Fast acht Jahre nach Ace Combat 7: Skies Unknown schickt Bandai Namco seine traditionsreiche Flug-Action wieder in die Luft. Langjährige Fans müssen dabei keine Experimente befürchten. Ace Combat 8: Wings of Theve bleibt dem bekannten Rezept treu, präsentiert sich technisch aber deutlich moderner und hat spektakuläre Einsätze im Gepäck.

Wir haben uns ins Cockpit geschwungen und verraten im Test, ob die bewährte Mischung aus rasanten Luftkämpfen, herrlich arcadigem Unrealismus und militärischem Pathos auch 2026 noch funktioniert.

Darum geht’s

Schauplatz ist einmal mehr die fiktive Welt Strangereal und wieder steht der Kontinent Usea im Fokus. Im Jahr 2029 überfällt die Republik Sotoa die Föderation von Zentral-Usea und bringt innerhalb kürzester Zeit große Teile des Landes einschließlich der Hauptstadt Theve unter ihre Kontrolle.

Mittendrin steckt der zunächst namenlose Protagonist, der nach dem Tod des legendären Piloten Jan „Rex“ Cope dessen Identität übernimmt. Der Grund dafür ist weniger heldenhaft als pragmatisch: Die als „Wings of Theve“ bekannte Fliegerlegende soll als Hoffnungsträger und Propagandainstrument weiterleben. Gemeinsam mit der Joker-Staffel geht es anschließend daran, die Invasoren zurückzudrängen.

Der Ansatz macht neugierig und lässt nach einem fulminant inszenierten Einstieg auf Großes hoffen. Doch obwohl sich Ace Combat 8 sichtlich Mühe gibt, seiner Geschichte und den Charakteren mehr Raum als in früheren Teilen zu geben, fiel es uns schwer, die verschiedenen Nationen, Interessen und Konflikte einzuordnen. Viele Namen und Zusammenhänge rauschen regelrecht an uns vorbei, während die Stimme des verstorbenen Rex regelmäßig im Kopf des Protagonisten nebulös vor sich hin philosophiert und für zusätzliche Verwirrung sorgt.

Dass die Handlung diesmal weit mehr sein soll als das von den Vorgängern gewohnte Schmückwerk, zeigt sich auch an den immer wieder eingestreuten und teils recht ausladenden Sequenzen aus der Ego-Perspektive, in denen wir uns eingeschränkt umsehen, zoomen und gelegentlich per Tastendruck interagieren dürfen. Das soll offenbar für zusätzliche Nähe zu den Figuren sorgen, klassische Zwischensequenzen hätten unserer Meinung nach aber mehr Dynamik gebracht.

Zumal Ace Combat 8 an anderer Stelle eindrucksvoll beweist, dass es durchaus filmisch inszenieren kann. Wenn Kampfjets starten, Flugzeugträger in See stechen oder die gewaltige Kriegsmaschinerie in Bewegung gesetzt wird, sorgen wechselnde Kameraperspektiven und dynamische Schnitte immer wieder für Bilder auf Kinoniveau.

Etwas problematisch ist außerdem, dass ein großer Teil der Charakterzeichnung während der Missionen über Funk stattfindet. Während wir mit hoher Geschwindigkeit durch die Wolken jagen, Raketen ausweichen und zwischen zahlreichen Zielen wechseln, quatscht praktisch permanent jemand dazwischen. Dabei gingen uns immer wieder wichtige Gesprächsfetzen verloren. Ärgerlich, wenn plötzlich eine zeitlich begrenzte Ja-Nein-Frage auf dem Bildschirm auftaucht und wir ohne Kontext überhaupt nicht wissen, worauf wir gerade antworten.

Vertrautes Fluggefühl mit mehr Gewicht

Vielleicht tun wir der Story aber auch unrecht und nehmen sie nur als zu redefreudig wahr, weil es uns die ganze Zeit in den Fingern juckt, zu fliegen. Denn spielerisch fühlt sich Ace Combat 8 so wunderbar vertraut an, dass man als Fan der ersten Stunden erleichtert ausatmen möchte. Im Kern machen wir genau das, was die Reihe seit Jahrzehnten auszeichnet: Wir steigen in unterschiedliche Kampfjets, nehmen Luft- und Bodenziele ins Visier und schicken Unmengen von Raketen auf die Reise. Wer schon mal ein Ace Combat gespielt hat, findet sich sofort zurecht, alle anderen bekommen in optionalen Trainingsmissionen die nötigen Grundlagen beigebracht.

Trotzdem hat sich beim Fluggefühl etwas getan. Die Maschinen reagieren weniger unmittelbar und wirken nun insgesamt etwas schwerfälliger, was uns ausgesprochen gut gefällt. Die Jets vermitteln mehr Masse und auch die Luft fühlt sich stärker wie ein simuliertes Element an. Das Ganze bleibt natürlich weit von einer echten Flugsimulation entfernt, wirkt aber etwas glaubwürdiger, ohne dafür den unkomplizierten Arcade-Charakter der Serie zu opfern. Zielwechsel, Raketenbeschuss und Ausweichmanöver gehen so flott von der Hand wie eh und je.

Wie gewohnt stehen dazu unterschiedliche Steuerungsvarianten und Kameraperspektiven zur Verfügung. Wer möglichst unkompliziert losfliegen möchte, bekommt eine vereinfachte Steuerung, bei der seitliche Stickbewegungen direkt Kurven einleiten. In der Expertenvariante steuert ihr dagegen Nick- und Rollbewegungen getrennt und legt den Jet für enge Kurven zunächst auf die Seite.

Der richtige Jet für den richtigen Job

Vor den Missionen wählen wir den passenden Jet und dessen Bewaffnung aus. Luft-Luft-Raketen eignen sich naturgemäß für Dogfights, während Bomben und andere Spezialwaffen bei dicht beieinanderliegenden Bodenzielen Vorteile bringen. Neue Flugzeuge, Waffen und Verbesserungen werden nach und nach über einen umfangreichen Entwicklungsbaum freigeschaltet.

Dabei geht es nicht nur darum, den Hangar mit immer neuen Jets zu füllen. Freigeschaltete Bauteile verbessern beispielsweise Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit oder erhöhen Reichweite, Schaden und Munitionskapazität bestimmter Waffen. Wie viele Slots uns dafür in den drei Verbesserungskategorien zur Verfügung stehen, unterscheidet sich von Jet zu Jet. Gerade im späteren Verlauf lohnt es sich deshalb, einen Blick auf das Missionsbriefing zu werfen und Maschine, Bewaffnung und Verbesserungen auf den bevorstehenden Einsatz abzustimmen.

Wer mag, kann auch seinen Flügelmännern dediziert Maschinen und Ausrüstung zuweisen, alternativ erledigt das Spiel dies automatisch. Während der Einsätze können wir unseren Kumpanen außerdem Befehle erteilen, um sie etwa gezielt auf bestimmte Gegner anzusetzen oder unseren Rücken decken zu lassen. Die Hauptarbeit bleibt zwar weiterhin an uns hängen, die Joker-Staffel ist aber gerade in hektischen und brenzligen Situationen eine echte Hilfe und hat uns mehr als einmal den Hintern gerettet.

Zwischen Routine und fliegendem Wahnsinn

Grundsätzlich bleibt Ace Combat 8 sehr konservativ. Flugzeuge, Missionsstruktur, Progression und selbst viele erzählerische Motive dürften Serienkennern ausgesprochen bekannt vorkommen. Dafür geben sich die Entwickler innerhalb dieser bekannten Formel durchaus Mühe um Abwechslung. Die insgesamt 30 Missionen schicken uns unter anderem gegen feindliche Staffeln, Bodentruppen, Schiffe und befestigte Anlagen. Wetter, Tageszeit und Umgebung wechseln regelmäßig und sorgen dafür, dass sich nicht jeder Einsatz gleich anfühlt.

Gelegentlich dreht Ace Combat 8 zudem herrlich frei. Einer unserer Höhepunkte konfrontiert uns beispielsweise mit einem gigantischen Landschlachtschiff, das sich durch eine Stadt bewegt. Statt einfach nur Raketen darauf abzufeuern, müssen Gebäude zum Einsturz gebracht werden, um den Koloss aufzuhalten. Genau in solchen Momenten zeigt die Reihe einmal mehr, warum ein bisschen Größenwahn bei Ace Combat ausdrücklich dazugehört.

Ganz ohne Längen kommt die Kampagne trotzdem nicht aus. Nach unserem Geschmack setzt sie etwas zu häufig darauf, verbündete Einheiten aus der Patsche zu helfen. Dann brennt es an verschiedenen Punkten der Karte gleichzeitig und wir hetzen von einem Krisenherd zum nächsten, um Bodentruppen, Schiffe oder andere Verbündete vor der Vernichtung zu bewahren. Das kann spannend sein, nutzt sich mit der Zeit aber etwas ab.

Hinzu kommt, dass Missionen gerne während des Einsatzes ihre Richtung ändern. Neue Gegner erscheinen, weitere Ziele werden eingeblendet oder plötzlich benötigt eine andere Einheit Unterstützung. Zusammen mit dem permanenten Funkverkehr entsteht dadurch bisweilen regelrechtes Chaos. Wer nicht aufpasst, merkt mitunter erst spät, was das Spiel gerade eigentlich möchte, und sieht sich mit einem Neustart vom letzten Kontrollpunkt konfrontiert.

Abseits der Kampagne bietet Ace Combat 8 auch einen eigenständigen Multiplayer-Bereich mit separatem Fortschritt. Dort stehen neben klassischen PvP-Gefechten wie Deathmatch und Team-Deathmatch verschiedene Koop- und PvPvE-Einsätze auf dem Programm, größere Noteinsätze lassen sogar bis zu acht Piloten gemeinsam gegen gewaltige Superwaffen antreten. Das hat durchaus kurzweiliges Spaßpotenzial, wie es mit der Langzeitmotivation bestellt ist, wird sich allerdings erst noch zeigen müssen.

Technik und Sound

Optisch gehört Ace Combat 8 ohne Frage zu den beeindruckendsten Vertretern seines Genres. Besonders der Himmel ist teilweise herzzerreißend schön. Gewaltige Wolkenformationen türmen sich übereinander, Sonnenlicht bricht durch die Wolkendecke und Regen zieht über die Cockpitscheibe. Dazu kommen detaillierte Flugzeuge, starke Lichtstimmungen und enorme Sichtweiten.

Beim Eintauchen in eine Wetterfront verschwindet die Sicht, während Raureif die Maschine überzieht und sich die Vereisung zunehmend auf das Flugverhalten auswirkt. Sekunden später durchbrechen wir die Wolkendecke und tauchen in strahlenden Sonnenschein ein. Bei hohen Geschwindigkeiten bilden sich durch Druckunterschiede kurzzeitig Kondensationswolken um die Maschine, während bei engen Manövern feine Nebelschleier über den Tragflächen entstehen. Gerade in Verbindung mit dem etwas gewichtigeren Fluggefühl trägt das viel dazu bei, dass die Jets nicht einfach durch einen leeren Raum rasen, sondern sich tatsächlich durch eine Atmosphäre zu bewegen scheinen.

Auf der von uns getesteten PS5 Pro stehen ein Qualitäts- und ein Performance-Modus zur Verfügung. Die optischen Unterschiede hielten sich während unseres Tests erfreulich in Grenzen, weshalb wir beim flüssigeren Performance-Modus geblieben sind. Etwas befremdlich wirkt allerdings der Wechsel zu den Zwischensequenzen, die lediglich mit 30 Bildern pro Sekunde laufen und immer mal wieder ins Stottern geraten.

Akustisch fährt Ace Combat 8 einiges auf. Triebwerke donnern, Warnsysteme piepen, Raketen ziehen mit entsprechendem Getöse am Cockpit vorbei und dann dieser satte Boom-Sound, wenn wir die Schallmauer durchbrechen – großartig.

Auch der Soundtrack hat uns immer wieder zu packen gewusst. Wenn zu einem ohnehin dramatischen Luftkampf ein vielleicht etwas kitschiges, dafür aber umso heldenhafteres Thema einsetzt, bekommt die Action emotionale Wucht und wir fühlen uns wie in Top Gun. Nun kann natürlich nicht jeder Track ein Epos sein, aber gerade weil diese Momente so verdammt gut funktionieren, hätten wir uns davon noch etwas mehr gewünscht.

Fazit

Ace Combat 8: Wings of Theve ist vor allem eines: sehr viel Ace Combat – und damit genau die Art von Fortsetzung, die wir uns nach der langen Pause erhofft haben. Bandai Namco konzentriert sich auf die Stärken der Reihe, dreht nur behutsam an einigen Schrauben und liefert gewohnt herrlich übertriebene Luftkämpfe mit einem diesmal etwas schwereren Fluggefühl, das uns ausgesprochen gut gefällt.

Die Geschichte will mehr sein als bloß schmückendes Beiwerk, verliert sich für unseren Geschmack aber zu häufig in schwer nachvollziehbaren, dafür aber umso redefreudiger breitgetretenen Zusammenhängen. Auch die zwar durchaus schön anzuschauenden, aber wenig dynamischen und teils zu langatmigen Ego-Sequenzen haben uns kaum gepackt.

Das aber wohl auch, weil es uns stets in den Fingern juckte, endlich wieder ins Cockpit zu dürfen. Mit Vollgas durch gewaltige Wolkenformationen zu brechen, Raketen im letzten Moment auszuweichen und zu einem heldenhaften Soundtrack die nächste feindliche Staffel vom Himmel zu holen, fühlt sich ganz einfach großartig an und sieht dazu auch noch herzzerreißend gut aus.

Ace Combat 8 mag spielerisch nur wenige große Überraschungen bieten, zeigt aber eindrucksvoll, dass die alte Formel auch 2026 noch hervorragend funktioniert, und liefert dank moderner Technik einige der bislang eindrucksvollsten Momente der Serie. Fans der Reihe können bedenkenlos zugreifen – und wer bislang keiner war, dürfte danach einer sein.

Ace Combat 8: Wings of Theve ist ab sofort für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC erhältlich.