Auf der Autobahn 3 zwischen Prag und Linz erprobt Tschechien derzeit ein neues System für wechselnde Tempolimits. Kern des Projekts sind elektronische Verkehrsschilder, die je nach Wetterlage und Verkehrsfluss unterschiedliche Geschwindigkeiten anzeigen. Ziel ist es, die bisherige starre Regelung auf Autobahnen flexibler zu gestalten und Fahrern unter günstigen Bedingungen mehr Spielraum zu geben.
Normalerweise liegt das Tempolimit in Tschechien auf Autobahnen bei 130 Kilometern pro Stunde. Im Rahmen des Tests darf das Tempo auf ausgewählten Abschnitten jedoch auf bis zu 150 Kilometer pro Stunde angehoben werden. Entscheidend ist dabei die jeweilige Verkehrssituation. Bei Regen, Sturm oder eingeschränkter Sicht wird automatisch wieder die ursprüngliche Grenze von 130 Kilometern pro Stunde aktiviert. Das System soll so mehr Sicherheit gewährleisten, gleichzeitig aber den Verkehrsfluss verbessern, wenn es die äußeren Umstände erlauben.
Für den Versuch werden 42 dynamische Verkehrsschilder installiert. Die Kosten belaufen sich auf rund 2,2 Millionen Euro. Mit diesem Ansatz reiht sich Tschechien in eine Gruppe von Ländern ein, die verschiedene Formen flexibler Temporegelungen erproben. In den Niederlanden etwa war jahrelang ein Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde verbindlich, bevor auf einzelnen Streckenabschnitten wieder höhere Geschwindigkeiten erlaubt wurden. Die tschechische Verkehrsverwaltung will nach der Testphase prüfen, ob das Modell auf weitere Autobahnen ausgeweitet werden kann.
Verkehrsexperten mahnen allerdings zur Vorsicht, da höhere Richtgeschwindigkeiten insbesondere bei erhöhtem Geschwindigkeitsgefälle zwischen Fahrzeugen auch potenziell schwerere Unfälle zur Folge haben könnten. Die laufende Testphase soll zeigen, inwieweit sich höhere Geschwindigkeiten verantwortbar in den tschechischen Autobahnverkehr integrieren lassen.
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