Mit der steigenden Anzahl an Online-Bestellungen wächst auch das Paket-Volumen in Deutschland. Die Logistikbranche steht daher unter enormem Druck, den wachsenden Bedarf an Zustellungen effizient und kostengünstig zu decken.
Eine der Lösungen, die vor allem für führende Unternehmen wie DHL und DPD zunehmend an Bedeutung gewinnt, sind Packstationen. Dank dieser kann der Kunde seine Pakete nämlich selbst abholen, anstatt auf eine Lieferung bis zur Haustür zu warten. Das reduziert nicht nur die Zustellkosten, sondern entlastet auch die Paketboten.
DHL plant daher, sein Netz an Packstationen in den kommenden Jahren massiv auszubauen. Bis 2030 soll die Anzahl der Abhol- und Abgabestationen von derzeit 15.000 auf 30.000 verdoppelt werden. Zum Vergleich: 2018 gab es noch rund 3.500 Stationen, heute sind es bereits viermal so viele.
Zu den aktuell etwa 14.200 Pack- und 800 Poststationen kommen demnächst vonseiten der Tochtergesellschaft DeinFach noch weitere Automaten, die nicht nur von DHL, sondern auch von anderen Paketdiensten und Einzelhändlern genutzt werden können.
Doch auch die Konkurrenz ist in diesem Bereich aktiv. So haben GLS und DPD bereits angekündigt, bis 2027 gemeinsam rund 3.000 Packstationen betreiben zu wollen – derzeit sind es derer gerade einmal rund 100. Der österreichische Anbieter myflexbox, der bereits Stationen für verschiedene Paketdienste betreibt, plant außerdem, sein Netz von aktuell 460 auf mindestens 5.000 Stationen bis 2030 zu erhöhen.
Der verstärkte Ausbau der Packstationen ist vor allem auf die zunehmende Nachfrage nach flexibler Paketabholung zurückzuführen. DPD-Manager Michael Knaupe erklärt, dass immer mehr Kunden ihre Pakete lieber selbst abholen, anstatt auf die Zustellung durch den Paketboten zu warten. DHL-Vorständin Nikola Hagleitner ergänzt, dass die Wege dank der zunehmend dichteren Automaten-Infrastruktur immer kürzer werden und auch das Problem der überfüllten Stationen entsprechend kleiner werde.
Neben dem Kundenkomfort spielen aber wohl vorrangig wirtschaftliche Gründe eine Rolle beim Ausbau. DHL betont, dass es deutlich günstiger ist, mehrere Pakete an einer Station zu bündeln, als sie einzeln an die Haushalte zu liefern. Automaten werden dabei gezielt an stark frequentierten Orten wie Supermärkten, Bahnhöfen, Tankstellen oder öffentlichen Plätzen platziert, um die insbesondere in Stoßzeiten Zustellstrukturen zu entlasten.
Der Ausbau des Automatennetzes stößt jedoch auf bürokratische Hürden, die insbesondere in Deutschland eine schnellere Umsetzung erschweren. DPD-Manager Knaupe kritisiert, dass in Ländern wie Polen und Estland Automaten deutlich schneller aufgestellt werden können, während in Deutschland viele behördliche Genehmigungen erforderlich sind. Dies führt dazu, dass insbesondere in Ost- und Nordeuropa eine höhere Dichte an Automaten existiert, in einigen Ländern gebe es schon gar keine Haustürzustellungen mehr.
Der Deutsche Städtetag äußerte hingegen bereits Bedenken hinsichtlich möglicher Verkehrsprobleme durch falsch parkende Autos an den Automaten. Besonders in städtischen Gebieten, in denen der Raum begrenzt ist, müsse der Standort von Packstationen sorgfältig ausgewählt werden. Idealerweise sollten Automaten in Gebäuden oder auf privaten Flächen installiert werden, um negative Auswirkungen auf den Verkehr zu vermeiden.
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