Was kommt dabei heraus, wenn ein Hamburger Gewürzspezialist auf eine der größten Fantasy-Franchises aller Zeiten trifft? Vier Gewürzkreationen, die Gollum, Samweis, Gandalf und Gimli auf ziemlich unterschiedliche Weise kulinarisch interpretieren. Frei nach dem Motto: Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden – und vier Gewürze, um anschließend etwas Ordentliches zu essen.

Wir haben ausprobiert, ob die Gemeinschaft auch auf dem Teller zusammenhält und zu jeder der vier Mischungen eines der von Ankerkraut vorgeschlagenen Rezepte nachgekocht. Herausgekommen sind Kabeljau mit Curry-Dill-Sauce, Kartoffelsuppe, Hähnchenbrust in cremiger Tomatensauce und eine Currywurst-Soße nach Zwergenart, die heißer brannte als die Lava des Schicksalsbergs.

Vier Gefährten im Gewürzregal

Ankerkraut-typisch kleben hier nicht einfach nur Franchise-Etiketten auf Gläsern mit Standardgewürzen. Stattdessen stellen die Nordlichter diverse und teils unerwartete Zutaten zusammen, die das jeweilige Grundthema gekonnt interpretieren.

„Mein Schatz“ gehört zu Gollum und ist eine Currymischung für Fisch, Meeresfrüchte oder Geflügel. „Tüften Pott“ widmet sich Samweis' inniger Beziehung zur Kartoffel, während „Baumwächters Bester“ mit seiner grünen Farbe und der Ausrichtung als BBQ-Rub in Richtung Fangorn blickt. Und dann wäre da noch „Zwergendämmerung“, die mit Bhut Jolokia über das Schlachtfeld pflügt wie Gimli mit seiner Axt.

Alle vier Mischungen kommen in den für Ankerkraut typischen Korkengläsern. Die Box enthält 60 Gramm „Mein Schatz“, 105 Gramm „Tüften Pott“, 100 Gramm „Baumwächters Bester“ und 90 Gramm „Zwergendämmerung“. Sämtliche Gewürze sind einzeln oder gemeinsam in der Geschenk-Box erhältlich.

Uns als Fans des Themas spricht die Aufmachung der Gläser mit den gold schimmernden Lettern auf den farblich harmonisch aufeinander abgestimmten Etiketten direkt an. Schön auch, dass sich die Bezeichnungen nicht einfach plump der Namen bekannter Charaktere bedienen, sondern Motive aus Mittelerde aufgreifen.

Etwas unterwältigt sind wir dagegen von der Geschenk-Box, für die Ankerkraut immerhin einen spürbaren Preisaufschlag verlangt. Der Magnetverschluss gefällt und eine silberne Ankerkraut-Prägung verleiht der schwarzen Schachtel einen durchaus wertigen Touch. Im Inneren stecken die vier Gläser allerdings lediglich in einem recht zweckmäßigen Papp-Inlay. Vor allem aber hängt der gesamte „Herr der Ringe“-Bezug der Verpackung an der bedruckten Banderole. Ist die erst einmal abgezogen, deutet bei geschlossener Box nichts mehr darauf hin, dass hier eigentlich Gewürze aus Mittelerde schlummern.

Für eine spezielle Fan-Edition hätten wir uns etwas mehr Liebe zum Detail gewünscht. Die findet sich dafür bei den passenden Rezepten auf der Ankerkraut-Webseite, die mit zahlreichen sympathischen Anspielungen auf Mittelerde gespickt sind. Wir haben uns entsprechend motiviert ins Kochabenteuer gestürzt.

„Mein Schatz“: Gollum kann auch Curry

Den Anfang macht „Mein Schatz“. Kurkuma bildet die Basis, hinzu kommen unter anderem Bockshornkleesaat, Koriander, Ingwer, Kümmel und Chili sowie Muskatnuss, Piment, Kardamom und Nelken. Ankerkraut empfiehlt ein bis zwei Esslöffel für zwei Portionen Curry und verortet die Mischung bei Fisch, Meeresfrüchten und Geflügel.

Wir testeten die Mischung an einem Kabeljau-Rezept, bei dem der Fisch zunächst mit Salz, Pfeffer und der Hälfte von insgesamt zwei Teelöffeln „Mein Schatz“ gewürzt und angebraten wird. Aus Schalotte, Knoblauch, Sahne, Gemüsebrühe, Honig, Dill und Limettensaft entsteht anschließend die Sauce, in der auch die zweite Hälfte der Gewürzmischung landet.

Das Ergebnis überraschte vor allem durch seine Zurückhaltung. „Mein Schatz“ war in der cremigen Sauce klar vorhanden, riss das Gericht aber keineswegs an sich. Der Dill blieb geschmacklich deutlich im Vordergrund, während sich die Currynote vornehm zurückhielt. Erst nach und nach kam eine sanfte, fast samtige Schärfe hinzu.

Wer beim Wort Curry einen wuchtigen Gewürzangriff erwartet, könnte von der eleganten Hintergründigkeit daher womöglich enttäuscht sein. Zu dem vergleichsweise milden Kabeljau passte das allerdings hervorragend. In diesem Gericht versteht sich „Mein Schatz“ eher darauf, die übrigen Zutaten zusammenzubringen, statt sie zu beherrschen. Gollum darf also den Weg zeigen, bekommt aber nicht die Kontrolle über die Küche.

„Tüften Pott“: Man kocht sie, stampft sie …

Von Samweis Gamdschie haben wir gelernt: Kartoffeln sind nicht irgendeine Beilage. Man kocht sie, stampft sie, tut sie in die Suppe – oder macht einen „Tüften Pott“ daraus. Die Zutatenliste liest sich entsprechend bodenständig: Neben Meersalz stecken unter anderem getrocknete Karotte, Zwiebel, Lauch, Knoblauch, Liebstöckel, Petersilie, Lorbeer, Majoran und Steinpilz im Glas. Dazu kommen Hickory-Rauchsalz, Muskatnuss, Sellerie, Senfmehl, Kurkuma und schwarzer Pfeffer.

Für unseren Ausflug ins Auenland gab es die von Ankerkraut vorgeschlagene Kartoffelsuppe. Viel braucht es dafür nicht: Zwiebeln, Suppengrün und Kartoffeln werden in Butter angedünstet und anschließend mit Wasser aufgegossen, in das drei Teelöffel „Tüften Pott“ eingerührt wurden. Nach 15 Minuten wird püriert, Sahne hinzugegeben und nochmals mit der Mischung abgeschmeckt.

Und ausgerechnet diese auf den ersten Blick unspektakulärste Mischung entwickelte sich zu einer echten Überraschung. Die Würze war intensiv, kräuterbetont und leicht herb, wirkte dabei aber erstaunlich frisch und natürlich. Es ist etwas schwer, diesen Eindruck präzise festzunageln, da ihm etwas Emotionales und fast schon Nostalgisches anhaftet.

Es schmeckte, als hätten wir Liebstöckel, Petersilie und Co. gerade selbst irgendwo hinter Beutelsend gepflückt und direkt in den Suppentopf geworfen. Dazu die cremige Kartoffelsuppe – und für einen Moment scheint die Welt tatsächlich ein bisschen gemütlicher zu sein. Sam hätte vermutlich zufrieden nach einem zweiten Teller gefragt. Und nach einem zweiten Frühstück sowieso.

„Baumwächters Bester“: Grüße aus Fangorn

Baumwächters Bester“ gibt sich mysteriös und vielversprechend. Verantwortlich für die auffällige Färbung sind grünes Paprikapulver und Spinatpulver, hinzu kommen Meersalz, Rohrohrzucker, Knoblauch, schwarzer Pfeffer, Senfmehl, Petersilie, Sellerie und Kreuzkümmel. Ankerkraut selbst bezeichnet die Mischung als grünen BBQ-Rub und empfiehlt etwa ein bis zwei Esslöffel auf 250 Gramm Fleisch. Sie soll allerdings nicht nur auf Grill- und Bratgut funktionieren, sondern auch Gemüse und Dips würzen.

Bereits beim Öffnen des Glases hieß uns ein überraschend tiefer, würziger Duft willkommen. Paprika, Knoblauch, Petersilie und Kreuzkümmel ergeben gemeinsam einen warmen, leicht erdigen und beinahe mediterran anmutenden Eindruck. Ein bisschen geheimnisvoll, ein bisschen waldig – Fangorn lässt grüßen.

Auf unser Geheiß sollte „Baumwächters Bester“ vier Hähnchenbrustfilets würzen. Die werden anschließend kurz in Olivenöl angebraten und später zusammen mit Paprika, Zwiebeln und Knoblauch in einer Sauce aus Hühnerbrühe, passierten Tomaten und Sahne gegart. Parmesan und Basilikum komplettieren das Gericht.

Dabei lernten wir allerdings auch: Einen trockenen Rub gleichmäßig auf einer Hähnchenbrust zu verteilen und dabei nicht mit den eigenen Fingern die Hälfte wieder herunterzuwischen, will gelernt sein. Jeder erfahrene Grillmeister hätte unsere dilettantischen Versuche wohl mit den traurigen und wissenden Augen eines Ents verfolgt – und geweint.

Trotzdem schmeckte das wunderbar zarte und saftige Hähnchen deutlich interessanter und vielschichtiger, als wir es mit unseren üblichen Gewürzexperimenten zustande gebracht hätten. Für den nächsten Versuch wissen wir allerdings: Mit diesem Rub darf ruhig etwas sorgfältiger gearbeitet werden.

„Zwergendämmerung“: Gimli kennt keine halben Sachen

Und dann kam Gimli.

Zwergendämmerung“ ist laut Ankerkraut eine Gewürzzubereitung für scharfe Currywurst. Im Glas steckt eine Currymischung aus Kurkuma, Bockshornkleesaat, Koriander, Kümmel, Ingwer, Chili und weiteren Gewürzen. Hinzu kommen Meersalz, Rohrohrzucker, Mangofruchtpulver, Knoblauch, Zwiebel – und Bhut Jolokia. Ankerkraut empfiehlt deshalb ausdrücklich, vorsichtig zu dosieren … das hätten wir mal vorher lesen sollen.

Eine gute Currywurst ist uns immer willkommen, entsprechend motiviert ging es an Ankerkrauts „Currywurst Zwergenesse“. Und wenn im Rezept ein Löffel Gewürz verlangt wird, darf der schließlich auch ein bisschen gehäuft sein. Oder?

Nein. Darf er hier nicht.

Schon nach den ersten Bissen war klar, dass der kleine „X-tra Hot“-Hinweis auf dem Glas keineswegs Dekoration ist. „Zwergendämmerung“ ist richtig scharf. Wer Mutproben-Currywurstbuden kennt, bei denen die Skala meist bis Schärfegrad zwölf reicht, darf sich nach unserem Eindruck grob auf Stufe fünf bis sechs einstellen. Für jemanden, der scharfes Essen durchaus gewohnt ist, ist das auf jeden Fall machbar – alle anderen sollten sich ein Glas Milch bereitstellen.

„Zumal das Originalrezept alles andere als zimperlich ist. Für vier Portionen sieht Ankerkraut zwei Esslöffel „Zwergendämmerung“ vor. Die Sauce selbst basiert klassisch auf Cola, passierten Tomaten und Ketchup sowie Tomatenmark, Worcestersauce und Gewürzessig, wobei es Ankerkraut mit den angesetzten Mengen nach unserem Empfinden deutlich zu gut meint. Zwiebeln und Knoblauch sowie die gesalzenen Pistazien als ungewöhnliches Topping runden das Rezept ab. Und wer damit immer noch nicht genug Feuer in der Esse hat, soll die fertige Currywurst zusätzlich mit der Mischung bestreuen.

Geschmacklich zeigte sich „Zwergendämmerung“ bei unserem etwas zu großzügigen Einsatz zunächst vor allem von ihrer scharfen Seite. Bei vorsichtigerer Dosierung kommt unter dem Schmiedehammer aber auch eine angenehme Mangonote zum Vorschein. Die wichtigste Lektion unserer Reise durch die Minen von Moria lautet daher: Bei „Zwergendämmerung“ sollte man mit Umsicht anheizen. Wohl dosiert bringt die Mischung Schärfe, Würze und Fruchtigkeit zusammen. Nimmt man zu viel, verbrennt die Klinge im Feuer – und von den feineren Aromen bleibt wenig übrig.

Fazit:

Lizenzprodukte haben es wahrlich nicht immer leicht. Ein bekanntes Logo auf der Verpackung macht aus einem gewöhnlichen Produkt schließlich noch lange keinen Schatz. Bei der „Herr der Ringe Geschenk-Box“ funktioniert die Verbindung zwischen Thema und Inhalt aber deutlich besser, als man es bei dieser zunächst kurios anmutenden Zusammenkunft vermuten sollte.

Denn anders als so manches Fan-Merch muss die Gemeinschaft der Gewürze ihr Dasein in den vier schön gestalteten Korkengläsern nicht als Staubfänger fristen, sondern dient einem kulinarischen Zweck – und das ebenso vielschichtig wie geschmackvoll.

„Mein Schatz“ überzeugte uns mit seiner zurückhaltenden Currywürze und einer angenehm sanften Schärfe. „Tüften Pott“ brachte eine überraschend frische, intensive Kräuternote in unsere Kartoffelsuppe und versetzte uns geschmacklich direkt in die Gärten des Auenlandes. „Baumwächters Bester“ lockte mit seinem tiefen, warmen und leicht mediterran anmutenden Aroma, während „Zwergendämmerung“ eindrucksvoll beweist, dass ein Zwerg beim Thema Schärfe keine halben Sachen macht.

Und so braucht es am Ende nicht einmal eine besondere Begeisterung für die Franchise, um mit der Gemeinschaft seinen Spaß zu haben. Fans bekommen hier vier charmant thematisierte Gewürze – alle anderen schlicht vier verdammt leckere Gründe, mal wieder etwas Neues auf den Teller zu bringen.

Die „Ankerkraut x Der Herr der Ringe Geschenk-Box“ ist für 34,95 Euro im Ankerkraut-Onlineshop sowie in den Stores in Hamburg und Bochum erhältlich. Alternativ gibt es „Mein Schatz“, „Tüften Pott“ und „Baumwächters Bester“ für jeweils 6,49 Euro sowie „Zwergendämmerung“ für 6,99 Euro auch einzeln im Korkenglas.