„The Sound a Body Makes When It’s Still“ ist da und Hot Mulligan klingen, als hätten sie das Post-Emo-Labor über Nacht gemietet, alle Regler auf „Warum nicht?“ gedreht und erst wieder abgeschlossen, als sechzehn frische Tracks durch die Tür gehüpft sind. Wer die Band bislang für ihre Mischung aus Emo-Nostalgie, Pop-Punk und schnörkelloser Ehrlichkeit mochte, bekommt mit der neuen Studioplatte die konzentrierte Dosis.
Nur eben noch mal gereifter, ernsthafter, fokussierter und trotzdem mit genau dem verschmitzten Augenzwinkern, das seit ihrem Debüt „Pilot“ an ihnen klebt. Die 16 neuen Songs sind hörbar im Kollektiv entstanden: fünf Leute im Raum, Ideen rein, Song raus. Genau so klingt „The Sound a Body Makes When It’s Still“. Nämlich so herrlich roh, spontan, ohne diese Studioglätte, die in diesem Genre schnell alles auf Hochglanz bügelt. Die Produktion setzt indes auf Dynamik statt Perfektionismus. Dadurch wirken die Tracks wie Momentaufnahmen statt wie durchoptimierte Produkte.
Gleich der Opener „Moving to Bed Bug Island“ setzt dabei den Rahmen: ruhig, klar und ohne großes Pathos. Er führt in die Stimmung des Albums ein, bevor das Tempo merklich anzieht und die Band ihre melodische, direkte Seite zeigt. Diese Linie ziehen die folgenden Songs weiter und machen schnell deutlich, warum Hot Mulligan so gut funktionieren. Die Tracks gehen einfach schnurstracks ins Ohr, behalten aber genug Kanten, um spannend zu bleiben. Stark ist auch „Mix Master Wade on the Beat“, der den Gitarren spürbar mehr Raum gibt und die Melodien breiter öffnet, während der Gesang nah und verletzlich klingt.
„Slumdog Scungillionaire“ legt in Sachen Intensität nach und steigert sich nach lebhaften Passagen zu einem knackigen Höhepunkt. Hier wird hörbar, dass die Band Kontraste nicht als Showeinlage nutzt, sondern gezielt, um die Aussage der Songs zu schärfen. Dass Hot Mulligan trotzdem den Spaß nicht verlieren, zeigen „Bon Jonah“ und „It Smells Like Fudge Axe in Here“. Beide Tracks punkten mit leichten Hooks, treibendem Schlagzeug und einem lässigen Ton, der sofort zündet. Ein besonderes Highlight ist „Carbon Monoxide Hotel“.
Der Song vereint die Stärken des Albums. Nämlich eine zugängliche Melodie, nachdenkliche Texte und ein Arrangement, das im Refrain genau dann größer wird, wenn es nötig ist. Mit „Milam Minute“ öffnet die Band schließlich die leise Seite. Akustikgitarre, etwas Klavier und eine reduzierte Begleitung, die zeigt, dass weniger hier tatsächlich mehr Wirkung hat. Inhaltlich bleibt das Album nah an Alltagsthemen. Das Songwriting wirkt generell gereift, die Arrangements sind sorgfältiger gebaut, und der Mix setzt klare Prioritäten, ohne die Spontaneität zu verlieren.
Über 16 Tracks hinweg bekommen Hörerinnen und Hörer also eingängige Refrains und Texte, die ohne Umwege funktionieren. So klingt eine Band, die gewachsen ist und ihre Stärken heute noch präziser ausspielt. Für Musik-Fans, die mit Emo groß geworden sind, Pop-Punk immer noch im Blut haben und trotzdem keine Lust auf Nostalgie-Archiv haben, liefert „The Sound a Body Makes When It’s Still“ genau den Sweet Spot den man sucht. Man kann das laut im Auto hören, leise im Kopfhörer zerlegen oder live gegen die Decke singen – alles funktioniert. „The Sound a Body Makes When It’s Still“ ist nicht die Antwort auf alle Fragen, aber es stellt die richtigen. Und manchmal ist genau das die Musik, die man gerade braucht.

Tracklist: 01. Moving to Bed Bug Island // 02. And a Big Load // 03. It Smells Like Fudge Axe in Here // 04. Island in the Sun (feat. Corey Castro of Free Throw) // 05. Bon Jonah // 06. This Makes Me Yummy // 07. Monica Lewinskibidi // 08. Milam Minute // 09. Cream of Wheat of Feet New Cream of (feat) // 10. Mix Master Wade On The Beat // 11. Carbon Monoxide Hotel // 12. This Makes Me Yucky // 13. Let Me See Your Mounts // 14. Monster Burger and a $5 Beer // 15. Slumdog Scungillionaire // 16. My Dad Told Me To Write a Nice One For Nana So This Is It
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