Der Insolvenzzug rollt weiterhin ungebremst durch Deutschland und hat ein weiteres Opfer gefunden, welches nach zähem Ringen nun endgültig die Segel streichen muss. Nachdem das Insolvenzverfahren bereits zum Ende des letzten Jahres eingeleitet worden war, musste das bayerische Fahrzeugbau-Unternehmen Martin Reisch den Betrieb komplett einstellen. Status: Dauerhaft geschlossen.
Die Insolvenzanmeldung des Herstellers für Agrarfahrzeuge war im November 2023 beim Amtsgericht Ingolstadt erfolgt, nachdem die beiden Schwestergesellschaften Martin Reisch GmbH und die Martin Reisch Eliasbrunn GmbH aufgrund einer massiv rückläufigen Auftragslage in finanzielle Nöte geraten waren. Schuld daran war nicht nur die seit 2022 angespannte Marktsituation im Agrarsektor, auch die Produktionsanlagen des Unternehmens entsprachen nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik.
Ein darauffolgendes vorläufiges Insolvenzverfahren sollte sicherstellen, dass die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter bis mindestens Ende Januar 2024 weiterfließen. Das Unternehmen aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen wollte die Zeit für die Suche nach neuen Investoren nutzen, wurde dabei jedoch nicht fündig. Nun folgt die Betriebsauflösung, die letzten Fahrzeuge wurden im März produziert, der aktuell noch hohe Fahrzeugbestand werde mit Rabatten an Kunden abverkauft.
Den 150 Mitarbeitern am Hauptsitz in Ehekirchen-Hollenbach und den 50 Beschäftigten im thüringischen Eliasbrunn wurde dementsprechend bereits die Kündigung ausgesprochen. Für die ehemaligen Angestellten gibt es aus Sicht des Insolvenzverwalters Volker Böhm und auch der Gewerkschaft IG Metall allerdings durchaus Grund zur Hoffnung, sei das Interesse an den Beschäftigten aus der Produktion mit Blick auf den Mangel an qualifizierten Fachkräften in der Region doch groß.
„Erfreulicherweise haben sich bei mir bereits Unternehmer aus der Region gemeldet und ihr starkes Interesse an Mitarbeitern aus der Fertigung bekundet, zu denen wir auch gleich den Kontakt hergestellt haben“, zitiert der Bayrische Rundfunk Böhm. Demnach habe man gut einem Drittel der Belegschaft bereits eine neue Stelle vermitteln können.
Die Reisch-Gruppe war ursprünglich 1951 gegründet worden. Noch im Jahr 2022 hatte man dort knapp 1.100 Fahrzeuge produziert und mit den rund 200 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro erwirtschaftet.
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