Nachdem die Bundesregierung die Förderungen im Dezember 2023 eingestellt hatte, ließ das Interesse der Deutschen an Elektroautos spürbar nach. Viele der großen Autobauer hatten jedoch immense Produktionskapazitäten auf die Stromer aufgewendet, die nun wie Blei in den Regalen liegen. Wen wundert es da, dass in der Industrie ein erneutes Umdenken stattfindet. Erst Mercedes, dann Ford und jetzt auch Volkswagen – sie alle gehen in Sachen Mobilitätswende gezwungenermaßen einen Schritt zurück.

In Wolfsburg musste man einsehen, dass es ein Fehler war, alles auf die E-Karte zu setzen. Ein Strategiewechsel muss her, weshalb VW nun plant, die Produktion von Plug-in-Hybriden zu verstärken, um den Verkaufseinbruch bei den Elektroautos auszugleichen.

Laut einem Bericht von „Bloomberg“ ist dies die aktuell jüngste von mehreren Anpassungen, die das Unternehmen zuvor bereits an seiner Elektrifizierungsstrategie vorgenommen hat, nachdem man aufgrund vorherige Fehlentscheidungen und die gestärkte Konkurrenz durch lokale Marken im wichtigen Markt von China bereits ins Hintertreffen geraten war. So soll Volkswagen auch die Suche nach externen Investoren für seine Batteriesparte eingestellt und Pläne für den Bau einer 2 Milliarden Euro teuren Elektroautofabrik in Deutschland aufgegeben haben.

Wandel im Markt und unter Konkurrenten

Der gesamte Automobilmarkt, einschließlich weiterer großer Namen wie Stellantis und Mercedes-Benz, sieht sich ähnlichen Herausforderungen gegenüber. Stellantis hat beispielsweise angekündigt, in Sachen Fahrzeugbau mit einem chinesischen Partner kooperieren zu wollen, um die Kosten zu senken. Mercedes-Benz wiederum hat Entwicklungen bei elektrischen Luxuslimousinen eingestellt und setzt länger auf Verbrennungsmotoren.

Auch BMW hat als immerhin erfolgreicher Anbieter von E-Autos vor den Plänen der EU gewarnt, den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor bis 2035 zu verbieten. Diese Politik soll vonseiten der europäischen Regulierungsbehörden 2026 ob der Machbarkeit aber ohnehin noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden.

Auch der Elektro-Pionier Tesla hat mit Blick auf das nachlassende Kundeninteresse inzwischen erhebliche Verluste erlitten, und alleine in diesem Jahr 235 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt. CEO Elon Musk kritisierte vor diesem Hintergrund andere Autohersteller von Elektroautos: „Die Akzeptanz von Elektroautos steht weltweit unter Druck, und viele andere Autohersteller ziehen sich bei Elektroautos zurück und setzen stattdessen auf Plug-in-Hybride.“

Spannungen in der Branche

In der Vergangenheit setzte Volkswagen stark auf die Elektrifizierung, insbesondere nachdem das Unternehmen aufgrund des Betrugs bei Abgastests zu einem harten Schwenk zu batteriebetriebenen Fahrzeugen gezwungen wurde. Herbert Diess, der damalige CEO, hatte 2019 angekündigt, in den nächsten zehn Jahren bis zu 75 vollelektrische Modelle auf den Markt zu bringen und betonte, dass sich Autohersteller schnell umstellen müssten, um zu überleben.

Diese „Elektroautos-oder-Pleite“-Strategie führte jedoch zu Spannungen innerhalb der Branche. Trotz der früheren aggressiven Elektrifizierungsmarschrichtung, die von Diess als Sieg in der Branche verkündet wurde, musste der aktuelle Vorstandsvorsitzende Oliver Blume die europäischen Regulierungsbehörden um Nachsicht bitten, da das Unternehmen auf dem besten Weg ist, seine Emissionsgrenzwerte im nächsten Jahr zu überschreiten –die Verbrenner verkaufen sich einfach noch zu gut.

Volkswagen wird aber natürlich auch weiterhin versuchen, die E-Mobilität voranzutreiben und plant nun strategische Partnerschaften, um verlorene Kunden zurückzugewinnen.

Quelle: finanzmarktwelt.de