„Vaxis III: The Father Of Make Believe“ ist das neueste Studioalbum von Coheed and Cambria und richtet sich an alle, die auf sphärischen Rock mit tiefgründiger Story stehen. Die New Yorker haben sich schließlich nie damit begnügt, bloß ein paar Songs aneinanderzureihen. Stattdessen spinnt die Band um den charismatischen Claudio Sanchez seit über zwanzig Jahren ihr eigenes Science-Fiction-Universum und laden ihre Fans damit auf eine Reise ein, die weit über einfache Ohrwürmer hinausgeht.
Diesmal knüpfen sie am Vaxis-Handlungsstrang an und führen ihre epische Geschichte mit neuem Schwung fort. Man merkt bereits nach wenigen Takten, wie konsequent sie ihre galaktischen Ideen in Musik gießen und damit eine mitreißende Mischung schaffen. Bereits die zurückliegenden Kapitel ihrer sogenannten The Amory Wars-Saga hatten Coheed and Cambria in neue Gefilde geführt. Das Vorgängeralbum „Vaxis Act II: A Window of the Waking Mind“ rückte eingängigere Parts in den Vordergrund und würzte sie mit kleinen Pop-Elementen.
Auf „Vaxis III: The Father Of Make Believe“ legen die vier Musiker nun noch eine Schippe drauf, indem sie ihre progressiven Wurzeln, Metal-Anleihen und melodische Eingängigkeit zu einem großen Ganzen verschmelzen. Trotz massiver Riffs und teils verschachtelter Arrangements wirken die 14 Tracks unvergleichlich nahbar. Wer sich tiefer in die Klangwelt hineinwagt, entdeckt jede Menge Feinheiten und Versatzstücke aus verschiedensten Stilrichtungen.
Auffällig ist, wie nahtlos die Songs ineinandergreifen. Einerseits finden sich kraftvolle Brecher wie „Goodbye, Sunshine“ mit altbewährter Oldschool-Attitüde und einem Refrain, der für Dauergrinsen sorgt. Andererseits gibt es mit „Someone Who Can“ eine fast schon 80s-inspirierte Nummer, die wie ein grooviger Rückblick auf eine Zeit klingt, in der große Chöre und synthiegetränkte Melodien das Radio beherrschten. Als wäre das nicht genug, punktet die Band mit großen Emotionen in Songs wie „One Last Miracle“, dessen Chorus sich sofort ins Gedächtnis frisst und dort zum Ohrwurm reift. Ein weiterer dieser Hit-Songs ist ohne Frage auch „Searching for Tomorrow“.
Genau diese Bandbreite macht das Album so unterhaltsam. Mal liefern Coheed and Cambria harte Riffs und treibende Drums, mal tauchen sie komplett in atmosphärische Soundlandschaften ein. Besonders spannend wird es bei „The Continuum“, das in vier Akte unterteilt ist. Hier verschmelzen epische Arrangements mit eingängigen Hooks zu einem Stück, das mit zum Besten gehört was die Jungs bis dato rausgehauenhaben.
„The Continuum II: The Flood“ etwa zeigt in ihrer epischen Note, wie sehr Coheed and Cambria seit ihrem Bestehen gereift sind. Sie bleiben sich insofern treu, dass sie immer noch auf verzwickte Gitarren und variantenreiches Songwriting setzen. Gleichzeitig klingen sie so lebendig wie nie zuvor, was in den vielschichtigen, aber dennoch einladenden Kompositionen deutlich wird. Wer schon länger dabei ist, wird indes in „The Continuum I: Welcome To Forever, Mr Nobody“ jene klassische Handschrift erkennen, die Coheed and Cambria einst groß gemacht hat – pulsierende Rock-Energie trifft auf ungewöhnliche Wendungen und ausgefeilte Melodien.
Und trotzdem fühlt sich dieses Album keineswegs nostalgisch an, sondern eher wie ein geschickter Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Das Resultat ist ein in sich geschlossenes Werk, bei dem mit jedem Hördurchgang neue Details ans Licht kommen.
„Vaxis III: The Father Of Make Believe“ zeigt eindrucksvoll, dass die Band immer wieder Lust auf Veränderung hat, ohne die eigenen Wurzeln zu vergessen. Der hohe Standard in Sachen Produktion, Songwriting und Storytelling sorgt dafür, dass sich kaum ein Lied abhebt, weil das gesamte Album auf einem durchgehend starken Niveau agiert.
Vielmehr passt hier alles zusammen und entführt in eine Sci-Fi-Welt voller Abenteuer, Dramatik und mächtiger Hymnen. Jeder Track hat das Potenzial, Ohren und Herz zu erobern. Und für alle, die musikalische Grenzgänge lieben, ist das neue Album ein idealer Einstieg in Coheed and Cambrias faszinierendes Universum. Ob man den tanzbaren, popaffinen Passagen erliegt oder sich eher in die wuchtigen Gitarrengewitter verliebt – das zehnte Studioalbum der New Yorker packt auf ganzer Linie.
Während viele andere Bands nach so langer Zeit schon auf der Stelle treten, beweisen Claudio Sanchez und seine Truppe, dass sie noch immer hungrig sind. Und genau deshalb liefern sie mit „Vaxis III: The Father Of Make Believe“ eines ihrer besten Alben ab!
Tracklist: 01. Yesterday's Lost // 02. Goodbye, Sunshine // 03. Searching for Tomorrow // 04. The Father of Make Believe // 05. Meri of Mercy // 06. Blind Side Sonny // 07. Play the Poet // 08. One Last Miracle // 09. Corner My Confidence // 10. Someone Who Can // 11. The Continuum I: Welcome to Forever, Mr Nobody // 12. The Continuum II: The Flood // 13. The Continuum III: Tethered Together // 14. The Continuum IV: So It Goes
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