Fünf Leute, viele Synths, noch mehr Adrenalin! Ja, die Electronic-Rocker Pendulum nach geschlagenen 15 Jahren mit ihrem neuen Dreher „Inertia“ wieder da. Ein Studioalbum nach wahrlich langer Funkstille und eins, das nicht auf Nostalgie setzt, sondern auf mächtigen Vorwärtsdrang. „Inertia“ wirkt einfach wie frisch gezündet mit richtig Tempo, Lautstärke aber auch kantig und differenziert genug, um die Feinheiten im Mix zu zeigen.

Wer also auf harte Drops, saftige Riffs und Hooks steht, die im Minutentakt zum Ohrwurm werden, fühlt sich hier sicherlich sofort abgeholt. Das Grundgerüst bleibt dabei unverkennbar. Pendulum denken halt massiv in Breakbeats, die wie Kolben schlagen, und in Bässen, die nach Subwoofer-Therapie verlangen. Hier knallen schlicht Elektronik, Rock, Industrial-Parts aufeinander. Dazu noch ein Schuss Trap als tragendes Element und fertig ist eine spannendes Comeback.

Die Tracks starten hierbei oft mit klaren Linien, reißen an, nehmen auch mal die Energie weg und schlagen Sekunden später doppelt so hart zurück. Eine packende Dynamik, die das Album hörbar lebendig macht. Nichts wirkt hierbei zusammengestückelt, alles greift ineinander. Das ist ohne Frage die große Stärke von „Inertia“. Außerdem haben Pendulum einmal mehr ein sehr gutes Händchen für Gäste, und hier spielen die Kollaborationen eine zentrale Rolle.

Mit Wargasm bekommt „Cannibal“ ein süß-heiseres Gegengift gegen die Gitarrenwucht. Bullet For My Valentine drehen bei „Halo“ das Riff-Rad bis zum Anschlag, ohne die Drum’n’Bass-DNA zu verdrängen. Scarlxrd bringt in „Mercy Killing“ diese ungezähmte, kratzige Energie, die die Kickdrum noch aggressiver wirken lässt. Joey Valance & Brae funken bei „Napalm“ Rap-Kadenz und Breakbeat-Raserei in einen einzigen Sprint. Awolnation bringen „Guiding Lights“ reichlich Eingängkeit, die einem lange im Kopf herumgeistert.

Hier haben sich Pendulum wieder einmal genau die passenden Kollabos ausgesucht, denn sie passen wie Faust aufs Auge. Auf der Platte überzeugen indes auch Tracks wie „Save the Cat“ und „Mercy Killing“, die herrliche Krawall-Momente innehaben. Der Song „Archangel“ überzuiegt dann mit cineastischen Synth-Teppichen. Auch das ruhige „Colourfast“ oder der Albumabschluss „Cartagena“ muss man hervorheben. Klanglich ist „Inertia“ kompromisslos sauber und vor allem lässt das Mastering Luft, sodass sich die Tracks entfalten können.

Ganz ehrlich, dieses Album schreit auch danach live auf der Bühne zu explodieren. Das Ergebnis ist ein Album, das sowohl den schnellen Adrenalin-Kick liefert als auch die Details, die erst beim zweiten, dritten Durchlauf aufpoppen. Kurz gesagt: „Inertia“ ist stark, weil es Momentum in Form gießt, dies konsequent, detailverliebt und ohne nostalgische Krücken. Alte Stärken werden genutzt, neue Texturen erweitert, und am Ende steht ein Set neuer Lieblingsmomente, das auf Kopfhörer funktioniert und live explodieren wird.

Pendulum „Inertia“ (Mushroom Music / Virgin Music Group / Integral) – VÖ: 05. September 2025 (digital seit dem 22.09.2025)

Tracklist: 01. Driver // 02. Come alive // 03. Save the cat // 04. Archangel // 05. Nothing for free // 06. Cannibal (feat. Wargasm) // 07. Constellations // 08. Halo (feat. Bullet For My Valentine) // 09. Louder than words (feat. Hybrid Minds) // 10. Napalm (feat. Joey Valence & Brae) // 11. The endless gaze // 12. Guiding lights (feat. Awolnation) // 13. Colourfast // 14. Silent spinner // 15. Mercy killing (feat. Scarlxrd) // 16. Cartagena