Jede Generation hat bekanntlich so ihre Eigenheiten. Das gilt nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Eltern. Und eines der ganz großen Anliegen der Erziehungsberechtigten von heute sind die scherzhaft „Elterntaxis“ genannten Fahrdienste für den Nachwuchs.
Wir wissen nicht, wie es euch geht, aber zu unserer Zeit waren die Straßen vor der ersten Schulglocke voll mit Fahrrad fahrenden Schülern auf dem Weg zum Unterricht. Heutzutage sind es hingegen SUVs mit gestressten Müttern und Vätern, die ihre Kinder bis direkt vor die Tür zur Schule kutschieren.
Dieser Trend hat vor allem in den besser situierten Bevölkerungsschichten dermaßen große Ausmaße angenommen, dass sich auf den Straßen vor den Schulen inzwischen regelmäßig bedenklich lange Autoschlangen bilden. Dies ist nicht nur im Sinne der Erziehung zur Selbstständigkeit fragwürdig, sondern stellt auch eine Gefährdung des Verkehrs an sich dar.
In München hat man genau davon nun aber die Nase voll und plant eine radikale Gegenmaßnahme. In dem Bestreben, das Verkehrsaufkommen und die damit verbundenen Gefahren vor Schulen zu minimieren, will die bayerische Landeshauptstadt in der Nähe von Bildungseinrichtungen Straßensperren aufstellen.
Auf diese Art soll die Anfahrt mit den Elterntaxis direkt vor die Schuleingänge unterbunden werden. Geht es nach der Stadtverwaltung, werden die Bringdienste künftig stattdessen auf spezielle Haltezonen umgeleitet, die einige hundert Meter von den Schulen entfernt liegen. Die Kinder müssten den Rest der Strecke dann zu Fuß zurücklegen, was sie ermutigen soll, am Verkehrsgeschehen zu partizipieren, und nicht zuletzt auch der körperlichen Fitness dient.
Die Münchner Polizei steht hinter diesem Vorhaben und betont die Vorteile für die Sicherheit und Selbstständigkeit der Schulkinder. Einige Schulen in München haben bereits mit Pilotprojekten begonnen, um die Machbarkeit und Effektivität dieser sogenannten „Schulstraßen“ zu testen.
Die Stadtverwaltung plant indes ein umfassendes Konzept, das möglicherweise schon im kommenden Schuljahr umgesetzt werden könnte. Die endgültige Entscheidung über die Implementierung der Straßensperren steht jedoch noch aus.
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