Beim SWR wollte man dem diesjährigen Sommerfestival wohl einen lockeren und amüsanten Touch verleihen und holte sich zum Bespaßen des Publikums Oliver Pocher ins Boot. Auf dem Stuttgarter Schlossplatz schoss der Comedian daraufhin 45 Minuten lang wie üblich aus allen Rohren – und soll dabei auch eine arglose Zuschauerin getroffen haben, die daraufhin angeblich tränenüberströmt behandelt werden musste.

Dass Pocher im Zuge seines Auftrittes Werbung für RTL-Formate wie „Let’s Dance“ und sich darüber lustig machte, dass er in der er „Stadt des Vizemeisters“ die Rundfunkgebühren verballere, mag man komisch finden oder auch nicht. Als der 46-Jährige dann aber zwei Frauen aus den vorderen ersten Reihen anging, hinterfragte wohl selbst das SWR-Team, ob es eine so gute Idee gewesen war, einen professionellen Streithahn zu engagieren.

Wie der "Focus" berichtet, hatte man mit Pocher als Topact bei der SWR-3-Comedyshow laut der Projektleiterin des SWR-Sommerfestivals, Nicola Thiel, eigentlich „ein neues Publikum“ anlocken wollen, käme der „Liebeskasper“ – als welchen sich Pocher im Rahmen seiner aktuellen Tour selbst bezeichnet – bei einer jungen Zielgruppe doch gut an. Dies sollte sich jedoch als Trugschluss erweisen.

Überschaubares Publikum für Pocher

Denn während sich 5.000 Besucher für die „Tatort“-Premiere selbst vom durchgängigen Regen nicht abschrecken ließen, und 4.000 Gäste dem Ausklang von Matthias Holtmann bei Pop & Poesie bei ebenfalls nassem Wetter beiwohnten, sollen sich für Pochers Auftritt lediglich 1.600 Interessierte eingefunden haben – und dabei war währenddessen ausnahmsweise mal gutes Wetter.

Seinem Publikum tischte Pocher dann mal wieder Zoten rund um seine Trennung von Frau Amira auf. Da er nun ja Neu-Single und von daher auf der Suche sei, mögen sich doch bitte alle melden, die ebenfalls Solo sind. Die kleine Menge gibt sich zurückhaltend, zwei Freundinnen aus den vorderen Reihen machen dann aber doch den Fehler, die Hände zu heben – Pochers Aufmerksamkeit und auch die der Kamera liegt nun auf den beiden Frauen.

Auf die Frage, wie lange sie denn schon Single sind, gibt eine der Beiden zu Protokoll, schon immer alleine gewesen zu sein. Pocher daraufhin gewohnt taktlos: „Aber geb*mst hast du schon?“ – nein, so die Antwort, hat sie nicht.

„Zuckerschnecke“

Der Comedian bohrt weiter nach, webt immer mal wieder sexuelle Anzüglichkeiten ein und will von der Frau wissen, wo und was sie arbeitet. Auch daraufhin erhält er eine wahrheitsgemäße Aussage und lässt es sich im Laufe der restlichen Show nicht nehmen, immer mal wieder auf die „Jungfräulichkeit“ der „Zuckerschnecke“ – wie Pocher die Frau nun jovial nennt – zu sprechen zu kommen. Sogar im Zuge seines Instagram-Live-Posts zum Abschluss des Auftritts, wird die Angelegenheit zum Thema.

Für Pocher und den Rest des Publikums ist die Nummer um 22.30 Uhr zu Ende, alle gehen. Zurückbleibt, wie der Focus weiter berichtet, eine verstörte junge Frau, die schließlich in den VIP-Bereich geführt werden muss, wo sie von Mitarbeitern des SWR betreut wird. Dabei sei ihr egal, dass Pocher fiese Witze auf ihre Kosten gemacht habe, jedoch sei sie nun in Sorge, dass dies mit Blick auf ihren Arbeitsplatz auf sie zurückfiele. Ihr Arbeitgeber würde es nämlich sicherlich gar nicht lustig finden, dass er im Scheinwerferlicht vor laufender Kamera genannt worden war.

Zwar beschwichtigt Projektleiterin Nicola Thiel, dass die Aufnahmen lediglich dem Publikum auf dem Schlossplatz auf der Leinwand gezeigt wurden, vergisst dabei aber offenbar, dass viele Menschen die Show mit ihrem Handy gefilmt und die Clips daraufhin in den sozialen Medien hochgeladen haben.

Allen voran ausgerechnet Pocher selbst.

Der Live-Post zum Abschluss, in dem es unter anderem um die Jungfräulichkeit der sichtlich eingeschüchterten Frau ging, unterfüttert von unflätigen Bemerkungen bezüglich ihres Jobs, landete kurz darauf auf seinem Instagram-Profil, dem immerhin 1,7 Millionen Menschen folgen. Auch auf YouTube ist der Clip mittlerweile zu finden.

Inzwischen hat sich der SWR von Pochers Äußerungen distanziert. Derartige verletzende Bloßstellungen hätten laut dem Sender in einem öffentlich-rechtlichen Angebot nichts verloren. Der Versuch, ein Publikum anzusprechen, das sonst nur unzureichend versorgt würde, sei in diesem Fall bedauerlicherweise völlig misslungen, heißt es weiter.

Quelle: focus.de