Sylvester Stallone und die Serienwelt. Was vor einigen Jahren noch nach einer eher ungewöhnlichen Kombination klang, funktioniert inzwischen erstaunlich gut. Als Dwight „The General“ Manfredi hat die Hollywood-Legende in „Tulsa King“ eine Rolle gefunden, die ihm wie auf den Leib geschrieben scheint. Ein alter Mafioso mit noch älteren Prinzipien, der nach 25 Jahren im Gefängnis plötzlich feststellen muss, dass sich die Welt ohne ihn weitergedreht hat.

Nachdem Dwight in Tulsa praktisch bei null anfangen musste, steht mittlerweile sein eigenes kleines Imperium. Mit der dritten Staffel meldet sich Stallone nun auch im Heimkino auf DVD zurück. Dabei macht „Tulsa King“ weiterhin wenig Anstalten, seine Erfolgsformel grundlegend zu verändern. Das ist allerdings auch überhaupt nicht notwendig. Die Mischung aus Mafia-Serie, schwarzem Humor, Action und einem Hauptdarsteller, der sichtlich Spaß an seiner Figur hat, funktioniert auch in der dritten Runde.

In Tulsa wartet schon die nächste Familie

Gleichzeitig ist Dwights Situation inzwischen eine völlig andere als noch zu Beginn der Serie. Aus dem abgeschobenen New Yorker Gangster ist ein ernst zu nehmender Machtfaktor in Oklahoma geworden. Und wer größer wird, zieht zwangsläufig größere Probleme an. Diesmal bekommt es Dwight vor allem mit der alteingesessenen Dunmire-Familie zu tun. Die ist seit Generationen fest in Tulsa verwurzelt und denkt überhaupt nicht daran, einem Gangster aus New York kampflos das Feld zu überlassen.

Alte Werte, ausgeprägtes Revierdenken und wenig Skrupel treffen damit auf einen Dwight, der ebenfalls nicht dafür bekannt ist, bei Gegenwind einfach seine Sachen zu packen. Das sorgt schnell für neue Fronten. Denn mittlerweile geht es längst nicht mehr nur darum, irgendwo in Tulsa ein paar Geschäfte zu kontrollieren. Dwight muss sein aufgebautes Imperium ebenso schützen wie die Menschen, die inzwischen zu seinem engsten Kreis gehören.

Stallone darf einfach Stallone sein

Dadurch bekommt die dritte Staffel wieder ordentlich Tempo. Intrigen, wechselnde Loyalitäten und actionreiche Konfrontationen gehören weiterhin zum Tagesgeschäft, ohne dass „Tulsa King“ daraus plötzlich ein bierernstes Mafia-Epos machen möchte. Gerade diese Mischung gehört nach wie vor zu den größten Stärken der Serie. „Tulsa King“ weiß ziemlich genau, was es sein möchte. Die Handlung bleibt spannend und bietet genügend Wendungen, um über die Staffel hinweg bei der Stange zu halten.

Gleichzeitig nimmt sich die Serie immer wieder Zeit für ihre Figuren und den speziellen Humor, der vor allem aus Dwights etwas antiquiertem Blick auf die moderne Welt entsteht. Der wichtigste Grund, warum das Ganze auch in Staffel 3 so gut funktioniert, steht natürlich weiterhin im Mittelpunkt. Sylvester Stallone spielt Dwight Manfredi erneut mit einer Mischung aus Coolness, trockenem Humor und der notwendigen Härte. Man nimmt ihm den alten Gangster ab, der auch nach Jahrzehnten im Geschäft nicht bereit ist, sich von irgendjemandem einschüchtern zu lassen.

Der General hat noch lange nicht genug

Stallone mal etwas anders zu erleben, macht deshalb weiterhin großen Spaß und man fiebert mit seinem Antihelden erstaunlich schnell wieder mit. Auch rund um ihn herum kann sich die Besetzung sehen lassen. Martin Starr, Jay Will, Annabella Sciorra, Neal McDonough, Robert Patrick und Frank Grillo gehören erneut zu den bekannten Gesichtern. Zusätzlich stößt mit Samuel L. Jackson eine weitere Hollywood-Legende zum „Tulsa King“-Kosmos. Damit bekommt Stallone prominente Unterstützung, ohne dass die Serie ihren eigentlichen Mittelpunkt aus den Augen verliert.

Staffel 3 hält das hohe Niveau der Vorgänger und liefert erneut genau die Mischung, wegen der „Tulsa King“ so schnell seine Fans gefunden hat. Der Plot bleibt packend und unterhaltsam, die neuen Gegenspieler sorgen für frischen Wirbel und die Charaktere bekommen weiterhin genügend Raum. Vor allem aber bleibt Sylvester Stallone das große Zugpferd. Wer die ersten beiden Staffeln mochte, bekommt deshalb keinen Grund, ausgerechnet jetzt aus Tulsa abzureisen.

Staffel 3 entwickelt Dwights Geschichte konsequent weiter, bringt neue Gegner ins Spiel und bleibt spannend, unterhaltsam und angenehm geradlinig. Der General ist also noch da. Und in Tulsa dürfte so schnell auch niemand an ihm vorbeikommen.

„Tulsa King - Staffel 3“ (LEONINE) VÖ: 02. Okt 26