Die rockenden Alternative-Metaller Chevelle legen mit „Bright As Blasphemy“ nach und klingen so fokussiert wie lange nicht mehr. Dabei trägt „Bright As Blasphemy“ seinen Widerspruch schon im Namen. Nämlich hell leuchtend und dennoch dunkel aufgeladen. Chevelle nutzen genau diese Spannung, um ein Studioalbum zu bauen, das kompakt wirkt, aber immer wieder große Räume aufreißt.

Die Band bleibt hierbei ihrem Kern treu mit treibenden Riffs, markanten Hooklines und diesem zischenden Drumming. Alles so sauber zusammengesetzt, dass die Tracks auch ohne ausufernde Effekte sofort zünden. Wer Gitarrenalben mag, die Druck mit Detailarbeit verbinden, findet hier eine Menge Ansatzpunkte fürs Dauerhören.

Massiver Groove statt Schnörkel

Der auffälligste Trumpf liegt im Timing. Viele Songs starten mit klaren, rhythmisch akzentuierten Gitarren, die den Puls setzen, bevor der prägende Gesang den Bogen spannt. Das Schlagzeug schiebt nach vorn, ohne das Tempo zu überzeichnen, und lässt trotzdem genug Luft, damit Bass und Vocals wirken können. Dieses Wechselspiel sorgt für reichlich Dynamik und noch mehr Groove. „Wolves (Love and Light)“ ist dabei der typische Nacken-Tester.

Ein Riff wie ein Seilzug, der permanent anzieht und im Refrain noch einmal nachlegt. „Jim Jones (Cowards Part 2)“ stellt indes die schärfere, düstere Seite heraus. Der Song arbeitet mit kantigen Strophen und einem Refrain, der nicht mit Wucht überrennt, sondern sich stetig vergrößert. Ein dramaturgischer Trick, der in dieser Bandbreite nur dann funktioniert, wenn Arrangement und Sound aufgeräumt sind.

Ganz anders „Hallucinations“ und „Blood In The Fields“, denn beide Songs bauen Atmosphäre über Textur statt Tempo auf. Das Ergebnis ist ein Sog, der beharrlich eine kalte und metallische Stimmung schafft, aber mit ausreichend melodischem Unterfutter. „AI Phobias“ schließlich deutet an, wie viel Experimentierfreude möglich ist.

„Bright As Blasphemy“ wirkt jedenfalls wie ein zielgerichteter Sprint mit neun Tracks. Statt ständig neue Elemente anzuhäufen, werden vorhandene Ideen in ihrer besten Form präsentiert – Hooks, die sitzen; Breaks, die Sinn ergeben; Brücken, die nicht bloß verbinden, sondern tragen. Gerade in den Refrains blitzt immer wieder diese typische Chevelle-Melancholie durch, die den Songs trotz Hartgeld-Anteil eine gewisse Wärme verleiht.

So entstehen Momente, die unter die Haut gehen, ohne nach Pathos zu klingen. Für Hörerinnen und Hörer, die Chevelle seit den 2000ern auf dem Zettel haben, ist „Bright As Blasphemy“ ein Lehrstück darin, wie man eine Handschrift weiterentwickelt, ohne sie zu verwässern. Die typischen Bestandteile sind da, mit großen Riffs, tiefen Groove und klaren Refrains. Aber sie sind enger verschraubt, präziser akzentuiert mit sphärischer Melodie, um sich festzubeißen und genug Heaviness, um Druck zu machen. Einfach ein packendes Chevelle Album, so wie man sie kennt und feiert.

Chevelle „Bright As Blasphemy“ (Alchemy Records) – VÖ: 15. August 2025

Tracklist: 01. Pale Horse // 02. Rabbit Hole (Cowards, Pt. 1) // 03. Jim Jones (Cowards, Pt. 2) // 04. Hallucinations // 05. Wolves (Love & Light) // 06. Karma Goddess // 07. Blood out in the Fields // 08. Al Phobias // 09. Shocked at the end of the world