Was muss ein moderner Bluetooth-Lautsprecher haben? Eine WLAN-Anbindung? 360-Grad-Spatial-Sound oder eine dynamische RGB-Beleuchtung? Fragt man die Soundexperten von Teufel, ist die Antwort eindeutig: Schrauben!
Klingt schräg, ergibt aber Sinn, wenn man den Begriff „modern“ als „zeitgemäß“ übersetzt. Unterm Strich gibt es dieser Tage nämlich kaum ein wichtigeres Thema als Nachhaltigkeit. Und genau diesem hat sich der neue Speaker aus Berlin vom Scheitel bis zur Sohle verschrieben.
Bei dem Mynd handelt es sich nämlich um einen mobilen Bluetooth-Lautsprecher, der alle Nutzer offenherzig dazu einlädt, an ihm herumzubasteln. Während andere Hersteller das Innere ihrer Geräte meist reichlich unzugänglich gestalten, kann man dem Mynd bequem in die Karten schauen. Einfach ein paar Schrauben lösen und schon lassen sich nahezu sämtliche Bauteile austauschen.

Das hat den gigantischen Vorteil, dass man die Langlebigkeit des Geräts enorm verlängern kann, indem man einen nach Jahren zu schwach gewordenen Akku einfach austauscht. Auch lassen sich die einzelnen Komponenten im Falle einer Entsorgung sauber trennen.
Darüber hinaus stellt Teufel sämtliche Daten zum Erstellen eigener Bauteile, die Schaltpläne und sogar die Firmware Open Source zur Verfügung. Ein Traum für findige Bastler, die den Mynd damit nach eigenem Gusto aufrüsten, umbauen oder auch schlicht jederzeit reparieren können.

Ein äußerst ungewöhnliches Projekt also, dessen Fokus sich auch im Design niederschlägt. Wo andere immer kleiner und kompakter werden wollen und ihre Bauteile auf engstem Raum verkleben, zelebriert es der Mynd förmlich, ein Klotz zu sein, der Platz für Schraubendreher lässt und sich von Werk aus auf das Wesentliche konzentriert: fetten Sound.
In Sachen Ausstattung gibt sich der Mynd bewusst spartanisch. Eine WLAN-Anbindung und all die schönen Software-Features solltet ihr hier nicht erwarten. Ebenso wenig eine wilde Lightshow oder ein Mikrofon zum Telefonieren. An Bord sind dafür modernes Bluetooth 5.3, das sich dank Google Fast Pair bequem und schnell mit dem Smartphone verbindet, und zwei Anschlüsse für externe Zuspieler. Dazu noch eine Button-Leiste und ein Tragegurt – das war’s. Nicht einmal ein Ladekabel gehört zum Lieferumfang.

In den Kerndisziplinen eines mobilen Lautsprechers lässt sich Teufel wiederum nicht lumpen und verbaut einen leistungsstarken 5.200-mAh-Lithium-Ionen-Akku, der es auf eine Laufzeit von bis zu 42 Stunden bringt. Dazu ist das Gerät trotz seiner zugänglichen Bauweise auch noch komplett nach dem IP67-Standard zertifiziert und übersteht damit selbst ein kurzes Tauchbad unter Wasser – von Regenwetter oder Staub ganz zu schweigen.
Der Torso des Mynd hat die Maße 26 × 18 × 10 cm, wiegt gut tragbare 2,44 kg und wirkt enorm robust. Oben, unten und an den Seiten finden sich diverse Öffnungen, die dazu dienen, den recht kurz geratenen Tragegurt in unterschiedlichen Setups anzubringen und im Laufe der Zeit sicherlich als Fixpunkt für nutzerseitig entworfene Klemmen und Halterungen genutzt werden. Ganz im Sinne des Nachhaltigkeitsgedankens kommt der Gurt dabei ohne zusätzliche Plastikösen oder Derartiges aus und sitzt alleine durch seine gezielt eingenähte Überstandfalz stabil und sicher.

Wird der Mynd nicht gerade herumgeschleppt, steht er auf vier Gummifüßen. Sieht man sich die Unterseite einmal genauer an, entdeckt man hier neben einigen Systeminfos außerdem auch Angaben zur Größe der jeweils verbauten Schrauben und deren Köpfe. Darüber die Einladung: „Repair Me“. Sehr sympathisch.
Optisch dominiert an der Front ein Lochgitter, das mit seinem gezielt unsteten Look und den glänzenden Schraubköpfen in den Ecken einen ziemlich lässigen Eindruck macht. Oben in der Stirnbucht sitzen vier Buttons für die Mediensteuerung, das Bluetooth-Pairing und zum Ein- und Ausschalten. Dem Play-Button wird dabei über Mehrfachdrücker auch die Skip-Funktion zuteil, über den Bluetooth-Knopf wechselt man die Eingangsquelle. Eine Status-Leuchte gibt farbcodiert Aufschluss über die aktuelle Einstellung. Drückt man kurz auf den Power-Button, verrät eine weitere LED den Ladezustand.

Die USB-C- und die 3,5-mm-Klinkenbuchse für kabelgebundene Zuspieler befinden sich an der Seite des Geräts. Dank der verbauten USB-C-Soundkarte könnt ihr den Mynd sogar als PC-Speaker benutzen, alternativ fungiert die Box über den Anschluss als Powerbank, mit der ihr euer Smartphone laden könnt – und das auch im laufenden Betrieb. Sinnigerweise wechselt der Mynd automatisch die jeweils verfügbare Quelle, wenn man ein Gerät an- oder abklemmt.
Die App-Funktionalität gibt sich ähnlich aufgeräumt wie der Mynd selbst. Hier stehen neben Infos zum Akkustand und einem Lautstärkeregler mehrere Presets für den Sound zur Verfügung. Auch ein Equalizer für eigene Einstellungen ist mit an Bord, der jedoch arg rudimentär ausgefallen ist und es lediglich erlaubt, den Bass und die Höhen zu justieren – für Soundgourmets ungewohnt wenig Gewürze also.

Ansonsten wechseln wir hier noch in den Eco-Modus, der den Stromverbrauch reduziert, indem er unter anderem die Bassintensität verringert, was natürlich in einem etwas schwachbrüstigeren Sound resultiert. Dafür stehen dann aber eben auch 42 Stunden Laufzeit auf der Uhr. Doch auch ohne sind bei mittlerer Lautstärke noch mehr als 30 Stunden drin, voll geladen ist der Akku in rund anderthalb Stunden.
Neben den ins Einstellungsmenü ausgelagerten Features wie einer automatischen Abschaltfunktion, Multipoint-Verbindung mit bis zu zwei Geräten oder auch dem Abschalten der Systemtöne ist eine Kachel auf der Startseite für den Quellwechsel reserviert, eine andere für den Partylink, über den sich bis zu 100 (!) kompatible Lautsprecher zu einem gigantischen Soundsystem koppeln lassen. Zur Wahl stehen hier bislang aber lediglich weitere Mynds oder der Teufel Rockster Go 2.

In Sachen Sound gibt sich der Mynd keine Blöße und liefert in gewohnter Teufel-Qualität einen sehr detaillierten Klang, der von den Tiefen bis zu den Höhen alle Frequenzen sauber herausarbeitet und präzise nebeneinander aufstellt. Zu bedenken ist dabei allerdings, dass die Klangqualität baubedingt eine Frage der Hörposition zum Lautsprecher ist, da das System nur nach vorne abstrahlt.
Davon abgesehen liefern die zwei nach außen geneigten 20-mm-Hochtöner in Verbindung mit dem langhubigen Tiefmitteltöner nebst zweier Passivmembranen einen warmen und satten 2.1-Sound mit befriedigend kraftvollen Bässen, stabilen Mitten und klaren Höhen. Zudem gefällt die auffallend authentische Wiedergabe von Stimmen, was den Mynd zum idealen Geschichtenerzähler bei Hörbüchern oder Podcasts macht.

Auch bei hoher Lautstärke bleibt der Klang zudem weitgehend verzerrungsfrei; feine Details gehen zwar etwas zurück, doch Signalspitzen werden nicht hörbar abgeschnitten und auch der Bass bleibt konsistent.
Während der Equalizer, wie bereits moniert, zwar etwas zu wünschen übrig lässt, gefallen uns die spritzigen Presets dafür umso besser. Hier verdeutlicht sich die akustische Vielseitigkeit des neuen Teufel, dessen Konzept andere Hersteller hoffentlich ebenfalls dazu inspiriert, dem Lippenbekenntnis zur Nachhaltigkeit Taten folgen zu lassen.

Der Teufel Mynd ist neben seinen akustischen Qualitäten vor allem ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit. Als modularer Bluetooth-Lautsprecher mit Fokus auf Reparierbarkeit, Langlebigkeit und Ressourcenschonung verzichtet die Berliner Klangschmiede bewusst auf üppige Ausstattung oder schmückende Zusatzfunktionen und setzt stattdessen auf eine offene Bauweise mit zugänglichen Schraubverbindungen, austauschbaren Komponenten und Open-Source-Unterstützung.
Das klobige Design mag fraglos nicht jedem gefallen, hat mit seinem klaren Blick auf funktionale Kriterien allerdings enorm viel Charme und lässt gezielt Raum für Erweiterung und Individualisierung.
Der reduzierten Featureliste und entschlackten Ausstattung setzt der Mynd zudem eine robuste Verarbeitung, die lange Akkulaufzeit von bis zu 42 Stunden sowie einen ausgewogenen und kraftvollen Klang mit hoher Sprachverständlichkeit und verzerrungsfreier Wiedergabe entgegen. Auch der kabelgebundene Betrieb externer Geräte und sogar eine Powerbank-Funktion sind mit an Bord.
In den wesentlichen Disziplinen, die ein mobiler Speaker beherrschen muss, kassiert der Mynd damit die volle Punktzahl. Und da das Gerät in Sachen Nachhaltigkeit die Extrameile geht, gibt es den Titel des aktuell sympathischsten Bluetooth-Lautsprechers am Markt von uns noch obendrauf.
Den Teufel Mynd bekommt ihr in den Farben Light Mint, Warm Black, Warm White und Wild Berry für 249,99 Euro auf der Webseite des Herstellers.
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