„Mayhem“ – allein schon beim Titel dürften Lady-Gaga-Fans sofort mit den Hufen scharren und sich fragen, was die Popikone sich diesmal hat einfallen lassen. Ihr neuestes Werk, das gleichzeitig ihr siebtes Studioalbum darstellt, lockt mit einem wilden Mix aus nostalgischer Pop-Energie und mutigen Experimenten. Man merkt sofort, dass Lady Gaga wieder richtig Bock auf den Dancefloor hat: Treibende Beats, eingängige Synths und dieser unverkennbare Drive, der ihre frühen Songs schon so außergewöhnlich gemacht hat.

Rückkehr ins Rampenlicht

Doch „Mayhem“ bleibt nicht bloß beim Aufwärmen früherer Erfolge stehen – hier geht es auch um Weiterentwicklung, die bei ihr so zuvor noch nicht zu hören war. „Mayhem“ dreht sich rund um das Thema Chaos und Wandel, was sich in den Tracks immer wieder widerspiegelt. Von ekstatischen Dance-Nummern bis hin zu rockig angehauchten Stücken ist alles dabei, was Gagas Fangemeinde zum Ausrasten bringen dürfte. Stilistisch knüpft die Sängerin hier und da an ihre Wurzeln an. Songs wie „Disease“ oder „Garden of Eden“ erinnern stellenweise an ihre ganz frühen Pop-Smasher und zaubern sofort ein Grinsen ins Gesicht aller, die ihren typischen Sound lieben.

Mit „Abracadabra“ legt sie dann noch einen drauf und serviert einen waschechten Ohrwurm, der sich sofort im Kopf einnistet und den ganzen Tag dort rumschwirrt. Aber keine Angst, Gaga bleibt auch auf „Mayhem“ experimentierfreudig. „Killah“ hat ein elektrisierendes Flair, das in seiner Extravaganz und seinem Hauch von Glam gerne an David Bowies Spacigkeit denken lässt. Währenddessen zieht „Zombieboy“ mit seinen lockeren 80er-Disco-Vibes direkt auf die Tanzfläche, wo Glitzerkugeln über den Köpfen rotieren. Sieht man in Gedanken schon Föhnfrisuren, Lederjacken und Neonfarben? Ziemlich wahrscheinlich.

Genau diese Portion an Retro-Feeling mischt Gaga mit frischem Produktionssound, sodass ein herrlicher Spagat zwischen alt und neu entsteht. Auch bei Stücken wie „Don't Call Tonight“ hört man Anleihen aus verschiedenen Dekaden, ohne dass das Endergebnis je aus der Zeit gefallen wirkt. Da darf dann auch so eine wundervolle Ballade wie „Blade of Gras“ nicht fehlen. In ihren neuen Songs stecken spürbar Einflüsse von Michael Jackson, Prince, David Bowie und Madonna oder auch George Michael und Gwen Stefani.

Dennoch bleibt es typisch Gaga. Ein Paradebeispiel dafür ist das Stück „Perfect Celebrity“. Hier rüttelt die Künstlerin mit einer genüsslichen Satire an den Klischees des Star-Daseins, was unweigerlich zum Mitschmunzeln einlädt. All das beweist, dass Gaga sich zwar von Ikonen inspirieren lässt, aber am Ende immer ihr eigenes Ding durchzieht. Im Gegensatz zu düsteren Klängen früherer Epochen à la „Born This Way“ oder „The Fame Monster“ klingt „Mayhem“ positiv geladen, fast schon euphorisch.

Zwischen Pop, Rock und purer Gaga-DNA

Lady Gaga wirkt wie neu befeuert, als hätte sie eine Extraportion Tatendrang, die sie jetzt – endlich wieder – in heftigen Pop-Hymnen verpackt. Die Kombination aus handfesten Beats, dominanten 80er-Synthies und modern produzierten Elementen kommt einem Befreiungsschlag gleich. Besonders spannend wird es, wenn sich ein Track langsam aufbaut, um dann doch in eine Rock-Schiene zu rutschen oder umgekehrt plötzlich mit Disco-Flair aus der Kurve zu schießen. Bei der Produktion haben Andrew Watt und Cirkut maßgeblich die Fäden in der Hand gehalten. Diese beiden Namen stehen für dicke Sounds, und davon hat „Mayhem“ eine Menge zu bieten.

Man hat an keiner Stelle das Gefühl, dass hier irgendetwas halbherzig zusammengekleistert wurde. Jeder Song bringt seine eigene Note mit, bleibt aber gleichzeitig Teil eines großen Ganzen, das in sich stimmig wirkt. Lady Gagas Gesang hat sowieso immer Wiedererkennungswert, aber in diesem Album betont sie ihre stimmliche Bandbreite noch stärker. Von lauten, elektrisierenden Pop-Momenten bis hin zu passagenweise rockig angehauchten Parts kriegt man alles zu hören. Insgesamt breitet sich über den gesamten Longplayer eine mächtige Ladung Energie aus, die Pop-, Rock- und Dance-Fans gleichermaßen abholt.

Gaga klingt stellenweise wie in ihren Anfangstagen – nur eben mit dem Wissen und der Erfahrung von heute. „Mayhem“ vereint nicht nur die nostalgischen Aspekte ihrer Karriere, sondern überrascht gleichzeitig mit neuen Facetten, die sie gekonnt auslotet. Die Tracks sind variationsreich, mal große Popgesten, mal humorvolle Seitenhiebe, mal rasante Dance-Beats. Durchweg spürt man, wie viel Spaß Lady Gaga an diesem Projekt hatte und mit welchem Elan sie es vorantreibt.

Wer auf energiegeladene Musik mit einem Schuss Glamour und Selbstironie steht, sollte sich „Mayhem“ also definitiv nicht entgehen lassen. Denn dieses Album ist ein wilder Trip voller Kontraste, bei dem man nie genau weiß, was als nächstes passiert – und genau das macht es so spannend für Fans und Musikliebhaber aller Genres. Willkommen zurück auf dem Pop-Olymp Lady Gaga!

Anspieltipps: Perfect Celebrity, Zombieboy, Don’t Call Tonight, Abracadabra, Disease und Blade of Gras

Lady Gaga „Mayhem“ (Universal Music) // VÖ: 07.03.2025

Tracklist: 01. Disease // 02. Abracadabra // 03. Garden of Eden // 04. Perfect Celebrity // 05. Vanish Into You // 06. Killah ft. Gesaffelstein // 07. Zombieboy // 08. LoveDrug // 09. How Bad Do U Want Me // 10. Don't Call Tonight // 11. Shadow Of A Man // 12. The Beast // 13. Blade of Grass // 14. Die With A Smile with Bruno Mars