Wie eine rasche Internetrecherche verrät, schläft der Deutsche auf sein gesamtes Leben gerechnet im Schnitt 24 Jahre lang. Der Schlaf ist von daher einer der integralsten Bestandteile unseres Daseins, doch obwohl wir gewissermaßen schon unser Leben lang üben, scheinen viele die Kunst des Schlafes mit den Jahren zu verlernen.

Eine Studie der Techniker-Krankenkasse aus dem Jahr 2017 ergab, dass ein Drittel der Befragten in Deutschland über Schlafprobleme klagt, wobei die Hälfte angibt, auf höchstens sechs Stunden Schlaf zu kommen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) kommt es insbesondere unter älteren Menschen häufig zu Schlafproblemen, wenngleich solche immer häufiger auch andere Altersgruppen betreffen.

Nun ist es eine weitverbreitete Annahme, dass man im Alter immer weniger Schlaf benötigt, aber stimmt das auch? Forscher aus den USA und China sind im Rahmen einer umfangreichen Studie eben jener Frage nachgegangen und haben die Ergebnisse nun im Fachblatt „Nature Aging“ veröffentlicht.

Die Experten haben dabei festgestellt, dass sieben Stunden Schlaf pro Nacht ideal für Menschen mittleren und höheren Alters sind.

Diese Empfehlung ergibt sich aus der Analyse der Daten von fast 500.000 Erwachsenen im Alter von 38 bis 73 Jahren, die in einer umfassenden britischen Datenbank, der„UK Biobank“, hinterlegt sind. Die Teilnehmer wurden zu ihrem Schlafverhalten, ihrer psychischen Gesundheit und ihrem Wohlbefinden befragt und absolvierten zudem kognitive Tests. Zusätzlich wurden für eine Teilgruppe von fast 40.000 Personen MRT-Bilder des Gehirns und genetische Daten ausgewertet.

Die Studie zeigte, dass sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf mit einer Verschlechterung der kognitiven Leistungen einhergeht. Die betroffenen Probanden wiesen eine geringere Aufmerksamkeitsspanne, langsamere Reaktionszeiten und schlechtere Problemlösungsfähigkeiten auf. Auch psychische Gesundheitsprobleme wie Angst- und Depressionssymptome traten hier häufiger auf.

Als Grund dafür vermuten die Forscher Störungen im sogenannten Slow-Wave-Schlaf, einem Teil des Tiefschlafs, zu der es kommen kann, wenn sich Beta-Amyloid-Moleküle anhäufen – Proteinablagerungen, die auch in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten als große Verklumpungen auftreten und im Verdacht stehen, das Absterben von Nervenzellen zu begünstigen.

Wie der Analyse der Hirnscans außerdem zu entnehmen war, korreliert die Schlafdauer mit Unterschieden in der Struktur bestimmter Hirnregionen, welche für die kognitive Verarbeitung und das Gedächtnis zuständig sind – so etwas auch der Hippocampus, das Gedächtniszentrum unseres Hirns.

Alles in allem kommen die Experten zu dem Schluss, dass sieben Stunden Schlaf pro Nacht der kognitiven Leistungsfähigkeit, dem allgemeinen Wohlbefinden und der psychischen Gesundheit von Menschen mittleren und höheren Alters am ehesten zugutekommen.

Die Autoren weisen zwar darauf hin, dass ihre Studie keine direkte Kausalität nachweist, die Ergebnisse jedoch darauf hindeuten, dass zu viel oder zu wenig Schlaf ein Risikofaktor für einen Rückgang der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter sein könnte.

Der Autor Jianfeng Feng betont: „Wir können zwar nicht endgültig sagen, dass zu wenig oder zu viel Schlaf kognitive Probleme verursacht, aber unsere Analyse, die Menschen über einen längeren Zeitraum hinweg betrachtet, scheint diese Idee zu unterstützen.“

Barbara Sahakian, eine Neuropsychologin und Mitautorin der Studie, fügt hinzu: „Wege zu finden, um den Schlaf älterer Menschen zu verbessern, könnte entscheidend sein, um ihnen zu helfen, ihre geistige Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu erhalten und einen kognitiven Abbau zu vermeiden, insbesondere bei Patienten mit psychiatrischen Störungen und Demenzerkrankungen.“

Die US-amerikanische „National Sleep Foundation“ (NSF) empfiehlt für Erwachsene sieben bis neun Stunden Schlaf, betont aber, dass das Schlafbedürfnis individuell verschieden ist.

Quelle: welt.de