Ab 2030 treten in der Europäischen Union neue Grenzwerte für Stickstoffdioxid in Kraft. Umweltverbände warnen bereits jetzt, dass die strengeren Vorgaben weitreichende Folgen für den Straßenverkehr haben könnten – bis hin zu Tempolimits auf Autobahnen.

Mit Inkrafttreten der strengeren Vorgaben sinkt der zulässige NO₂-Wert von 40 auf 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzender Christian Hierneis stellte in diesem Zusammenhang die Frage, ob dann auch auf besonders belasteten Autobahn-Abschnitten Tempo 30 eingeführt werden müsse.

Der Bund Naturschutz verweist auf die A99 bei München, die direkt am Neubaugebiet Freiham vorbeiführt und mit einem zusätzlichen Zubringer künftig noch stärker belastet wird. Schon heute liegen die Werte hoch, ab 2030 droht eine Überschreitung der neuen Limits.

Der Verband fordert deshalb einen Luftreinhalteplan zum Schutz der Anwohner und warnt, dass ohne konkrete Maßnahmen Klagen kaum zu verhindern seien. „Die Menschen sind es leid, gesundheitlichen Risiken durch zu viel Luftschadstoffe ausgesetzt zu sein. Klagen sind deshalb absehbar“, so Hierneis weiter.

Präzedenzfall Landshuter Allee

Als Beispiel wird die Landshuter Allee in München genannt, wo ein Gericht für einen etwa 2,5 Kilometer langen Abschnitt der Straße Tempo 30 zur Verbesserung der Luftqualität anordnete, nachdem die Deutsche Umwelthilfe Maßnahmen eingeklagt hatte.

Schon in den 1990er-Jahren gab es bei hoher Ozonbelastung zeitweilige Tempolimits. Ob solche Regeln auch für Elektroautos greifen würden, ist unklar. Sie stoßen lokal kein Stickstoffdioxid aus, was auch vor Gericht bereits Thema war. Eine steigende Zahl von E-Autos könnte helfen, die Werte einzuhalten. Solange jedoch die Verkehrsmengen zunehmen, dürfte die Debatte über Einschränkungen auf den Straßen nicht abreißen.

Eine hohe Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid kann vielfältige Folgen haben. Für die Gesundheit bedeutet dies vor allem eine Reizung der Atemwege, häufigeres Husten und Atemnot sowie eine Verschlechterung bestehender Erkrankungen wie Asthma oder chronischer Bronchitis. Langfristig steigt zudem das Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden und eine eingeschränkte Lungenfunktion.

Quelle: chip.de