Die Debatte um ein Böllerverbot flammt jedes Jahr aufs Neue wenige Tage vor Silvester auf, nur um am 1. Januar wieder im Sande zu verlaufen. Doch dieses Jahr wollen die Initiatoren einer Petition der Polizeigewerkschaft (GdP) genau das verhindern. Ihre klare Botschaft:

„Das dürfen wir dieses Jahr nicht zulassen. Denn wir können nicht jedes Jahr die gleiche ergebnislose Leier spielen, wenn das Leben von Menschen durch frei verkäufliche Pyrotechnik mutwillig und fahrlässig gefährdet wird!“ Die Petition fordert ein umfassendes Verbot privater Pyrotechnik, wie es in vielen anderen Ländern bereits praktiziert wird.

Forderung nach einem Böllerverbot

Dies umfasst auch ein Verkaufsverbot für all jene, die nicht beruflich mit Feuerwerk zu tun haben. Statt chaotischer Zustände und Verletzungen sollen organisierte Veranstaltungen für eine sichere Alternative sorgen. „Jahr für Jahr geben unsere Einsatzkräfte alles, verzichten auf Kosten ihrer Familien auf Silvester, um für andere da zu sein. Dafür riskieren sie ihr Leib und Leben. Denn Böller werden als Waffen gegen sie eingesetzt“, heißt es weiter in der Petition.

Die Forderung ist auch eine Reaktion auf die erschreckende Bilanz der vergangenen Silvesternacht: In Berlin registrierte die Polizei 1.453 silvestertypische Straftaten, ein Anstieg um 125 Vorfälle im Vergleich zum Vorjahr. 58 Polizisten und ein Rettungsdienstmitarbeiter wurden angegriffen, 17 von ihnen verletzt – acht davon durch Pyrotechnik. Bundesweit starben fünf Menschen durch Feuerwerkskörper, und Hunderte wurden verletzt, darunter viele Kinder. Die Berliner Gesundheitsverwaltung zählte 363 Verletzte allein in der Hauptstadt.

Breiter gesellschaftlicher Rückenwind

Die Petition stützt sich auf breite Zustimmung: Mehr als 1,7 Millionen Menschen haben sich bisher angeschlossen, ein klares Signal für den Gesetzgeber. Der Sprecher der Berliner GdP, Benjamin Jendro, erklärt: „Es gibt keine gesetzlichen Hürden, hier etwas zu machen. Sich zurückzulehnen und auf den Bund zu zeigen, reicht nicht aus.“ Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) unterstützt die Initiative.

Ihr Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sagt: „Gegen die chaotischen Zustände zum Jahreswechsel hilft nur ein generelles Böllerverbot. Die Böllerei an Silvester verursacht immense Schäden. Zahlreiche Menschen werden auch mit legalen Böllern jedes Jahr verstümmelt, schwer verbrannt oder sogar getötet.“ Mit bereits fast 1,8 Millionen (1.769.419 / Stand 7.1.2025) Unterschriften ist die Petition daher nicht nur ein Symbol für den Wunsch nach mehr Sicherheit, sondern auch ein starker Appell an die Politik, endlich zu handeln.

Umwelt- und Tierschutz im Fokus

Neben der Gewaltproblematik liefert die Silvesterknallerei jedes Jahr auch andere belastende Konsequenzen. So entstehen durch das Zünden von Feuerwerk riesige Mengen Feinstaub. Der Grenzwert von 50 Mikrogramm, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, wird allein in dieser Nacht um ein Vielfaches überschritten. Hinzu kommen enorme Mengen an Müll, die oft tagelang liegenbleiben, und negative Auswirkungen auf alle Tiere. Besonders Wild- und Haustiere leiden unter dem plötzlichen Lärm und Licht.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) fordert daher schon seit Jahren eine Beschränkung auf zentral organisierte Feuerwerke. Studien zeigen, dass insbesondere Vögel stark auf Feuerwerk reagieren. Sie flüchten in große Höhen, verlassen ihre Rastgebiete für Tage und verbrauchen wertvolle Energiereserven. Wasservögel reagieren auf Feuerwerk sogar in einem Umkreis von bis zu sieben Kilometern.

Quelle: innn.it/boellerverbot