Die beiden E-Mail-Anbieter GMX und Web.de verwalten hierzulande gemeinsam rund 35 Millionen Postfächer. Um die Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit zu verbessern, haben die E-Mail-Provider nun neue Maßnahmen angekündigt.

Täglich werden über beide Dienste rund 800 Millionen E-Mails versendet – ein nicht unerheblicher Teil davon ist Spam. Viele dieser lästigen Werbe- und Betrugsnachrichten stammen aus kompromittierten Konten, nicht alle davon können von den Anbietern ausgesiebt werden.

Und doch verzeichnet man Fortschritte bei der Bekämpfung dieses Problems: Wie es heißt, habe man die Zahl der Spam-Nachrichten in den Postfächern von 2,1 Milliarden im Jahr 2024 auf 1,8 Milliarden im Jahr 2025 senken können – ein Rückgang um 15 Prozent.

Gezielte technische Maßnahmen gegen Spam

Um dem Spam-Aufkommen zu begegnen, setzen GMX und Web.de auf eine zweigleisige Strategie. Einerseits wurden die Anforderungen an E-Mail-Absender verschärft, andererseits kommt sogenanntes Deferring zum Einsatz – eine Technik, bei der die Zustellung verdächtiger E-Mails verzögert wird. Während vertrauenswürdige Anbieter die Zustellung in der Regel wiederholen, unterbleibt sie bei Spam-Versendern häufig, wodurch potenziell gefährliche Nachrichten abgefangen werden.

Mit Blick auf die viel diskutierte Rolle von künstlicher Intelligenz bei Spam-Angriffen geben die Provider zudem Entwarnung: Laut GMX und Web.de handelt es sich bei „KI-Spammern“ lediglich um einen Mythos. Künstliche Intelligenz werde eher als Werkzeug genutzt, nicht als eigenständiger Akteur. Für den Kampf gegen betrügerische Inhalte sehen die Anbieter wiederum großes Potenzial, könne die KI doch dabei helfen, wiederkehrende Muster in betrügerischen E-Mails zu erkennen und Nutzer besser vor Angriffen zu schützen.

Dauerlogin und Passkeys sollen Nutzung vereinfachen

Weiterhin wird aktuell ein dauerhafter Login getestet, der den Zugang zum Postfach vereinfachen und gleichzeitig die Sicherheit erhöhen soll. Nutzer müssen sich seltener mit einer PIN anmelden und sich können durch die europäische FedCM-Technologie auch auf Drittseiten mit einem Klick authentifizieren.

Ein weiteres Feature in der Testphase ist der Einsatz von Passkeys, die langfristig klassische Passwörter ersetzen sollen. Bei Passkeys erfolgt die Authentifizierung über einen auf dem Gerät gespeicherten privaten Schlüssel in Kombination mit einer biometrischen Verifizierung oder einer PIN. Da der Schlüssel das Gerät nicht verlässt, ist er besonders sicher vor Phishing-Angriffen. Kriminelle können so keine Passwörter mehr stehlen.

Die Passkey-Technologie soll zwei zentrale Vorteile bieten: eine komfortablere Anmeldung ohne das Risiko vergessener Passwörter sowie eine erhöhte Sicherheit durch Schutz vor Phishing und Missbrauch. Da die Authentifizierung gerätegebunden erfolgt, kann allerdings nur die Person auf ein Konto zugreifen, deren Gerät über den entsprechenden Schlüssel verfügt – was beispielsweise bei gemeinsam genutzten Accounts eine Einschränkung darstellt.

Quelle: chip.de