Mit dem neuen AeroClip wagt sich Ankers Audiomarke soundcore abermals an das noch vergleichsweise junge Open-Ear-Konzept. Da die Clip-On-Ohrhörer nicht direkt in oder auf den Gehörgängen liegen, fragt man sich zwangsläufig, ob das Ganze gut funktionieren kann – und auch wir waren im Vorfeld skeptisch. Weshalb unsere anfänglichen Bedenken inzwischen komplett verflogen sind, verrät euch unser Test.
Geht es um Kopfhörer, spricht man normalerweise direkt von den inneren Werten: den Treibern, der Software, der Konnektivität und so weiter. Keine Sorge, auch in diesen Aspekten punktet der AeroClip, soviel sei bereits verraten. Zuvorderst steht hier aber wohl die Bauform zur Debatte. Denn wie die Bezeichnung bereits verrät, trägt man die Clip-Ons wie eine Art Ohrring an der Ohrmuschel.
Der Gedanke dahinter ist, die Ohrhörer „nicht-intrusiv“ zu gestalten. Soll heißen, sie sollen beim Tragen ganz gezielt möglichst wenig Druck ausüben, um ein angenehmes, natürliches Tragegefühl zu bieten – frei von dem Gefühl, dass etwas „in den Ohren steckt“. Nicht-intrusive Ohrhörer eignen sich von daher ganz besonders, wenn langes Tragen gewünscht ist oder wenn Nutzer ihr Umfeld weiterhin hören möchten, beispielsweise im Straßenverkehr oder auch auf der Arbeit.

Wenn man bedenkt, wie unterschiedlich Ohrmuscheln sein können, gestaltet sich ein universelles Design entsprechend schwer, doch soundcore bringt in diesem Bereich bereits Erfahrung mit und hat mit Blick auf vorherige Modelle nachgebessert. So ist der AeroClip 1,5-mal länger und ganze 37 Prozent kleiner als sein Vorgänger.
Genug Platz für moderne Technik scheint dennoch vorhanden zu sein, immerhin beherrscht der AeroClip Hi-Res-Sound über den LDAC- und Bluetooth-5.4-Standard, sorgt dank vier windundurchlässiger Beamforming-Mikrofone und einem KI-Algorithmus für eine klare Sprachübertragung bei Telefonaten und bietet eine eingängige Tipp-Steuerung.
Dazu sind die Clip-Ons außerdem noch nach IPX4 vor Spritzwasser und leichtem Regen geschützt und werden in einem Ladecase geliefert, welches die reine Akkulaufzeit von acht Stunden bei mittlerer Lautstärke auf 32 Stunden erhöht. Die Schnellladefunktion sorgt binnen zehn Minuten für drei weitere Spielstunden. Auch die mittlerweile übliche Multipoint-Verbindung wird unterstützt. Soviel schon mal zur Theorie …

Nimmt man die Clip-Ons in der Praxis das erste Mal aus ihrem Ladecase, fühlt man sich unweigerlich an Schokolinsen oder Kaffeebohnen erinnert, die über einen flexiblen Bogen miteinander verbunden sind. Dieser besteht aus einem gerade einmal 0,5 mm dünnen Titan-Memory-Draht in einer Kunststoffummantelung, der laut dem Hersteller auch noch nach 20.000 Einsätzen seine Formstabilität beibehalten soll.
Seht es uns nach, dass wir diesen Wert in der Kürze der Zeit nicht haben überprüfen können. Mit Blick auf die Tatsache, dass der Bogen stramm in seine ursprüngliche Form zurückschnellt, selbst wenn wir ihn komplett aufbiegen, haben wir aber keinen Zweifel an dieser Aussage.
An den Enden der in unserem Falle anthrazitfarbenen Bügel sitzen jeweils unterschiedlich große Bojen für vorne und hinten – also in oder hinter der Ohrmuschel. Die kleinere „Schokolinse“ beinhaltet dabei die titanbeschichteten 12-mm-Treiber und die Mikrofone. Die etwa doppelt so große hintere Boje beherbergt den Akku und entsprechend auch die Ladeanschlüsse, zwischen denen ein Aufdruck darüber Aufschluss gibt, ob es sich um den linken oder den rechten Ohr(muschel)hörer handelt.

Insgesamt wiegt jeder der beiden Clip-Ons gerade einmal 5,9 Gramm und das merkt man in der Praxis auch – oder besser: Man merkt es eben nicht. Denn nachdem man sich den AeroClip angeklemmt hat, spürt man ihn überraschenderweise kaum bis gar nicht mehr, ganz so, als habe man einen Ohrschmuck angelegt und keine winzigen Lautsprecher. Von einem störenden Druckgefühl ist nicht das Geringste zu spüren.
Um die Clips aufzusetzen, biegt man sie lediglich etwas auf, was nach wenigen Versuchen mit nur einer Hand problemlos zu bewerkstelligen ist, und bringt sie an der dünnsten Stelle der Ohrmuscheln an. Sitzen die Bojen gefühlt nicht straff genug, kann man den Abstand zwischen ihnen dank der zwei mitgelieferten Ohrklammern verringern und die Clips damit enger machen.
Der Unterschied ist deutlich spürbar, sodass der Autor dieser Zeilen nach ein wenig Herumprobieren auf die Aufsätze verzichtet hat, während andere Tester in unserem Hause die Passform mit den Aufsätzen als deutlich angenehmer empfunden haben. Um die ideale Position am Ohr zu finden, kann man die Clips nun hoch- und runterschieben. Entscheidend hierbei ist neben dem Tragegefühl vor allem der Klangeindruck.

Wir wollen ehrlich sein: Viel erwartet hatten wir von dem Open-Ear-Design zunächst nicht. Wir haben mit einem Sound gerechnet, der sich verliert und nur unpräzise und kraftlos an unseren Gehörgang herantastet. Tatsächlich entfuhr uns nach dem Drücken des Play-Buttons auf unserem Smartphone dann aber direkt ein überraschtes „Wow“. Was wir nämlich nicht auf dem Schirm hatten, war, dass unsere Ohrmuschel selbst zum Resonanzkörper wird. Und auch die verbaute Technik haben wir zu unserer Testerschande maßlos unterschätzt.
An dieser Stelle muss natürlich festgehalten werden, dass man sich mit dem AeroClip nicht mitten auf die Bühne eines Konzertes beamen kann, wie es mit potenten Over-Ear-Kopfhörern möglich ist. Auch erlaubt das Open-Ear-Konzept keine Geräuschunterdrückung und eignet sich damit ganz klar nicht für jede akustische Situation. Mit Blick auf die Alltagstauglichkeit ist der AeroClip ob seiner Unaufdringlichkeit allerdings allen bislang von uns getesteten Kopfhörern meilenweit voraus.
Im Zuge unserer Testphase haben wir die Ohrhörer zuweilen komplett vergessen und wurden erst am Abend auf der Couch darauf angesprochen, was wir denn da am Ohr tragen. Von hohem Tragekomfort zu sprechen, wäre zu wenig, denn der AeroClip wird haptisch nahezu unsichtbar. Das Umfeld ist bei entsprechender Lautstärke trotz laufender Musik immer noch präsent, sodass wir uns beim Testen des Gerätes mitunter wie in einem Film wähnten, bei dem die Clips den Soundtrack beisteuern, während die Dialoge stets gut verständlich bleiben.

Die Kehrseite ist natürlich, dass Außenstehende einen Teil der Beschallung hören können. Und da man bei störenden Außengeräuschen zwangsläufig hochdrehen muss, um noch etwas zu hören, ist der AeroClip in lauten Umgebungen, etwa bei einer Bahnfahrt oder beim Rasenmähen, fraglos nicht die beste Wahl. Wann immer sich die luftige Tragweise anbietet, haben sich die anfangs skeptisch beäugten soundcore-Clips inzwischen aber zu unseren Lieblingskopfhörern gemausert.
Geschuldet ist das nicht nur der reinen Bequemlichkeit beim Tragen, sondern auch dem verblüffend vollen und angenehm warmen Klang. Der AeroClip setzt akustisch sicherlich keine Akzente, mischt die Höhen, Mitten und Tiefen aber zu einem äußerst wohlgefälligen Ganzen und findet dabei von griffigem Rock bis zu treibenden Elektrobeats einen guten Kompromiss zwischen den Genres.
Nun sind baubedingt keine Bässe zu erwarten, die das Trommelfell vibrieren lassen, die sogenannte Virtual-Bass-Technologie sorgt aber dennoch für den nötigen Druck in den unteren Frequenzen. Die größere Stärke des AeroClip sind aber ohnehin die sauberen und klaren Höhen, die auch feine Details hörbar machen, als säßen sie direkt im Gehörgang.

Der Effekt ist erstaunlich und lässt sich in der App über vorgegebene Presets oder einen einfach zu bedienenden 8-Band-Equalizer den eigenen Bedürfnissen anpassen. Probiert hier unbedingt etwas herum, da die möglichen Klangfarben je nach Einstellung eine unerwartet große Bandbreite abdecken.
Hand anlegen sollte man in der übersichtlichen und benutzerfreundlichen App unbedingt auch in Sachen Bedienung. Standardmäßig lassen sich mittels Fingertippen auf den Bügeln nämlich nur die Musik starten, ein Track nach vorne springen oder ein Anruf annehmen beziehungsweise ablehnen. Softwareseitig lassen sich die Bedienfunktionen allerdings separieren, sodass man beispielsweise über den linken Kopfhörer alternativ die Lautstärke ändert.
Möglich sind dabei Doppel- oder Dreifachtipper. Anfangs bedarf es für das richtige Timing etwas Übung, und auch jetzt noch müssen wir stets erst mit dem Finger den Bügel suchen. Dafür fungiert dieser aber vollumfänglich als Bedienfläche, was die Eingaben entsprechend narrensicher macht.

Via App haben wir zudem Zugriff auf eine umfassende Hilfeseite, schalten den hochauflösenden LDAC-Codec hinzu und legen den Zeitraum für die automatische Abschaltung fest. Ferner richten wir hier die duale Verbindung zu einem zweiten Gerät ein oder spielen einen lauten Signalton ab, falls wir die Clips verlegt haben sollten. Der Akkuladestand für beide Clips und das Case wird angezeigt, ebenso die aktuelle Firmware- und die Seriennummer. Alles in allem also eine rundum zufriedenstellende App-Anbindung ohne unnötigen Ballast.
Die prominenten Schlussworte dieses Artikels haben wir uns nun ganz bewusst für das Feature aufgespart, welches uns am meisten überrascht hat. Jaja, zugegeben: Wir haben derartige Gefühlsadjektive in diesem Artikel schon inflationär genutzt. Aber dass man mit dem AeroClip nicht nur gut, sondern sogar sehr gut telefonieren kann, ist alles andere als selbstverständlich. Hintergrund: Wenn wir Kopfhörer testen, führen wir damit stets auch Telefonate und fragen dabei den Eindruck bei unserem Gegenüber ab, um eine möglichst neutrale Meinung zu der übermittelten Sprachqualität zu erhalten.
Oft ist dieser selbst bei hochpreisigen Produkten eher durchwachsen, im Falle des AeroClip waren einige Gesprächspartner aber sogar im besten Sinne überrascht, zu hören, dass wir gerade über Ohrhörer kommunizieren. Selbst unterwegs auf dem Fahrrad konnten wir problemlos Gespräche führen – ein Aspekt, der eine ganz dicke Kirsche auf die Torte der Alltagstauglichkeit dieser äußerst sympathischen Ohrhörer setzt.

Im Falle des AeroClip von hohem Tragekomfort zu sprechen, wird den Open-Ear-Buds kaum gerecht. Tatsächlich tragen sich die Clips so federleicht und unaufdringlich, dass man sie unbespielt glatt vergisst – was nicht weiter schlimm ist, machen sich die Geräte doch auch als schicker Ohrschmuck ganz gut.
Fraglos lässt das offene Design in lauteren Umgebungen Federn, in Sachen Alltagstauglichkeit ist die Bauweise anderen Kopfhörer-Konzepten allerdings deutlich überlegen. Das nicht-intrusive Design soll ganz bewusst nicht abschotten, sodass man seiner Umwelt stets gewahr bleibt. Es ist ein wenig so, als liefe in einem Film Hintergrundmusik, während die Dialoge verständlich bleiben.
Trotz der geringen Größe hat soundcore Platz für moderne Soundtechnik gefunden, die für einen überraschend vollen, warmen und auf Wunsch sogar hochauflösenden Klang sorgt, der In-Ears vergleichbarer Preisklasse ganz schön dicht auf die Pelle rückt. Ganz besonders überrascht hat uns zudem die ausgesprochen gute Verständlichkeit beim Telefonieren selbst in lauten Umgebungen.
Nimmt man nun auch noch die benutzerfreundliche Bedienbarkeit, die hohe Akkulaufzeit und die aufgeräumte App-Funktionalität hinzu, können wir den AeroClip selbst Skeptikern des Open-Ear-Konzeptes nur wärmstens ans Herz legen. Probiert es einfach mal aus: Ihr werdet überrascht sein, wie gut das Design funktioniert.
Den soundcore AeroClip erhaltet ihr in den Farbvarianten Mitternacht, Champagner-Weiß und Mattes Rosébraun für 129,99 Euro auf der Webseite des Herstellers oder auch hier auf Amazon.
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