Mit dem 14. Studioalbum „The Screaming Of The Valkyries“ melden sich die britischen Extrem-Metaller Cradle of Filth zurück und laden treue Gefährten düsterer Klänge in ihr bedrohliches Klanguniversum ein. Seit Jahren bewegt sich die Truppe um Frontmann Dani Filth irgendwo zwischen symphonischer Finsternis, aggressiven Riffs und einer unverwechselbaren Mischung aus Gekreische und Growls. Genau diese Vielfalt spiegelt sich auch in ihrem neuesten Werk wider.
Wer sich also nach einer Portion dunkler Energie sehnt, dürfte bei diesen Walküren-Schreien bestens bedient sein. Im Vergleich zum Vorgänger „Existence Is Futile“ schwingt hier eine besonders atmosphärische Note mit, die jedoch keineswegs die Härte ausbremst, sondern vielmehr für zusätzliche Tiefe sorgt. Gleichzeitig behält die Band ihren charakteristischen Sound bei. Ein Bündnis aus brachialen Twin-Gitarren, tief grollenden Bass, klirrenden Drums und aufwendigen Keyboard-Passagen.
Dass Dani Filths Vocals immer noch in die Knochen fahren, versteht sich von selbst – zwischen infernalischen Schreien und kehligem Grollen tobt hier sein typisches stimmliches Unwetter. Es wäre ein Leichtes gewesen, nur die guten alten Zeiten zu beschwören. Stattdessen wagt „The Screaming Of The Valkyries“ einen Spagat. Zum einen verbeugen sich Cradle of Filth vor ihren klassischen Werken wie „Dusk... And Her Embrace“ und „Cruelty and the Beast“, indem gelegentlich altvertraute Melodiebögen oder atmosphärische Zwischenspiele aufblitzen.
Zum anderen demonstrieren sie eine hörbare Weiterentwicklung, die selbst Skeptiker überzeugen könnte. So finden sich überraschend eingängige Momente, die gerade Neuankömmlinge in die schwärzesten Tiefen locken, ohne dabei die Wurzeln im Extreme Metal aufzugeben. Songs wie „Demagoguery“ oder „Non Omnis Moriar" vereinen all die Markenzeichen, die Fans an dieser Band zu schätzen gelernt haben. Nämliche sinistre Orchestrierung, ratternde Doublebass-Salven und Frontmann Dani Filth, der zwischen eisigem Gekreisch und dunklem Flüstern pendelt.
Ein weiteres Ausrufezeichen setzt das Album durch seine dynamische Produktion, die weder zu glatt noch zu roh klingt. Es ist genug Druck vorhanden, um die Heaviness der Band zu transportieren, während gleichzeitig Raum für epische Einsprengsel geschaffen wird. Diese Symbiose macht sich besonders bezahlt, wenn die orchestralen Teile auf die donnernden Gitarren treffen und gemeinsam zu einem finsteren Crescendo anwachsen. Da beschleicht einen das Gefühl, inmitten eines stürmischen Horror-Soundtracks zu stehen, während über einem die Walküren kreischend ihren Siegesflug antreten.
Wer Cradle of Filth schon länger begleitet, wird viele vertraute Elemente entdecken und dennoch eine frische Brise wahrnehmen. Gerade diese Gratwanderung ist eine Stärke des neuen Materials. Im Kern bleibt sich die Band treu, spinnt ihren Sound aber konsequent weiter. Das sorgt nicht nur für Abwechslung, sondern hält die Spannung von Track zu Track aufrecht. Absolute Highlights sind hier ohne Frage auch „The Trinity Of Shadows“, „White Hellebore“ und „When Misery Was A Stranger“.
„The Screaming Of The Valkyries“ ist keine leichte Kost, aber das hat auch niemand erwartet. Die Band hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie sich in morbiden Themen und bedrohlicher Klanggestaltung besonders wohlfühlt. Dank der vielfältigen Kompositionen wirkt das Album jedoch auf keinen Fall eindimensional. Man wird vielmehr hineingezogen in einen Mahlstrom aus rasanten Blastbeats und symphonischem Bombast, der gleichermaßen vereinnahmend wie unheilvoll ist. Wer sich ein bisschen Zeit nimmt, entdeckt immer wieder neue Nuancen.
Ein Highlight ist sicherlich Dani Filths Gesang, der einmal mehr eindrucksvoll beweist, wie wandelbar seine Stimme sein kann. Ob schneidendes Kreischen oder tiefe Growls – das Spektrum wirkt angenehm vielseitig. Auch das Zusammenspiel zwischen instrumentalem Bombast und Vocals ist stimmig. Keyboarder und Gitarristen wechseln sich zwischen melodiösen Linien und brachialen Attacken ab, sodass man pausenlos von einem Extrem ins nächste katapultiert wird.
Diese orchestrale Wucht passt zu den düsteren Themen des Albums, die immer wieder um Wahnsinn, Verfall und die Macht dunkler Mächte kreisen. Fans, die sich an kompromissloser Härte, epischer Instrumentierung und einer Prise theatralischem Wahnsinn erfreuen, dürften an „The Screaming Of The Valkyries“ ihre helle oder besser gesagt, finstere Freude haben.

Tracklist: 01. To Live Deliciously // 02. Demagoguery // 03. The Trinity Of Shadows // 04. Non Omnis Moriar // 05. White Hellebore // 06. You Are My Nautilus // 07. Malignant Perfection // 08. Ex Sanguine Draculae // 09. When Misery Was A Stranger
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