JBL hat erst kürzlich den neuen Tour One 3 als sein neues Flaggschiff in Sachen ANC-Kopfhörer auf den Markt gebracht. Fraglos ist das Premium-Gerät nicht für jedes Portemonnaie geeignet, doch zu seinen vielen Vorteilen gehört, dass der Marktstart sich äußerst positiv auf den Preis des Vorgängers auswirkt. Für uns Grund genug, einen Schritt zurückzutreten und den JBL Tour One M2 als günstige Alternative noch einmal genauer zu betrachten.
Der Tour One M2 trat zum Ende des Jahres 2022 die Nachfolge des ursprünglichen Modells an und buhlte seinerzeit mit True Adaptive Noise Cancelling-Technologie, einer starken Akkulaufzeit von bis zu 50 Stunden und umfangreich personalisierbaren Klangprofilen über die JBL Headphones App.
Seinerzeit musste man für den edlen Kopfhörer dann auch fast 300 Euro hinlegen, inzwischen hat sich der Preis allerdings nahezu halbiert – und das bei gleichbleibender Qualität und Feature-Vielfalt. Man könnte den JBL Tour One M2 hinsichtlich des auf der Webseite des Herstellers inzwischen ausgerufenen Neupreises von 179,99 Euro also glatt ein Schnäppchen nennen.

Den JBL Tour One M2 gibt es im klassischen Schwarz oder im schicken Champagne. Er besteht im Wesentlichen aus Kunststoff mit einem mattierten Finish, das sich in der Hand angenehm weich anfühlt. Aufgewertet wird die Optik von bedruckten Chrom-Applikationen an den Ohrmuscheln und an der Einfassung des Kopfpolsters. Die Länge des Kopfbügels kann über eine gerasterte Metallschiene justiert werden, was haptisch einen befriedigenden Eindruck hinterlässt – nichts wackelt, nichts quietscht.
Die Polster der Ohrmuscheln schmiegen sich mit einem weichen Kunstlederüberzug an unsere Ohren, das gleiche Material findet sich oben am Kopfbandpolster wieder. Da der Anpressdruck nahezu perfekt ist, sitzt der mit gerade einmal 280 Gramm angenehm leichtgewichtige Tour One M2 sehr bequem und fällt auch nach längeren Tragezeiten nicht unangenehm auf. Wäre da nicht die sehr gute Abdichtung der Ohren, könnte man glatt vergessen, dass man einen Kopfhörer trägt.

Vorne und an den Seiten der Gondeln sind mehrere Mikrofone eingelassen, die für das Noise Cancelling und auch die Übertragung der eigenen Stimme bei Telefonaten verantwortlich zeichnen. Der USB-C-Ladeanschluss sitzt unten an der linken Ohrmuschel, ihr zur Seite steht eine Status-LED. In guter Fingerreichweite weiter oben hat JBL zudem eine Funktionstaste für die ANC-Features verbaut.
Etwas mehr los ist auf der rechten Seite, wo sich der Schiebebutton für das Ein- und Ausschalten sowie das Bluetooth-Pairing die hintere Seitenfläche mit zwei flachen, aber immer noch gut zu ertastenden Schaltern für die Lautstärkeregelung teilt. Ganz unten befindet sich außerdem noch die 3,5-mm-Klinkenbuchse für den Betrieb mit einem Kabel, falls einem mal der Saft ausgehen sollte oder der Zuspieler über keine Wireless-Funktion verfügt.

Wer oft im Flugzeug unterwegs ist, kennt das und wird sich freuen, dass JBL nicht nur ein 120 cm langes 3,5-mm-Audiokabel beilegt, sondern auch noch einen 2-Pin-Klinkenadapter für die On-Board-Audioanschlüsse spendiert. Komplettiert wird der Lieferumfang von einem 100 cm langen USB-A-auf-USB-C-Flachbandkabel zum Laden und einem robusten Transportetui, in welchem der zusammengeklappte Kopfhörer sicher verwahrt werden kann. Eine Prägung im Innenfutter zeigt die korrekte Liegeposition des Geräts – sehr praktisch!
Für den kabellosen Betrieb unterstützt der Kopfhörer den Bluetooth-Standard 5.3 und erlaubt damit die Verbindung mit bis zu zwei Geräten gleichzeitig. In Sachen Laufzeit ist zu bedenken, dass sich diese bei aktiviertem ANC verringert. Ohne bringt es der Tour One M2 auf gut 50 Stunden, mit auf nur noch 30. Vollständig geladen ist der Akku in zwei Stunden. Wenn es schnell gehen muss, pumpen wir dank der Schnellladefunktion in zehn Minuten ganze fünf Stunden in den Tank.
Für den Betrieb des JBL Tour One M2 bedarf es grundsätzlich keiner App, allerdings erweist sich diese als unumgänglich, wenn es um die Personalisierung des Hörprofils geht. Zur Mediensteuerung dient neben der erwähnten Lautstärke-Wippe hauptsächlich die berührungssensitive Seitenschale der rechten Ohrmuschel.
Mit einem Fingertipp pausieren oder starten wir die Medienwiedergabe, zweimal tippen springt einen Track nach vorne, dreimal tippen einen zurück. Halten wir zwei Sekunden lang gedrückt, aktivieren wir den Sprachassistenten. Zum Einsatz kommen hier die üblichen Verdächtigen wie Amazons Alexa, der Google Assistant oder auch Samsungs Bixby – die Wahl erfolgt über die App.

Der Funktionsknopf an der linken Ohrmuschel schaltet indes die ANC-Modi durch. Zur Wahl stehen Geräuschunterdrückung, Ambient Aware oder per Doppelklick auch das praktische TalkThru-Feature. Während ANC die Geräusche der Außenwelt durch gegensätzliche Schallwellen dämpft, leiten die verbauten Mikrofone bei Ambient Aware die Klangkulisse gezielt an unser Ohr weiter. Beide Modi können via App in ihrer Intensität angepasst werden, beim ANC steht zudem der adaptive Betrieb zur Verfügung, welcher den Pegel in Echtzeit und automatisch an die Geräuschkulisse anpasst.
Bei Aktivierung von TalkThru wird hingegen die Lautstärke der Musik deutlich reduziert, während die Mikrofone der Kopfhörer Umgebungsgeräusche, insbesondere Stimmen, verstärken. Dies erleichtert es, Unterhaltungen zu führen, ohne die Kopfhörer abzusetzen. Ist das Smart-Talk-Feature in der App aktiviert, wechselt der Tour One M2 für eine von uns festgelegte Dauer sogar automatisch in den TalkThru-Modus, sobald wir selbst zu sprechen beginnen – wobei hier gerne auch mal ein Husten fehlinterpretiert wird.

Die Bedienung ist im Wesentlichen festgelegt. In der App haben wir lediglich die Möglichkeit, das Touchfeld gänzlich zu deaktivieren und einen ANC-Modus aus der Rotation über den Funktionsknopf zu entfernen. Das ist zwar etwas schade, da das Preset aber gut funktioniert, nicht ernsthaft zu kritisieren – erst recht nicht mit Blick auf die weitere Funktionsvielfalt in der App.
Wir stellen die Lautstärke ein, mit der unsere eigene Stimme bei Anrufen an unser Ohr getragen wird, wechseln bei Bedarf in einen Video-Modus für bessere Latenz bei der Lippensynchronisation oder für eine festgelegte Zeit in den Silent-Now-Modus, der für ein ungestörtes Nickerchen Bluetooth deaktiviert und das Noise Cancelling aktiviert. Über Auracast klinken wir uns in öffentliche Audio-Streams ein, der zuschaltbare Raumsound pumpt Stereo-Inhalte auf – dazu später mehr.

Sehr nützlich ist die Wiedergabepause beim Abnehmen des Kopfhörers und das automatische Fortsetzen, wenn wir ihn wieder aufsetzen. Da man zum Abnehmen typischerweise an die Gondeln greift, haben wir zu Beginn unserer Testphase jedoch immer mal wieder versehentlich die Touchfläche berührt. Damit startete die Musik auch beim abgesetzten Kopfhörer wieder, sodass wir zunächst befürchteten, das Feature sei fehlerhaft. Ist es natürlich nicht, allerdings zeigt sich hier, dass die Seite der Ohrmuschel als großflächiges Bedienelement nicht ideal ist und zu Fehleingaben neigt.
Erfreulich ist wiederum, dass JBL an eine Links/Rechts-Soundbalance gedacht hat, wir die maximale Lautstärke begrenzen können, ein dynamischer EQ für niedrige Lautstärken parat steht und sich der Sound dank des Personi-Fi-Klangtests an unser individuelles Hörvermögen anpassen lässt.
Dabei werden mehrere Töne für beide Ohren in unterschiedlichen Frequenzen abgespielt. Der Nutzer gibt an, ab welcher Lautstärke die Töne hörbar sind. Basierend auf diesen Angaben erstellt die App ein individuelles Klangprofil, das die Audioausgabe des Kopfhörers entsprechend anpasst.
In seiner akustischen Grundeinstellung spielt der JBL Tour One M2 recht voluminös und dynamisch auf, und unterfüttert die stabilen Mitten mit einem spürbaren, aber unaufdringlichen Bass. In den Höhen mangelt es jedoch an Akzenten, sodass der Sound für unseren Geschmack eine Spur zu unaufgeregt und glatt daherkommt. Versteht uns nicht falsch: Die Grundtonalität der 40-mm-Treiber macht schon durchaus Spaß, spannender wird es aber natürlich, wenn man im Equalizer selbst Hand anlegt und mit den vielen Funktionen zur Anpassung in der App herumspielt.
Der 10-Band-Equalizer verfügt über sechs Presets, die sehr unterschiedlich ausfallen, und damit die akustische Bandbreite des M2 verdeutlichen. Darüber hinaus lassen sich eigene Profile anlegen und abspeichern. Probiert anschließend unbedingt das erwähnte Personi-Fi aus, da hier ein echter Zugewinn in der Detailfülle hörbar wird.

Etwas ernüchternd fällt hingegen der zuschaltbare Raumsound mit JBL Spatial aus. Wählt man hier den Musik-Modus, dumpft der Sound kurioserweise eher ab, in der Film-Einstellung wird es gar blechern. Lediglich der Gaming-Modus meißelt effektiv etwas mehr Tiefe heraus, erzeugt dabei aber auch einen leichten Halleffekt.
In Sachen ANC macht der JBL-Kopfhörer einen aus heutiger Sicht lediglich ausreichenden Job und kann nicht mit den aktuellen Platzhirschen in diesem Bereich mithalten. So ist etwa das Klappern unserer Tastatur selbst bei der Maximaleinstellung noch deutlich zu hören, ebenso nahe Gespräche. Das Grundrauschen der Umwelt wird aber dennoch gut gedämpft, sodass der Tour One M2 an belebten Orten trotz der genannten Schwächen effektiv für mehr Ruhe sorgt.

Im Ambient-Aware-Modus ist indes zwar ein leichtes Hintergrundrauschen zu vernehmen, dafür werden aber insbesondere Stimmen sehr klar durchgeleitet. Im TalkThru-Modus wirkt die Umwelt akustisch hingegen deutlich künstlicher und auch das Rauschen nimmt zu. Da hier der Fokus aber ohnehin auf kurzen Gesprächen liegt, ergibt der Modus als zusätzliches Feature durchaus Sinn. Zumal man dank der eigenen Stimme im Ohr nicht dazu neigt, lauter zu sprechen, was bei aufgesetztem Kopfhörer ohne ein solches Feature meist der Fall ist.
Ähnliches gilt beim Telefonieren. Auch hier ist die Durchleitung sehr angenehm, unsere Gesprächspartner attestierten uns zudem eine hohe Übertragungsqualität und eine bemerkenswert gute Verständlichkeit.

Der JBL Tour One M2 ist ein flexibler Alleskönner mit hohem Tragekomfort und ordentlich Ausdauer. Zwar ist das Gerät schon einige Jahre auf dem Markt, hat an Qualität, Funktionsumfang und Konnektivität jedoch nichts eingebüßt – lediglich der Preis des Premium-Kopfhörers ist ins mittlere Segment gesunken, was uns als Kunden natürlich nur recht sein kann.
In Sachen Sound liefert der Tour One M2 bereits in seiner Grundeinstellung eine hohe Klangqualität und spielt warm und voluminös auf. Die Akustik ist jedoch hörbar auf einen Kompromiss ausgelegt und verzichtet daher wohl bewusst auf klangliche Highlights. Deutlich vielschichtiger wird es, wenn wir die Tonalität über die breit aufgestellte App individualisieren. Da sich hier eine enorme akustische Bandbreite offenbart, sollte jeder seinen Sweet Spot finden, solange keine Studioreferenz erwartet wird.
Beim Noise Cancelling muss man leichte Abstriche machen – da sind andere inzwischen weiter. Dafür punktet der Kopfhörer mit guter Verarbeitung, sinnvollen Features, einfacher Bedienung und einer hohen Mikrofonqualität beim Telefonieren. Unterm Strich ist der Tour One M2 damit ein perfekter Begleiter für Alltag, Pendeln und Reisen – einer, den man gern dabeihat, weil er einfach verdammt gut funktioniert.
Den JBL Tour One M2 erhaltet ihr für aktuell 179,99 Euro auf der Webseite des Herstellers oder auch hier auf Amazon.
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