Die Dating-App Tinder ist wegen einer neuen Funktion in die Kritik geraten, dank der zahlende Nutzer die Körpergröße potenzieller Partnerinnen oder Partner vorab festlegen können. Wer die angegebene Mindestgröße nicht erfüllt, wird automatisch aus dem Suchprofil ausgeschlossen.
Die Funktion wurde zunächst durch einen Beitrag auf „Reddit“ öffentlich, in dem ein Nutzer einen Screenshot des neuen Auswahlfilters veröffentlichte. Wie das Technikportal „TechCrunch“ anschließend berichtete, bestätigte Tinder auf Anfrage die Echtheit des Features.
Verfügbar sei der Filter demnach derzeit ausschließlich für Nutzer mit Gold- oder Premium-Mitgliedschaft. Unklar bleibt allerdings, wie die Plattform die Körpergröße ihrer Mitglieder verifizieren will. Andere Anbieter wie Bumble bieten bereits ähnliche Funktionen an, jedoch ohne eine gesicherte Überprüfung der Angaben.
Die Einführung dieses sogenannten Körpergrößen-Filters dient aktuell nur zu Testzwecken, hat aber bereits eine breite Debatte über Oberflächlichkeit und gesellschaftliche Erwartungen beim digitalen Dating ausgelöst.
Kritiker werfen Tinder vor, dass durch solche Selektionsmechanismen körperliche Merkmale in den Vordergrund rücken und bestimmte Gruppen – in diesem Fall vor allem kleinere Männer – benachteiligt würden.
In den sozialen Netzwerken kam etwa die Frage auf: „Wie kann das NICHT Bodyshaming sein?“ Andere begrüßen die Möglichkeit der Differenzierung bei der Suche und fragen: „Wo ist der Filter für Körbchengrößen?“ oder fordern einen weiteren Filter für das Körpergewicht.
Wie die Psychotherapeutin Dr. Rüya Kocalevent im Gespräch mit „RTL“ äußerte, spiele die Körpergröße bei der Partnerwahl insbesondere für Frauen eine große Rolle. Sie werde häufig mit Eigenschaften wie Schutz, Stärke und traditioneller Versorgerrolle verknüpft.
Gleichzeitig hätten aber auch Männer gewisse Erwartungen an die Körpergröße in Partnerschaften – viele bevorzugten es laut Kocalevent, größer zu sein als ihre Partnerin, was teils auf gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen zurückzuführen ist, teils auf sexuellen Präferenzen.
Der „Spiegel“ verweist in diesem Zusammenhang auf Studien, denen zufolge kleine Männer und übergewichtige Frauen häufiger Benachteiligungen erfahren. Die Körpergröße fungiere damit nicht nur als biologisches Merkmal, sondern auch als Träger sozialer Zuschreibungen.
Ob und wann Tinder die neue Filter-Funktion dauerhaft einführt, ist bislang offen.
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