Seit ihrer Gründung im Jahr 1996 haben Linkin Park bis heute Musikgeschichte geschrieben und das Nu-Metal-Genre nachhaltig geprägt. Mit ihrer Mischung aus kraftvollen Texten, innovativen Sounds und über 100 Millionen verkauften Alben weltweit prägten sie die Rockszene über Jahrzehnte hinweg.
Doch der tragische Verlust von Chester Bennington im Jahr 2017 hinterließ nicht nur eine tiefe Lücke in der Band, sondern auch im Herzen ihrer treuen Fans. Nun, sieben Jahre nach ihrem letzten Werk „One More Light“, kehren Linkin Park mit ihrem neuen Studioalbum „From Zero“ zurück – und überraschen mit einem emotionalen Neustart und frischen Gesichtern.
Die wohl größte Überraschung des Albums ist natürlich die neue Co-Sängerin Emily Armstrong. Die 38-jährige Künstlerin, die zuvor bei Dead Sara am Mikro stand, bringt frischen Wind in die Band. Mit ihrer rauen, aber auch sanften Stimme fügt sie sich harmonisch in den Sound von Linkin Park ein und füllt dabei eine Rolle aus, die viele für unmöglich hielten: die gigantische Lücke, die Bennington hinterlassen hat. Doch Emily überzeugt mit ihrem Mut und ihrer Leidenschaft, die sowohl in den Studioaufnahmen als auch bei Live-Auftritten spürbar sind.
Ihre kraftvolle und zugleich gefühlvolle Stimme verleiht der Band eine neue Dimension. Emily tritt dabei jedoch nicht in die Fußstapfen von Chester Bennington, sondern setzt ihre eigenen Akzente, was die musikalische Entwicklung von Linkin Park spürbar vorantreibt. Sie bringt eine beeindruckende Bandbreite mit – mal rau, mal zart, immer aber emotional durchdrungen.
Neben Emily bringt Colin Brittain als neuer Schlagzeuger und Produzent eine zusätzliche Dynamik in die Band. Sein kraftvoller und vielseitiger Stil ergänzt die musikalische Abwechslung des Albums, während seine Produktion den neuen Tracks eine moderne, aber dennoch vertraute Note verleiht. Zusammen bringen die beiden Neuzugänge frische Impulse und schaffen eine neue Dynamik, die den Klang von Linkin Park hörbar weiterentwickelt.
„From Zero“ beginnt kraftvoll mit der Leadsingle „The Emptiness Machine“. Bereits hier zeigt Emily Armstrong ihre beeindruckende Präsenz. Mit einer Mischung aus wütender Energie und emotionaler Tiefe reißt sie förmlich mit. Der kratzige, leidenschaftliche Refrain geht unter die Haut und zeigt, dass Linkin Park bereit ist, ihre musikalische Reise neu zu definieren. Diese Intensität zieht sich durch das gesamte Album und wird durch vielseitige Kompositionen ergänzt.
Das Album bietet daher weit mehr als nur einen explosiven Auftakt. Tracks wie „Heavy Is The Crown“ und „Over Each Other“ zeigen die Band von ihrer gefühlvollen Seite. „Over Each Other“ entwickelt sich zur gefühlvollen Hymne, während „Casualty“ mit einem treibenden Rhythmus und fast schon hardcoreartigen Elementen überrascht. Hier zeigt Colin Brittain, wie vielseitig er als Schlagzeuger ist, indem er das Tempo drastisch anzieht und Armstrongs Gesang mitreißend in Szene setzt.
Die zweite Hälfte des Albums schlägt indes ruhigere Töne an. Tracks wie „Cut The Bridge“ und „Overflow“ erkunden atmosphärische Klanglandschaften, die einen spannenden Kontrast zu den intensiven Songs der ersten Hälfte bilden. Diese Stücke zeigen die Band von einer experimentellen Seite und erweitern ihr Repertoire um sphärische und nachdenkliche Elemente. Mit „Two Faced“ gelingt es der Band dann, ihre Wurzeln im Nu-Metal zu feiern.
Der Track erinnert stark an „Hybrid Theory“ und beweist, dass dieses Genre auch heute noch zeitgemäß und spannend klingen kann. Besonders hervorzuheben ist die Halbballade „Stained“, die durch ihre emotionale Intensität berührt. Das Album schließt mit „Good Things Go“, einem epischen und gleichzeitig sanften Finale. Dieser Song vereint alle Elemente, die „From Zero“ auszeichnen: eine moderne Produktion, emotionale Texte und die perfekte Balance zwischen traditionellen und neuen Klängen.
„From Zero“ ist alles in allem mehr als nur ein weiteres Album in der Diskografie von Linkin Park – es ist ein Statement. Es zeigt, dass die Band auch nach schweren Schicksalsschlägen bereit ist, weiterzugehen und neue Wege zu erkunden. Emily Armstrong beeindruckt nicht nur als Sängerin, sondern etabliert sich als fester Bestandteil der Band. Ihre Präsenz und ihr Talent sind ein Gewinn für Linkin Park und verleihen ihrer Musik eine neue Tiefe.
Trotz der neuen Einflüsse bleibt die Band ihrer Identität treu. Der unverwechselbare Mix aus Mike Shinodas einprägsamem Rap, Mr. Hahns elektronischen Elementen und den tiefgründigen Texten sorgt dafür, dass sich „From Zero“ wie ein typisches Linkin-Park-Album anfühlt – und doch gleichzeitig wie ein mutiger Schritt in eine neue Ära.
Mit ihrem neuen Album haben Linkin Park den Spagat zwischen Tradition und Innovation meisterhaft bewältigt. „From Zero“ ist ein starkes Zeichen dafür, dass die Band weiterhin bereit ist, Risiken einzugehen und dabei die Essenz dessen zu bewahren, was sie für ihre Fans so besonders macht. Ein Neustart, der die Skepsis vieler Kritiker verstummen lässt und die Vorfreude auf das, was noch kommt, neu entfacht.
Linkin Park „From Zero“ (Warner Records/Warner Music) // VÖ: 15.11.2024Tracklist: 01. From Zero (Intro) // 02. The Emptiness Machine // 03. Cut The Bridge // 04. Heavy Is The Crown // 05. Over Each Other // 06. Casualty // 07. Overflow // 08. Two Faced // 09. Stained // 10. IGYEIH // 11. Good Things Go

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