Die Europäische Union arbeitet an einer umfassenden Reform der Zollvorgaben, die den stetig wachsenden Strom günstiger Sendungen aus Drittstaaten begrenzen soll. Große Plattformen wie Temu, Shein, AliExpress oder internationale Händler auf Amazon profitieren bislang davon, Waren mit geringem Wert nahezu ohne Abgaben in die EU zu liefern. Nach den aktuellen Beratungen der Finanzminister könnte sich das ändern. Für Verbraucher stellt sich dabei vor allem die Frage, ob Bestellungen künftig teurer werden.

Neue Vorgaben für faireren Wettbewerb

Der geplante Reformschritt folgt einem Vorschlag der EU-Kommission. Demnach sollen ab 2028 auch Waren unter 150 Euro zollpflichtig werden. Hintergrund ist die Annahme, dass ein erheblicher Teil der gelieferten Pakete mit zu niedrig angegebenem Wert deklariert wird. Die Kommission bewertet diese Praxis als Wettbewerbsnachteil für europäische Unternehmen, die sich an höhere Standards und Kostenstrukturen halten müssen. Zugleich führen Kleinstsendungen in großer Zahl zu logistischen Belastungen und zusätzlichem Verpackungsmüll. Nach Angaben der Kommission erreichten 2024 täglich rund zwölf Millionen dieser Pakete die EU. Auch deutsche Händler verweisen auf die Dimension: Hunderttausende Sendungen von Temu und Shein treffen jeden Tag allein in Deutschland ein.

Auswirkungen auf Handel und Kontrolle

Handelsverbände begrüßen den Reformansatz als notwendigen Schritt für fairere Marktbedingungen im Binnenmarkt. Sie betonen jedoch, dass Zollbehörden personell und technisch stärker ausgestattet werden müssten, um die angestrebte Kontrolle tatsächlich leisten zu können. Verbraucherschützer sehen ebenfalls Vorteile und verweisen auf Untersuchungen, die bei günstigen Produkten häufig Sicherheitsmängel festgestellt haben. Außerdem wird kritisiert, dass ein Start erst im Jahr 2028 zu spät komme. Auch große Plattformen signalisieren grundsätzlich Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit EU-Institutionen, sofern moderne und transparente Verfahren geschaffen werden.

Quelle: t3n.de