Stell dir vor, du machst in Luxus, und keiner will ihn haben. Vor einem solchen Dilemma steht aktuell Mercedes mit seinem AMG SL.

Der Mercedes AMG SL ist fraglos eine Ikone unter den Sportwagen. Wie sich nun aber mal wieder zeigt, garantiert ein guter Ruf alleine noch keinen Verkaufsschlager. Die Absatzzahlen des technisch hochgezüchteten Luxus-Modells sind nämlich absolut desaströs.

Die aus Sicht des Autobauers katastrophale Lage verdeutlicht sich schon am Beispiel des deutschen Marktes. Hierzulande wurden im Jahr 2024 gerade einmal 1.045 Neuzulassungen verzeichnet, was einem Rückgang von 61 Prozent entspricht. Auch in den USA zeigt sich ein ähnliches Bild, wo der Verkauf im vergangenen Jahr um 56 Prozent eingebrochen ist. Läppische 1.608 Exemplare konnte man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten absetzen.

Einer der wesentlichen Gründe für diesen Fehlschlag dürfte wohl der hohe Preis sein. Das Topmodell schlägt in Deutschland mit immerhin 225.624 Euro zu Buche. Die muss man in Zeiten wie diesen erst mal auf der hohen Kante haben. Zudem haben es Limousinen und Coupés dieser Tage ohnehin schwer, sich gegen den anhaltenden SUV-Trend zu behaupten.

Kritik am Luxuskurs

In diesem Segment ist Mercedes am amerikanischen Markt immer noch eine Macht. Der AMG GT verkauft sich nach wie vor prächtig, die GLE-Klasse dominiert sogar als meistverkauftes Modell in Nordamerika. Dimitris Psillakis, CEO von Mercedes-Benz USA, betont von daher zwar die Stärke des Premium-Segments, doch der Misserfolg des SL wirft Schatten auf das Image des Unternehmens.

Der Konzern verfolgt seit einigen Jahren eine Luxusstrategie, welche Mercedes zunächst einen Gewinn von 14,5 Milliarden Euro im Jahr 2023 bescherte. Der Fokus auf teurer Autos hat jedoch auch Kritik an dieser Strategie aufkommen lassen.

In einem offenen Brief haben Mercedes-Verkäufer die Herangehensweise etwa als „gierig“ bezeichnet und warnen davor, dass viele Kunden nicht mehr bereit sind, die immensen Preiserhöhungen mitzutragen und stattdessen mit Konkurrenzmarken wie Audi und BMW liebäugeln.

Wen wundert’s wenn man sich vor Augen hält, dass der durchschnittliche Verkaufspreis eines Mercedes von im Jahr 2019 noch 51.000 Euro inzwischen auf 74.600 Euro gestiegen ist.

Quelle: t-online.de