich und sorgt gerade beim Zielen oder dem Absuchen von Umgebungen für eine angenehm direkte Steuerung, wirkt letztlich aber eher wie eine nette Spielerei als ein echter Ersatz für die klassische Controller-Steuerung. So zeigt sich in hektischeren Situationen schnell der Nachteil des ungewöhnlichen Setups, da wichtige Tasten deutlich schlechter erreichbar sind als mit einem herkömmlichen Gamepad.

Fazit:

Dass Indiana Jones und der große Kreis ein fantastisches Abenteuer geworden ist, wussten wir bereits seit dem ursprünglichen Release auf Xbox Series X|S und PC. Die eigentliche Überraschung ist vielmehr, wie gut MachineGames dieses technisch aufwendige Spiel auf die Switch 2 gebracht hat.

Zwar muss die Nintendo-Version sichtbar Abstriche bei Auflösung, Texturschärfe und einzelnen Effekten hinnehmen, insgesamt liefert MachineGames hier aber einen bemerkenswert stabilen und erfreulich hochwertigen Port ab. Vor allem im Handheld-Modus entfaltet Der große Kreis dabei einen ganz eigenen Charme. Das ruhigere Spieltempo, die vielen Rätselpassagen und die starke Atmosphäre machen aus Indys Abenteuer fast schon einen Abenteuerroman zum Mitnehmen, auch wenn kleinere Texte und Notizen im Handheld-Modus nicht immer optimal lesbar sind.

Spielerisch bleibt Indiana Jones und der große Kreis ohnehin eines der stimmungsvollsten Action-Adventures der vergangenen Jahre. Statt auf stumpfes Dauerfeuer setzt MachineGames auf Erkundung, Rätsel, Atmosphäre und den Charme der Originaltrilogie. Fans der alten Filme kommen hier deutlich mehr auf ihre Kosten als zuletzt im Kino.

Wer bislang also noch nicht mit Indy auf Schatzsuche gegangen ist, bekommt mit der Switch-2-Version trotz kleiner technischer Einschränkungen eine rundum gelungene Umsetzung, die sich neben den Fassungen der großen Konsolen absolut nicht verstecken muss.

Indiana Jones und der große Kreis ist für Nintendo Switch 2, PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC erhältlich.