Die deutsche Autozulieferindustrie durchläuft aktuell das dunkle Tal einer tiefgreifenden Umbruchphase, die nicht zuletzt dem Übergang zur Elektromobilität geschuldet ist. Dieser Strukturwandel geht nämlich mit erheblichen Herausforderungen für die Branche einher, da Elektrofahrzeuge weniger Einzelteile benötigen als herkömmliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor – und das führt in der Folge zu einem reduzierten Bedarf an Arbeitskräften.

Ein aktuelles Beispiel für die sich verschärfende Lage ist die jüngst erfolgte Insolvenzanmeldung von Eissmann Automotive, einem namhaften Autozulieferer aus Bad Urach in Süddeutschland, sowie dessen Tochtergesellschaften. Gemäß eines Artikels des „Merkur“ könnten damit weltweit rund 5.000 Arbeitsplätze gefährdet sein, von denen alleine 1.000 auf Deutschland entfallen.

Rezession, hohe Kosten, Zinsentwicklung

Der Wechsel zu Elektromobilität ist jedoch nicht das einzige Problem, mit dem das Unternehmen zu kämpfen hat. Eissmann Automotive machte deutlich, dass die in den letzten Monaten eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen nicht ausreichten, um die Belastungen durch die anhaltende Rezession sowie steigende Energie- und Materialkosten und die Zinsentwicklung in Deutschland zu kompensieren.

Infolgedessen hat man sich gezwungen gesehen, Insolvenz anzumelden. Die Unsicherheit unter den Mitarbeitern nun natürlich entsprechend groß, immerhin sollen die Angestellten in Deutschland in den nächsten drei Monaten aber zumindest schon mal Insolvenzgeld erhalten.

Die Liste wird länger

Die Krisensituation in der Autozulieferindustrie ist leider kein Einzelfall. Andere Zulieferer wie ZF Friedrichshafen, Continental, Michelin und Goodyear mussten bereits Arbeitsplätze abbauen und Standorte schließen. Die gesamte Branche steht dieser Tage unter großem Druck, weshalb Eissmann Automotive voraussichtlich auch nicht das letzte Unternehmen sein wird, welches in die Insolvenz geht.

Doch auch über die Autoindustrie hinaus gibt es aus anderen Branchen immer mehr Berichte über Personalabbau in verschiedenen Sektoren, darunter der weltweit größte Schokoladenproduzent Barry Callebaut und der Pharmakonzern Bayer, die beide ebenfalls Entlassungen und Anreize für freiwillige Austritte angekündigt haben. Bayer ging dabei sogar soweit, bis zu 52 Monatsgehälter als Abfindung anzubieten.

Quelle: focus.de