Am 20. März 2025 soll das lang erwartete Assassin’s Creed Shadows nach mehreren Verschiebungen nun endlich erscheinen. Wir haben bereits Hand an den neuesten Teil der Meuchelsaga gelegt und präsentieren euch unsere ersten Eindrücke aus dem feudalen Japan.
Unsere Hands-On-Session der noch nicht finalen Vorabversion startet mit dem Prolog. In diesem erhalten wir eine Einführung in die beiden spielbaren Charaktere Yasuke und Naoe und erfahren, wie sich deren Wege zum ersten Mal kreuzen.
Wir beginnen mit Yasuke, dessen Hautfarbe im Land der aufgehenden Sonne in dieser Ära der Zeitgeschichte noch ein Kuriosum darstellt. Der junge Afrikaner ist das Ortsgespräch schlechthin. Wie dieser überhaupt nach Japan gekommen ist, erfahren wir jedoch nicht.
Dafür lernen wir, dass Yasukes stämmiger Körperbau seiner Intelligenz Lügen straft. Kein Wunder also, dass der hiesige Fürst die Qualitäten Yasukes als Krieger erkennt und ihn unter seine Fittiche nimmt.
Einen Zeitsprung später stehen wir vor den Toren einer brennenden Stadt. Ein Krieg tobt, und wir sind als vollgerüsteter Samurai mittendrin. Ein perfektes Szenario also, um das Kampfsystem zu erlernen.

Mit unserem Katana teilen wir schnelle oder schwere, dafür aber auch langsamere Angriffe aus. Halten wir den Knopf gedrückt, nimmt Yasuke zum Aufladen einer besonders mächtigen Attacke eine Kampfhaltung ein. Begleitet wird dies von einem Glänzen an der Klinge, welches während der Ladezeit zur Spitze wandert.
Um die Kämpfe anspruchsvoll zu gestalten, legt Assassin’s Creed Shadows großen Wert auf ein timingbasiertes Paradesystem, wie man es etwa auch aus Sekiro kennt. Ganz so knackig wie beim großen From-Software-Vorbild wird es zwar nicht. Aber wir können schon mal vorwegnehmen, dass wir als erfahrene und von daher auch etwas zu übermütige Spieler recht oft unser Leben lassen mussten.

Dergestalt zur Vorsicht erzogen, beginnen wir, die Attacken des Feindes abzuwarten. Kündigt sich ein zu parierender Schlag mit einem silbernen Kreis am Schwert des Gegners an, reagieren wir mit einem raschen Blockmanöver, und schon ist der arme Kerl unseren Angriffen hilflos ausgeliefert. Haben wir eine ganze Gruppe dezimiert, lässt es sich Yasuke nicht nehmen, den Angriff mit einem brutal inszenierten Finisher abzuschließen.
Mitten im Gefecht wechseln wir zu Naoe, die in dem ausgefochtenen Konflikt auf der Gegenseite steht und in Assassin’s Creed Shadows für den Schleich-Part zuständig ist. An Yasukes eher gemächliches Tempo gewohnt, offenbart sich Naoe direkt als ungleich flinker und schneller.

Wo wir mit dem Samurai noch mitten durch eine Barrikade direkt in die Feindesreihen stürmten, gilt es nun, als Leisetreter erst einmal die Lage zu erkunden und aus dem Schatten heraus zuzuschlagen. Praktischerweise verfügt Naoe über einen Kletterhaken, mit dem wir uns bequem auf Mauern und Häuserdächer ziehen können.
Haben wir schließlich einen guten Platz zum Beobachten erklommen, wechseln wir in den Beobachtungsmodus, der Feinde, Questziele und Sammelkram markiert. Natürlich könnten wir uns den Samurai auch im Kampf stellen, doch einer Übermacht hat die fragilere Naoe nicht viel entgegenzusetzen.

Viel besser ist es daher, ahnungslose Gegner mit einem Kunai aus der Ferne auszuschalten oder sich bäuchlings durch die Dunkelheit und Büsche schleichend heranzupirschen. Ist das Ziel in Reichweite, können wir es mit der berühmten versteckten Klinge ausschalten. Doch Obacht: Gut gerüstete Feinde widerstehen dem Attentatsversuch.
Einen weiteren großen Zeitsprung später finden wir uns wahlweise mit Yasuke oder Naoe, die nun ein Team bilden, mitten auf der Map des Hauptspiels wieder. Auf dieser zeigt sich, dass es wieder Charakterstufen gibt, die angeben, ob wir für eine Region und die dortigen Kämpfe ausreichend gerüstet sind.
Neugierig auf die offene Spielwelt schenken wir dem Rollenspielsystem vorerst aber keine Beachtung und streifen durch eine opulent inszenierte Stadt namens Himeji. Wir sprechen den ersten NPC mit einer Markierung über dem Kopf direkt an und wohnen, eine gestreichelte Katze später, auch schon einer poetischen Dichterzusammenkunft bei.

Hier zeichnet sich bereits ab, dass wir es mit verwinkelten Ränkeschmieden machthungriger Kriegsherren zu tun bekommen und sich Dramen wahrlich literarischen Ausmaßes anbahnen. Zwar können wir nicht verhindern, dass ein junger Fürstensohn während eines Angriffs auf die Zusammenkunft entführt wird, wohl aber den feindlichen Ronin Paroli bieten.
Auf der Suche nach den Verantwortlichen reiten wir mit unserem Pferd schließlich in ein Hafengebiet, wo wir an eine Gruppe zwielichtiger Gesellen geraten. Hier zeigt sich, dass unterschiedliche Antwortmöglichkeiten zu unterschiedlichen Situationen führen. Den Kampf verlieren wir, als wir beim nächsten Versuch eine andere Gesprächsoption wählen, kommen wir ans Ziel, ohne die Klinge zu zücken.
Die anschließende Infiltration einer gut bewachten Tempelanlage erweist sich dann als überraschend anspruchsvolle Aufgabe, bei der wir mehrfach scheitern. Das ist zwar etwas demütigend. Aber es demonstriert auch anschaulich, wie sehr uns die letzten Assassin’s-Creed-Spiele an unsere Übermacht in direkten Konfrontationen gewöhnt haben. Und wer diesen Ansatz mochte, der kann ja immer noch mit Yasuke spielen.

Wir sind überrascht, wie konsequent Ubisoft den Unterschied zwischen den beiden Charakteren herausgearbeitet hat. Beim Klettern, immerhin der Kerndisziplin eines Assassin’s Creed, ist der Samurai so schwerfällig, wie keine andere Spielfigur der Serie zuvor. Er wirkt mit seinem spürbaren Gewicht fast schon etwas unbeholfen und kann ohne versteckte Klinge keine Attentatsangriffe starten. Dafür haben wir aber ein mächtiges Schwert am Gürtel und eine Flinte auf dem Rücken.
Im steten Wechseln zwischen den beiden kommen wir nach und nach einer Verschwörung auf die Spur, deren Zusammenhänge sich uns wohl erst beim Testen der finalen Version offenbaren. Zur Story können wir daher noch kein Urteil fällen. Wohl aber zur bombastischen und ausladenden Inszenierung des historischen Settings.

Das feudale Japan sieht so herzzerreißend schön aus, dass wir es gar nicht abwarten können, ohne Zeitdruck auf Erkundungstour zu gehen. Zwar wird der Wunsch nach lebhafteren NPC-Modellen auch bei Shadows nicht erfüllt, die Charaktermodelle der handelnden Figuren sind aber mit beeindruckend viel Liebe zum Detail gestaltet und gefallen mit ausdrucksstarken Animationen. Man sehe sich nur einmal Yasukes Rüstung und Naoes Bewegungsrepertoire an.
Ob das Progressionssystem motiviert oder uns mit unnötig viel Loot zumüllt, wird sich erst noch zeigen müssen. Die Aussicht, ein ganzes Dorf nach unserem Gusto hochziehen und ein Netz an Verbündeten aufbauen zu können, klingt allerdings vielversprechend.

Vor allem aber ist uns das gelungene und fordernde Kampfsystem in Erinnerung geblieben, das uns insbesondere in Naoes Rolle äußerst gut gefällt. Zwar ist Yasuke eigentlich der Mann fürs Grobe, dieser kommt nach unserem Empfinden aber zu oft mit stumpfem Zuschlagen ans Ziel. Da gefallen uns der gesteigerte Anspruch und die breitere Aktionsvielfalt in der Rolle der Shinobi deutlich besser.
Auf jeden Fall sind wir nach unseren ersten vier Stunden in Assassin’s Creed Shadows sehr optimistisch, dass uns endlich wieder ein richtig starker Serieneintrag ins Haus steht. Das lange Warten hat sich offenbar gelohnt.
Assassin's Creed Shadows erscheint am 20.03.2025 für PlayStation 5, Windows, Xbox Series X|S, Amazon Luna, Epic Games, MacOS und Ubisoft Connect.
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