In Deutschland wird aktuell und zum ersten Mal der Einsatz von Scan-Fahrzeugen zur Kontrolle des ruhenden Verkehrs erprobt. Hintergrund ist ein neues Gesetz, welches seit März 2025 in Baden-Württemberg den Einsatz automatisierter Kontrollsysteme in speziell ausgestatteten Fahrzeugen erlaubt.

Der erste Pilotversuch dieser Art läuft derzeit im Umfeld der Universität Hohenheim in Stuttgart. In diesem Testgebiet überwacht ein Scan-Auto die sechs Parkzonen des Campus. Laut Angaben des Verkehrsministeriums gelten dort ideale Voraussetzungen, da Parkberechtigungen über Automaten gelöst werden, bei denen die Kennzeichen digital eingegeben werden müssen.

Die Technik ermöglicht die automatisierte Erfassung der Kennzeichen parkender Fahrzeuge über Kameras auf dem Fahrzeugdach des Scan-Pkws. Im Vorbeifahren werden diese Daten dann direkt mit einer digitalen Datenbank abgeglichen.

Das System ist demnach überall dort einsetzbar, wo Parkberechtigungen wie Tickets, Bewohnerausweise oder Sondergenehmigungen digital hinterlegt sind. Neben der Überprüfung kostenpflichtiger Stellplätze können die Fahrzeuge aber auch Verstöße auf Gehwegen, Radstreifen, Busspuren sowie in Kreuzungs- und Überwegbereichen feststellen.

1.000 Fahrzeuge pro Stunde

Das Verkehrsministerium lobt die deutlich höhere Effizienz dieser Technologie im Vergleich zu dem bisherigen Vorgehen. Während ein Mitarbeiter zu Fuß lediglich etwa 50 Fahrzeuge pro Stunde kontrollieren könne, schaffe ein Scan-Fahrzeug mit nur einer Person am Steuer bis zu 1.000 Fahrzeuge in derselben Zeit.

Die Technik soll künftig Städten und Gemeinden helfen, ihren Parkraum effektiver zu überwachen, kommunale Ordnungskräfte dadurch jedoch nicht ersetzen – lediglich ergänzen. Einige Städte in Baden-Württemberg haben mit Blick auf Personalmangel bereits Interesse an dem neuen System bekundet. Freiburg plant bereits die Teilnahme an einem Pilotprojekt, Mannheim hat sich beim Ministerium als Modellstadt beworben. Heidelberg und Heilbronn prüfen derzeit die Möglichkeit, die Technologie ebenfalls einzusetzen.

In anderen Ländern wie Frankreich und den Niederlanden wird die Technik bereits genutzt. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums verweist in diesem Zusammenhang auf durchweg positive Rückmeldungen. In Amsterdam sei der finanzielle Aufwand für Parkraumkontrollen beispielsweise um etwa die Hälfte gesunken. Zudem habe sich gezeigt, dass Mitarbeiter durch den automatisierten Ablauf weniger häufig Ziel von Anfeindungen seien.

Und der Datenschutz?

Wie das Verkehrsministerium weiter erklärt, werden bei jeder Kontrolle das Kennzeichen, der Standort, der Zeitpunkt sowie ein Bild des geparkten Fahrzeugs erfasst. Stimmen die gescannten Daten mit gültigen Berechtigungen überein, werden sie sofort gelöscht. Im Falle eines Parkverstoßes bleiben sie bis zum Abschluss des Bußgeldverfahrens gespeichert. Personen, die zufällig im Bild sind, werden automatisch verpixelt. Die eingesetzten Fahrzeuge sind zudem deutlich als solche gekennzeichnet, außerdem sollen Bereiche mit aktiven Kontrollen beschildert werden.

Quelle: golem.de