Fünf Jahre Funkstille im Deftones-Lager – seit „OHMS“ ist einiges an Staub auf den Verstärkern gelandet. Doch jetzt brennt das Lämpchen wieder grün mit ihrem neuen Album „private music“. Und keine Sorge, die Kalifornier haben nicht plötzlich Lust auf Lagerfeuer-Pop bekommen. Dieses zehnte Studioalbum klingt nämlich so sehr nach Deftones, dass man beim ersten Ton automatisch die Schultern leicht anspannt – im besten Sinne!
Entstanden sind elf neue Tracks, die die unglaubliche Eigenständigkeit dieser „speziellen“ Band von Anfang bis Ende unterstreichen. Es ist ein Deftones-Album durch und durch, ohne musikalische Umwege mit allen Trademarks der Band. Kein Schnickschnack, kein Umweg – einfach Deftones. Eben mit all diesen Disharmonien, die auf ausgeklügelte Melodien treffen – zum quälend-leidenden, einfach einzigartigen Gesang von Chino.
Schlicht der unvergleichbare Deftones-Klangkosmos, der diese Band über all die Jahrzehnte geprägt hat. Da muss man aufpassen, nicht in wilde Lobhudelei zu verfallen, so kraftvoll und direkt ist die Platte geworden. Ohne an Vielseitigkeit zu verlieren, wohlgemerkt, haben Deftones hier doch ordentlich kreative Soundstrukturen erschaffen, die jeder Nummer einen anderen Touch verleihen, aber am Ende alles zu einem großen Gesamtkunstwerk verweben. „private music“ fühlt sich aber auch wie ein Bogen zu den frühen Tagen an, nur aufgeräumter und moderner.
Die Band traut sich, Strukturen offener zu denken, aber niemals so, dass man den Faden verliert. Jeder Track hat seinen eigenen Dreh, trotzdem passt alles zusammen. Die Produktion von Nick Raskulinecz macht dabei einen großen Unterschied. Die Platte hat Klarheit und Punch. Stark ist auch die Dynamik. Es gibt ruhige, fast schwebende Momente, die nicht lange alleine bleiben. Wenn die Band anzieht, knallt es – aber kontrolliert. Genau diese Balance lässt die Songs hängen bleiben. Man kann das Album am Stück durchhören und merkt schnell, dass hier kein Füllmaterial versteckt ist.
Es ist eine mächtige Scheibe geworden, die eine unbeschreibliche Kraft und Volumen ausstrahlt. Hinzu kommt, dass die Wechsel von ruhigen, fast schon sphärischen Phasen und wirklich wütenden Ausbrüchen in den Bann ziehen. Ein wahres Klangerlebnis ohne Leerlauf mit reichlich Energie und Emotionen, die eine unvergleichliche Eigendynamik entwickeln. Ein meisterhaftes Werk, bei dem man keinen Song herausnehmen sollte. Hören, genießen und sich von der Musik aufsaugen lassen.
So darf man sich abermals auf eine Achterbahnfahrt freuen, die man so schnell nicht vergessen wird. Das auf eines der besten Deftones-Alben! Alleine dies zu schaffen, war bei den Kracher-Alben in ihrer Historie kein Leichtes. Einfach ganz großes Musikkino aus dem kalifornischen Sacramento, dass im besten Sinne auch irgendwie an eine weiterentwickelte Version ihres Meisterwerks „White Pony“ erinnert. Wenn man also Lust auf ein Deftones-Album hat, das ohne Umwege funktioniert und trotzdem Tiefe hat, findet man genau das auf „private music“!
Tracklist: 01. my mind is a mountain // 02. locked club // 03. Ecdysis // 04. infinite source // 05. Souvenir // 06. cXz // 07. i think about you all the time // 08. milk of the madonna // 09. cut hands // 10. ~metal dream // 11. departing the body
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