Der US-amerikanische Hersteller Lucid Motors hat mit einem Elektroauto kürzlich einen neuen Weltrekord aufgestellt. Mit dem Lucid Air Grand Touring legte man laut Unternehmensangaben die Strecke von St. Moritz in der Schweiz über Österreich bis nach München mit nur einer Batterieladung zurück.
In Zahlen sind das ganze 1.205 Kilometer. Damit wurde der bisherige Reichweitenrekord von Mercedes, der erst im Juni 2025 bei einer Fahrt in Japan aufgestellt worden war, um satte 160 Kilometer übertroffen. Das Guinness-Buch der Rekorde hat den Wert bestätigt und führt Lucid Motors in der Kategorie „Weiteste Reise eines Elektroautos mit einer Ladung“.
Einfach hat es sich der US-Autobauer in Sachen Streckenführung nicht gemacht. Sankt Moritz liegt auf etwa 1.800 Metern über dem Meeresspiegel, während München auf rund 500 Metern liegt. Auf dem Weg durch die Alpen wurde zunächst der Bodensee mit 400 Metern als tiefster Punkt passiert, anschließend führte die Route bergauf bis zum Arlbergtunnel auf über 1.200 Metern. Diese Höhenunterschiede sowie wechselnde Wetterbedingungen beeinflussten die Reichweite während der Rekordfahrt maßgeblich.
Der Grand Touring leistet 831 PS, erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h und verbraucht laut Herstellerangaben 13,5 kWh pro 100 Kilometer. Die offizielle WLTP-Reichweite liegt bei 960 Kilometern. Im Vergleich dazu erreichte das Fahrzeug auf der Rekordstrecke eine deutlich höhere Distanz, was laut Lucid Motors die Effizienz des Modells unter realen Bedingungen unterstreicht.
In Deutschland ist der Lucid Air bereits in mehreren Varianten erhältlich. Der Air Pure startet ab 85.000 Euro, der Air Touring bei 99.900 Euro, während das Topmodell Air Sapphire mit einem Listenpreis von 250.000 Euro geführt wird. Der Grand Touring, mit dem die Rekordfahrt absolviert wurde, kostet mindestens 129.900 Euro.
Bisher ist die Marke in Deutschland jedoch kaum verbreitet. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts waren im April hierzulande nur etwas mehr als 500 Lucid-Fahrzeuge zugelassen, was bei den inzwischen rund 1,7 Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen einem sehr geringen Marktanteil entspricht.
Das soll sich durch eine umfassende Expansionsstrategie für Europa aber bald ändern. Lucid Motors plant, seine Markenpräsenz innerhalb der nächsten 18 Monate auf Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien auszuweiten. Auch Belgien und Dänemark stehen als Zielmärkte auf dem Plan.
Während Lucid selbst von einem „neuen Maßstab in der Elektromobilität“ spricht, messen Branchenexperten solchen Rekordfahrten weniger Bedeutung bei. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) erklärte etwa, dass die Relevanz von besonders hoher Reichweite immer weiter abnehme. Das immer besser ausgebaute Schnellladenetz in Deutschland sowie das typische Fahrverhalten mit regelmäßigen Pausen mache extrem hohe Reichweiten zunehmend überflüssig.
Bratzel wies zudem darauf hin, dass die Rekordfahrt stark vom Gefälle der Strecke profitiert habe und es sich deshalb primär um eine Marketingmaßnahme handele. Dennoch könne eine solche Aktion dazu beitragen, bestehende Bedenken potenzieller Käufer gegenüber der Alltagstauglichkeit von Elektroautos zu verringern.
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