Ein zurückgezogener Einzelgänger, ein Mädchen in Gefahr, eine ganze Armee ehemaliger Kollegen im Nacken. Nun, auf dem Papier klingt „Shelter“, der jetzt neu für Blu-ray und DVD erschienen ist, nach einem weiteren austauschbaren Baustein in Jason Stathams Filmografie. Beim Ansehen stellt sich jedoch schnell heraus, dass der Film mit dieser Erwartung bewusst spielt und am Ende deutlich mehr bietet, als das Konzept zunächst vermuten lässt.
Regisseur mit Gespür für Bodenständigkeit
Hinter der Kamera steht diesmal nicht David Ayer, der zuletzt zweimal mit Statham zusammengearbeitet hat, sondern Ric Roman Waugh. Sein Name dürfte vor allem Fans von Gerard-Butler-Produktionen bekannt vorkommen, schließlich ist er unter anderem für „Kandahar“ und die beiden „Greenland“-Filme verantwortlich, ebenso für „Angel Has Fallen“. Diese Erfahrung mit geerdetem, weniger überdrehtem Actionkino ist „Shelter“ deutlich anzumerken.
Die Kämpfe sind übersichtlicher inszeniert als in manch früherem Statham-Streifen. Dennoch bleibt das Tempo erfrischend hoch. Generell passt aber der ruhigere, ernstere Grundton hervorragend zur rauen schottischen Kulisse. Und darum geht es: Michael Mason hat mit seinem früheren Leben als Elitesoldat abgeschlossen und sich stattdessen ein zurückgezogenes Dasein auf einer abgelegenen Insel vor Schottland aufgebaut.
Vom Inselidyll zur Verfolgungsjagd
Diese Ruhe zerbricht, als ein schwerer Sturm ein junges Mädchen in Lebensgefahr bringt und Mason ohne zu zögern eingreift. Die Rettung bleibt allerdings nicht folgenlos. Denn alte Kontakte werden auf ihn aufmerksam, angeführt von einer undurchsichtigen Figur, die Bill Nighy mit angenehm unaufgeregter Bedrohlichkeit spielt. Im Hintergrund geht es um eine brisante neue Überwachungstechnologie. Von der Insel aus zieht sich die Story quer durchs schottische Hochland, mit Verfolgern, die genau wissen, wen sie da vor sich haben.
Anders als frühere Filme aus Stathams jüngerer Riege, in denen die Handlung meist nur Vorwand für die nächste große Action war, nimmt sich „Shelter“ Zeit für die Beziehung zwischen Mason und dem geretteten Mädchen, brillant gespielt von Celine Buckens. Das alles wirkt aber nie aufgesetzt, sondern trägt den Film über weite Strecken. Und selbst ein treuherziger Hund an Masons Seite unterstreicht, wie sehr sich Stathams Figur von den kühlen, wortkargen Auftragskillern früherer Rollen unterscheidet.
Der erfrischend andere Statham
Statham selbst zeigt hier eine zurückhaltendere, verletzlichere Seite, die man ihm in dieser Form selten zutraut. Ein Showdown in einer schottischen Disco liefert gegen Ende trotzdem noch das erwartete Action-Feuerwerk, auch wenn „Shelter“ dazwischen an einigen Stellen etwas an Zug verliert. Am Ende erfindet „Shelter“ das Genre sicher nicht neu, und reine Krawall-Fans könnten an der ein oder anderen Stelle mehr Tempo vermissen.
Wer aber bereit ist, sich auf einen Actionfilm mit echter emotionaler Grundlage einzulassen, bekommt hier eine der überzeugendsten Arbeiten aus Stathams neuerer Filmografie. Für Fans klassischer Ein-Mann-Rachefeldzüge lohnt sich der Griff zur Fernbedienung allemal, gerade weil „Shelter“ beweist, dass in diesem Genre noch mehr steckt als reine Popcorn-Haudrauf-Action.
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