Norwegen hat als erstes Land der Welt das Ziel erreicht, den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor nahezu vollständig zu beenden. Nur noch ein geringer Anteil der Neuzulassungen entfällt auf Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor. Nun plant die Regierung, die finanzielle Förderung für Elektroautos schrittweise abzubauen.

Erfolg durch konsequente Förderung

Norwegen gilt seit Jahren als Musterland für Elektromobilität. Mit steuerlichen Anreizen, günstigen Strompreisen und klaren politischen Zielen hat das skandinavische Land die Umstellung auf Elektroantrieb schneller vollzogen als jedes andere. Beim Kauf eines Elektroautos entfielen bislang sowohl die Mehrwertsteuer als auch die emissionsabhängige Zulassungssteuer. Hinzu kamen Vorteile wie die kostenlose Nutzung von Mautstraßen, Tunneln und Fähren.

Diese Vergünstigungen machten Elektroautos in Norwegen preislich konkurrenzfähig oder sogar günstiger als Modelle mit Verbrennungsmotor. Das Ergebnis ist sichtbar: Der Anteil neuer Benzin- und Dieselautos liegt mittlerweile im niedrigen einstelligen Prozentbereich. "Wir hatten das Ziel, dass 2025 alle neuen Pkw elektrisch sein sollen. Wir können sagen, dass dieses Ziel erreicht ist", erklärte Finanzminister Jens Stoltenberg laut der Nachrichtenagentur Reuters.

Geplante Abschaffung der Steuervergünstigungen

Da das ursprüngliche Ziel erreicht ist, will die Regierung nun die finanzielle Bevorzugung von Elektroautos zurückfahren. Bereits seit 2023 gilt eine Mehrwertsteuer auf Elektrofahrzeuge mit einem Kaufpreis über 500.000 norwegischen Kronen, umgerechnet etwa 42.600 Euro. Ab dem kommenden Jahr soll diese Grenze auf 300.000 Kronen (rund 25.500 Euro) sinken.

Bis 2027 ist vorgesehen, die Mehrwertsteuerbefreiung vollständig abzuschaffen. Das Finanzministerium begründet diesen Schritt damit, dass die freiwerdenden Mittel genutzt werden sollen, um andere Steuern zu senken.

Kritik an der neuen Steuerpolitik

Gegen die geplante Reform regt sich deutlicher Widerstand. Die norwegische Elektroautovereinigung Norsk Elbilforening warnt vor den Folgen für Verbraucher und den Fahrzeugmarkt. Vorsitzende Christina Bu bezeichnete die geplanten Erhöhungen als "furchtbar schlechte Klimapolitik".

Diese Entwicklung könne nicht nur die Preise für Neuwagen, sondern auch für Gebrauchtfahrzeuge steigen lassen. Besonders einkommensschwächere Haushalte, die auf ein Auto angewiesen seien, würden dadurch belastet. Zudem bestehe das Risiko, dass sich wieder mehr Menschen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor entscheiden.

Quelle: heise.de